Betriebssystem-Streit: Motorola kooperiert mit Palm Computing - DER SPIEGEL
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Betriebssystem-Streit Motorola kooperiert mit Palm Computing

Der Wettkampf um die Handheld-Systeme ist im vollen Gange: Nachdem letzte Woche Ericsson durch ein Bündnis mit Microsoft für Aufregung sorgte, reagierte jetzt auch Motorola - und entschied sich für die Lizenzierung des Palm OS.
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Noch steckt der mobile Internetzugang in den Kinderschuhen, aber die Aussichten auf eine rasante Marktentwicklung haben schon jetzt unter den Handy-Herstellern zu einem Gerangel um Lizenzen und Kooperationen geführt. Erst in der letzten Woche vereinbarte der schwedische Handy-Hersteller Ericsson  eine Zusammenarbeit mit Microsoft , was in der Branche und auf dem Aktienmarkt zu heftigen Reaktionen führte. Für den nächsten Paukenschlag hat jetzt Motorola  gesorgt: Am Dienstag kündigte der nach Nokia zweitgrößte Handy-Hersteller an, das Palm OS von Palm Computing  für den Einsatz in Motorola-Produkten lizenzieren zu wollen.

"Es entsteht zur Zeit eine ganz neue Kategorie von mobilen Geräten, die populäre Organizer-Plattformen mit Mobilfunktechnologie verbinden", erklärte Merle Gilmore, der Präsident von Motorolas Communication Enterprises. Durch die Kombination des weit verbreiteten Palm OS mit der explodierende Nachfrage nach mobiler Kommunikation wolle man sein Angebot an personalisierten Internetlösungen ausbauen. Gleichzeitig sicherte sich der US-Konzern eine Minderheitsbeteiligung an Palm Computing, das am Montag seinen Börsengang beantragt hat.

Damit geht nach Ericsson und Nokia , das sich im Oktober ebenfalls mit Palm Computing verbündete, noch ein weiterer Partner aus dem Symbian-Bündnis  fremd. In dem vom britischen Handheld-Hersteller Psion  gegründeten Joint Venture arbeiten die Mobilfunkfirmen Nokia, Motorola und Ericsson an dem Betriebssystem EPOC, das mit Microsofts Windows CE konkurriert. Nach der Nachricht von der Ericsson-Kooperation mehrten sich die Befürchtungen über einen möglichen Zerfall des Zweckbündnisses. Als Gradmesser für das Symbian-Projekt fiel die Aktie von Psion vorübergehend um zwölf Prozent, obwohl Ericsson versicherte, weiterhin an EPOC mitarbeiten zu wollen.

Auf die Ankündigung durch Motorola reagierten die Anleger am Dienstag jedoch eher positiv. Grund dafür waren die Äußerungen von Analysten, die es für unwahrscheinlich halten, dass Motorola EPOC durch das Palm OS ersetzen will. Die Experten erwarten vielmehr, dass das Unternehmen die Vorteile der beiden Plattformen miteinander kombinieren wird. Dann könnte EPOC als Basissystem für die Verbindung zum Internet dienen, während das benutzerfreundliche Palm OS als Interface integriert wird. Ein stärkeres Zusammenwachsen der beiden Systeme könnte wiederum einen Vorteil für Symbian und einen schweren Schlag für Microsoft bedeuten.

Allerdings erhielt auch Microsofts Windows CE Schützenhilfe. Am Mittwoch kündigten die Elektronikkonzerne Siemens  und Casio  eine Kooperation zur Entwicklung von internetfähigen Kleincomputern an. Dabei will Siemens sein Know-how bei Handys beisteuern, während die Japaner ihre Erfahrungen mit Kleingeräten einfließen lassen wollen. Schon auf der nächsten Computermesse Cebit im Februar 2000 soll ein Prototyp präsentiert werden - auf Basis von Windows CE.

Martin Paetsch