UMTS hautnah Schöne bunte Welt
Es ist schwarz, unscheinbar und kantig. Keine Spur von den koketten Rundungen und grellen Farben, die erste Prototypen versprechen. Doch anders als seine allzu hippen Kollegen hat das schwarze Wunderding einen entscheidenden Vorteil: Es ist eines der ersten funktionierenden UMTS-Handys.
Zugegeben: Handy ist etwas übertrieben, Empfangsgerät wäre wohl treffender. Denn der Klotz am Telekom-Stand, nicht viel größer als ein Telefonhörer, ist nur der sichtbare Teil einer Einsteckkarte für Laptops. Display oder Tasten suchen Betrachter vergebens. Immerhin kann das schmucklose Modem, so Präsentator Bernd Stephan, mittels UMTS Daten senden und empfangen.
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Gespeist wird der Empfänger von einem Netz, das die Telekom direkt vor Halle 26 erzeugt. Die UMTS-Frequenzen umfassen dabei in etwa den Bereich des Telekom-Standes - und der ist immerhin so groß wie ein Fußballfeld. Genau eine UMTS-Zelle haben die Techniker realisiert, doch so richtig schnell ist das Unterfangen noch nicht: Gerade einmal 64 Kilobit pro Sekunde rauschen durch den Äther, genauso viel wie bei einer herkömmlichen ISDN-Verbindung.
Dass das Ganze auch funktioniert, sollen Videos beweisen. So verwaschen und stockend wie erwartet flimmern die Bilder jedenfalls über den Bildschirm. Stephan verschickt, umgeben von einer Menschentraube, Live-Videos ans Festnetz und empfängt gleichzeitig Aufnahmen einer Webcam auf seinem Laptop. "Bis 2003 wollen wir UMTS anbieten", sagt der Telekom-Vorführer. "Und dann auf jeden Fall schneller als mit 64 Kilobit pro Sekunde."
UMTS, bitte melden
Gleiche Technik, anderes Prinzip: Statt nur Videos vom Stand hin und her zu übertragen, haben die Mobilfunker von E-Plus hinter der Bühne eine Kollegin platziert, die mittels Bildtelefonie kontaktiert werden kann. Über ein UMTS-Handy. Zumindest in der Theorie.
Das Bild der Dame flimmert auch fleißig über den Laptop-Bildschirm, nur mit dem Ton hapert es. "Hallo, Hi. Wie geht es Ihnen, können Sie mich hören?" Die Antwort verhallt in den unendlichen Weiten der neuen Mobilfunktechnik. UMTS, bitte melden!
"It used to work", sagt Alvin Heib vom Netzausrüster Nortel Networks. "Gerade ging's noch." Doch von derart kleinen Rückschlägen lässt sich der Asiat nicht aus der Ruhe bringen - und erläutert ausführlich die Segnungen des mobilen Internet. So werden die Geräte der nächsten Generation automatisch den Standort ihrer Besitzer erkennen, sich aus dem Internet Informationen zu möglichen Routen holen und den Weg zum gewünschten Ziel berechnen. Routenplaner-CDs werden überflüssig, die mobilen Geräte kleiner.
Heib zweifelt keine Sekunde, dass so etwas sinnvoll ist, geschweige denn, dass entsprechende Geräte kommen werden. Immerhin lasse UMTS, das angeblich die Größe der Funkzellen ändern und sich in mehrere Zellen einbuchen kann, sehr genaue Rückschlüsse über den Standort eines Handys zu.
"Bitte nicht berühren"
D2 Vodafone hat andere Visionen, dafür aber kein funktionierendes UMTS-Netz. In Ermangelung einer Verbindungsmöglichkeit der dritten Generation müssen sich die Mobilfunker mit Wireless LAN, einem drahtlosen Hochgeschwindigkeitsnetzwerk, begnügen - allerdings gedrosselt auf realistische 64 Kilobit pro Sekunde, wie Frank Timphus am D2-Stand betont.
Und so ruckeln auch bei den Mannesmännern wieder verschwommen Videos durch kleine Fenster. Zwar gehen Experten davon aus, dass bewegten Bilder auf Grund der zunächst geringen UMTS-Übertragungsraten keine große Zukunft beschert ist, aber wen stören schon derartige Prognosen? Die ersten realistischen UMTS-Anwendungen - bezahlen auf Knopfdruck, lokalisierte Informationen oder interaktive Fahrpläne - existieren erst in den Köpfen ihrer Entwickler. Zudem sind sie für eine Messe einfach nicht sexy genug. Nur was sich bewegt, ist gut.
Videokonferenzen, Streaming und MMS, die multimediale Variante der SMS, kennzeichnen den D2-Auftritt. Unablässig verschickt Timphus, ein blonder Hüne mit eindringlicher Stimme, E-Mails mit Bildern der Messebesucher oder ruft Videos von Tourenwagenrennen ab.
Ericsson zeigt zwar auch bewegte Bilder, setzt aber andere Schwerpunkte. Der Prototyp eines UMTS-Handys, ebenfalls noch über Wireless LAN angesteuert, soll beweisen, welche Anwendungsmöglichkeiten in der neuen Technologie stecken. Und so beamt das Mobiltelefon, intern auf den Namen "Emil" getauft, Nachrichten, Kneipentipps oder Erinnerungsfotos auf einen großen Bildschirm. Schöne bunte Welt.
Schön und bunt ist auch die UMTS-Studie von Siemens, viel schicker, viel handlicher als Bernd Stephans schwarzes Ungetüm - aber eben nur eine Attrappe. Eingelassen in den Tisch glänzt da ein ebenso rundliches wie farbenfrohes Handy, über ein Display huschen Bildchen. Nur in die Hand nehmen kann das Gerät kaum jemand. Siemens fordert von den Besuchern: "Bitte nicht berühren."
Über Berührungsängste muss sich Bernd Stephan nicht beschweren. Der Telekom-Mann präsentiert geduldig sein UMTS-Empfangsgerät, erklärt die Technik, posiert für Erinnerungsfotos. Und er ist auch ein bisschen stolz. "Wir sind die Einzigen, die das hier legal vorführen." Das allerdings überrascht kaum: Bei Kosten von 16 Milliarden Mark, die die Telekom für ihre UMTS-Lizenzen geboten hat, dürfte eine Cebit-Genehmigung auch noch drin gewesen sein.