dmmv Spamming mit Samthandschuhen
Düsseldorf - Nur nach einem so genannten Double Opt-In sollten in Zukunft Werbe-Mails versendet werden, heißt es in der am Dienstag verabschiedeten Richtlinie. Das bedeutet, erst nachdem ein User eine Anmeldung zur Zusendung von Werbemails oder Newslettern noch einmal bestätigt hat, erhält er tatsächlich Nachrichten in seine Inbox. Zumindest in der Theorie könnte das in Zukunft helfen, unerwünschte Massenmails einzudämmen, die nach Ansicht von Marktforschungsinstituten jährlich Online- und Personalkosten in Milliardenhöhe verursachen.
Der Verband wolle mit der Richtlinie ein Zeichen setzen, dass man das Internet "als Kommunikationsmedium zwischen gleichberechtigten Nutzern" respektiere, sagte dmmv-Geschäftsführer Alexander Felsenberg. Deswegen müsse das Double Opt-In "der Standard für die Massen-E-Mail-Kommunikation werden". Klaus Arnold, Leiter der Projektgruppe E-Mail-Marketing betonte, E-Mail-Marketing werde bei den Nutzern nur dann als akzeptierte Werbeform angesehen, wenn diese nicht ungefragt belästigt werden würden. Negative Auswirkungen des Spammings seien "nicht im Sinne der Wirtschaft".
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Doch dass die Vorschläge des dmmv das Problem der nervigen Werbemails noch nicht einmal im Ansatz lösen können, steht außer Frage. Zwar vereint der Verband immerhin rund 1300 deutsche Unternehmen unter seinem Dach, doch selbst wenn diese sich vollständig an die Richtlinie halten sollten, bliebe dies nur ein Alleingang. So scheiterte etwa im Bürgerrechtsausschuss des Europäischen Parlamentes ein Vorstoß zum Verbot von Massen-Werbemails in der Europäischen Union. Der Ausschuss konnte sich nicht auf ein generelles Nein zum Spam verständigen, wie es von der Europäischen Kommission gefordert worden war. Stattdessen sollen in Zukunft nur diejenigen Mails strafbar sein, die von einer ungültigen Absenderadresse abgeschickt werden und die keinen eindeutigen Hinweis enthalten, wie weitere Mails von dieser Adresse in Zukunft verhindert werden können.
Daher warnt der dmmv, vor allem aus dem europäischen Ausland und aus den USA müsse in Zukunft "mit unerwünschten Massenaussendungen" gerechnet werden. Das klingt logisch, denn dort wird es in jedem Fall Anbieter von Online-Glücksspielen, Immobilien in der Karibik oder leichtbekleideten Berühmtheiten geben, die sich nicht um eine Richtlinie kümmern werden, die irgendwo in Deutschland verabschiedet wurde. Die Zeichen stehen also auf Spam, der jüngsten Erklärung zum Trotz.