Die Mini-Mobilen Digitales für die Jackentasche
In ihrer Frühzeit hatten Mobiltelefone noch klobigen Charme. Sie bestanden damals aus zwei Teilen: Einem Hörer, der groß und griffig der Hand lag, und der kiloschweren Batterie samt Antenne, die entweder im Kofferraum verstaut oder in einem Köfferchen mitgeschleppt wurde. Alles vorbei.
Heute haben Handys die Ausmaße einer Nussschale und sind höchstens so schwer eine kleine Packung Hustenbonbons. Und sie können fast alles. "Auf Minispeichern einer Maxidatenmenge unterbringen zu können - das war eine Revolution", sagte Jochen Wiesinger von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) im Vorfeld der Ifa. Telefonieren, SMS, Faxe und E-Mails empfangen und versenden - Handys mutieren immer mehr zum mobilen Büro- und Spaßcenter.
Phillips bietet beispielsweise mit einem Kooperationspartner Spiele fürs Handy zum Herunterladen an. Der finnische Elektronikriese Nokia prophezeit mit einem neuen Gerät das Ende des Kabelsalats: Das Handy für den neuen Mobilfunkstandard GPRS verfügt zusätzlich über eine Schnittstelle für die Bluetooth-Technologie, eine kabellose Übertragungstechnik per Funk. Damit können Daten wie Telefonbuch- oder Kalendereinträge zwischen Handy und PC bis zu einem Abstand von zehn Metern abgeglichen werden. Die Geräte, so rühmt sich Nokia, müssen dafür noch nicht einmal im gleichen Raum sein.
Das Handy als Hifi-Anlage
Mit dem neuen Mobilfunkstandard UMTS soll das Handy zum tragbaren Multimedia-Terminal werden. Die Geräte der dritten Generation werden voraussichtlich aber erst im nächsten Jahr in den Läden stehen. Dann aber soll es richtig abgehen in der Jackentasche: Ob netzgestützte Datenbank, Internet-Zugang oder Unterhaltungsgerät in Hifi- und Videoqualität - der neue Standard soll die Mobilfunkwelt revolutionieren. Fraglich ist allerdings, zu welchen Preisen die Super-Dienste fürs Handy angeboten werden. Die Mobilfunkbetreiber haben schließlich Milliarden für die UMTS-Lizenzen hingeblättert und müssen diese Investitionen jetzt wieder einspielen.
Doch der Trend zum mobilen Allround-Talent ist nicht aufzuhalten. Das meint jedenfalls Martin Giersich vom Fraunhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD): "Zukünftig werden die Verbraucher sehr viele Dienste über mobile Kleinstgeräte wie Taschen-Computer oder Handys abfragen - mittels stationärer Dienste oder aus dem Web." Die Forscher haben sich dem Thema in Form eines persönlichen Einkaufsführers gewidmet: Das System "eShop" ermöglicht dem Benutzer, mit Hilfe einer Website zu Hause eine Einkaufliste für einen Taschencomputer zu erstellen. Im Supermarkt schließt sich der Mini-PC dann mit dem Haus-Server kurz und informiert den Kunden über Sonderangebote und weist den Weg zu den gewünschten Produkten.
Kleiner geht's nicht mehr
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Auch der gute alte Walkman kann dem Miniatisierungs- und Digitalisierungswahn nicht entrinnen. So hat Bosch eine Speicherkarte entwickelt, die das Musikhören, direkt vom Handgelenk möglich macht. Der quadratische Kleinst-Player wiegt nur 43 Gramm und bringt es auf eine Kantenlänge von gerade einmal fünf Zentimetern. Sony hat bei seinem Konkurrenzprodukt gleich alle Technik ganz in den Kopfhörer gepackt. Der Player liefert bis zu zwei Stunden Musik - direkt vom Ohr fürs Ohr. Das Gerät markiert im Moment das Ende der Fahnenstange in Sachen Miniaturisierung. "Noch kleiner kann man nicht mehr werden", sagte gfu-Sprecher Jochen Wiesinger.