Computermesse in der Krise Cebit künftig einen Tag kürzer
Was waren das für Zeiten in Hannover: 1995 beispielsweise zwängten sich 755.000 Besucher durch die Cebit-Hallen, 2001 waren es sogar 841.000. Das Geschiebe und Gedränge war so groß, dass die Aussteller die Messeleitung baten, Privatbesucher soweit wie möglich vom Gelände fernzuhalten. Unter dem Schlagwort "Reprofessionalisierung" sollte die Messe ihren Business-Charakter wiedererlangen, schreiben die Cebit-Macher in der Messe-Chronik. Unter anderem wurden die Eintrittpreise drastisch erhöht.
Aus heutiger Sicht muss man sagen: Die Reprofessionalisierung ist gelungen, leider sogar zu gut. Ab 2008 wird die immer noch weltgrößte Computermesse um einen Tag verkürzt und richtet sich auf geringere Ausstellerzahlen ein. Dies berichtet heute die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenkreise. Vom Cebit-Veranstalter, der Deutschen Messe AG, war am heutigen Montag nur "kein Kommentar" zu hören. "Wir haben morgen ab 12 Uhr eine Pressekonferenz zur Cebit", sagte Sprecher Detlev Rossa SPIEGEL ONLINE. Da werde es auch um "geänderte Rahmenbedingungen" gehen.
Wenn stimmt, was derzeit gemunkelt wird, dann wird die Cebit von 2008 an von Dienstag bis Sonntag stattfinden. Eindeutiger als bisher soll sich die Cebit zudem an Geschäftskunden wenden, auch um sich von der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin abzugrenzen. Die Cebit wolle der weltweit führende Informationstechnik-Marktplatz am Standort Deutschland bleiben, rechne aber durchaus noch mit einem weiteren Rückgang der Ausstellerzahl, zitiert Reuters eine mit dem Konzept vertraute Person aus der IT-Branche.
Messe nicht zum Spaß
Das klingt schon fast wie ein Offenbarungseid. Klar ist: Die Cebit hat ihre Funktion als Leitmesse der Informationstechnik verloren - zumindest, solange es um Unterhaltungselektronik geht. Orientierung bietet viel eher die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, die Anfang Januar ihren 40. Geburtstag feierte. Den wichtigen Trend der umfassenden Digitalisierung des Privatlebens - den hat man in Hannover unterschätzt und teilweise verschlafen. Und man wollte gleichzeitig nichts davon wissen. Der geschäftsschädigende Lärm, die grell erleuchteten Messestände, die jugendlichen Sammlerhorden - all das sollte aus den Hallen verschwinden. Man war ja geschäftlich nach Hannover gekommen und nicht zum Spaß.
Noch vor ein paar Jahren sah es überhaupt nicht danach aus, als könnte die Cebit je von CES und Funkausstellung in Berlin ernsthaft Konkurrenz bekommen. Die Messegesellschaft in Hannover hatte bereits 1996 versucht, mit der Cebit Home eine neue Messe speziell für Endkunden zu etablieren. Doch die Cebit-Alternative fand nur zweimal statt. Im Jahr 2000 kam das endgültige Aus, weil die Schau wegen der laufenden Weltausstellung Expo nicht in Hannover stattfinden konnte.
Womöglich haben die Messemanager zu früh das Handtuch geworfen. Denn die Berliner Funkausstellung, eine sowohl auf Händler als auch auf Privatbesucher ausgerichtete Messe, hat inzwischen vom Zweijahres- auf den Jahresrhythmus umgestellt. Kein Wunder: In der Unterhaltungselektronik sind die Produktzyklen immer kürzer geworden, die Umsätze steigen gleichzeitig rasant. Flachbildschirme, MP3-Player, Musikhandys - das sind die Umsatzbringer von heute.
Bye, bye Hannover!
Die Messestadt Hannover wird davon kaum noch profitieren. Immer mehr namhafte Aussteller haben sich von der Cebit zurückgezogen: E-plus, Philips und Sony fehlten bereits 2006, in diesem Jahr sind erstmals Nokia und Motorola nicht mehr dabei. Hewlett Packard (HP) hatte sich schon 2004 verabschiedet.
Zu teuer, zu groß, falscher Zeitpunkt im Jahr - das hört man immer wieder von Ausstellern über die Cebit. Vor allem für Händler, die Ware an Endkunden verkaufen wollen, wäre ein Termin im zweiten Halbjahr kurz vor dem lukrativen Weihnachtsgeschäft, sinnvoller.
Viele Branchengrößen überlegen zudem genau, ob und wo sie sich mit einem millionenschweren Messestand überhaupt noch zeigen wollen. Apple beispielsweise veranstaltet schon seit Jahren konsequent seine eigene Messen - natürlich auch, um nicht im Medienrauschen von Großveranstaltungen wie der Cebit unterzugehen. Roadshow, Hausmesse, Firmenevent - viele Manager glauben, so ihr Geld effektiver einsetzen zu können.
Eines macht das andauernde Schrumpfen der Cebit auf deutlich: Die Ära der gigantischen Messen geht offenbar zu Ende. Wenn überhaupt, dann versprechen noch Spezialmessen Erfolg - etwa die Photokina. Die Cebit muss da ihren neuen Platz erst noch finden.