Freenet vs. Telekom: Streit um "T-Offline" - DER SPIEGEL
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Freenet vs. Telekom Streit um "T-Offline"

Genauso wie die Telefongesellschaft Mobilcom legt sich nun auch deren Internet-Tochter Freenet mit der Deutschen Telekom an. Der Rosa Riese reagiert wie erhofft: mit rechtlichen Schritten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Alles schon mal da gewesen: Die - damals noch kleine - Telefongesellschaft Mobilcom fährt in bunten Anzeigen der großen Telekom  an den Karren. Der Ex-Monopolist reagiert verärgert, erwirkt einstweilige Verfügungen und holt zum medialen Gegenschlag aus. In Anzeigen und TV-Spots ist von einer "Falle" und der bösen "Mogelcom" die Rede.

Doch es hilft alles nichts: Auch wenn die Deutsche Telekom vor Gericht gewinnt, geht Mobilcom letztlich aus der Auseinandersetzung als Sieger hervor. Denn der Bekanntheitsgrad der norddeutschen Firma steigt schlagartig an.

Das war Ende 1998. Heute hat Mobilcom eine Internet-Tochter namens Freenet , die sich - wenig überraschend - derselben aggressiven Werbemethoden bedient. Immerhin gilt es, den eigenen Namen bekannt zu machen - auf Kosten des Ex-Monopolisten.

So schaltet Freenet seit vergangener Woche in Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen, die nicht nur das T-Logo der Deutschen Telekom enthalten, sondern auch Assoziationen wie "Teuer" und "Tohuwabohu". Die Werbung, stilgerecht in den Telekom-Farben Grau und Magenta gehalten, gipfelt schließlich in dem Slogan "Deutschland geht T-Offline".

Die Reflexe bei der Deutschen Telekom scheinen noch immer zu funktionieren. Wie deren Sprecher Stephan Broszio bestätigt, hat die Telekom mittlerweile rechtliche Schritte gegen Freenet eingeleitet und auch schon einstweilige Verfügungen erwirkt.

Broszio wertet die Anzeigen als Rechtsverstoß. "Weitere rechtliche Schritte prüfen wir", sagt er. Freenet nutze "einen berühmten Namen und eine große Marke um sein Angebot bekannt zu machen." Sollte die Telekom mit eigenen Anzeigen auf die Freenet-Werbung reagieren, werde man dies "sicher nicht auf diesem Niveau tun".

Beim norddeutschen Internet-Anbieter freut man sich offensichtlich über den gelungenen Coup. Wie Unternehmenssprecher Torsten Kollande freimütig einräumt, habe Freenet bislang zwei Abmahnungen von der Telekom bekommen und beide Male eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Die Kosten für die Abmahnungen seien, so Kollande, allerdings "marginal" - und wahrscheinlich schon im Werbeetat einkalkuliert.

Da die abgemahnten Anzeigen nicht mehr eingesetzt würden, kämen auf das Unternehmen keine weiteren Strafzahlungen zu. Man werde sich aber auf jeden Fall "bald wieder etwas Neues einfallen lassen". Auch an der grundsätzlichen Linie ändere sich nichts. Kollande: "Wir werden auch in Zukunft aggressive Werbung machen."

Nicht nur Freenet, auch AOL scheint umstrittene Werbesprüche entdeckt zu haben. Offensichtlich kümmert sich Deutschlands zweitgrößter Online-Anbieter aber nicht so sehr um einstweilige Verfügungen. Denn die Deutsche Telekom hatte im September zwar vor Gericht erreicht, dass AOL nicht mehr mit dem Slogan "Internet zum Festpreis" werben dürfe, die AOL-Kampagne ging zunächst allerdings munter weiter.

Wegen unzulässiger Werbung muss AOL nun ein Ordnungsgeld von 300.000 Mark zahlen. Wie ein Gerichtssprecher am Montag mitteilte, hat das Oberlandesgericht Köln vergangene Woche einen entsprechenden Beschluss gefasst. Allzu sehr grämen muss sich der Onlineriese angesichts der Strafe wohl nicht - wird doch allein der AOL-Werbeetat auf rund 200 Millionen Mark geschätzt.

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