Funkausstellung Ifa: Konsum ist cool - DER SPIEGEL
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Funkausstellung Ifa Konsum ist cool

Die Ifa mausert sich zu einer Messe, wie sie die Cebit nie sein wollte: zum Hightech-Spektakel für alle Verbraucher. Die Berliner bauen gegen den Trend zur übersichtlichen Spezialmesse auf die große Gesamtschau und feiern ein fast vergessenes Vergnügen - die Freude am Konsum.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kaum eine Frage liegt inzwischen näher, wenn es um die Ifa geht: Warum heißt die Veranstaltung eigentlich immer noch Funkausstellung? Denn historische Gründe allein kann man längst nicht mehr gelten lassen. Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Berliner Messe mehr und mehr zur Hightech-Show für Konsumenten entwickelt - und in diesem Jahr hat sie es endgültig geschafft.

Im Vorfeld ist darüber kräftig gespottet worden. Dass da nun wieder der TV-Eiscrusher-Kühlschrank mit Internet-Verbindung zu sehen sein würde, inspirierte so manchen Kommentator zur voreiligen Glosse. Wer abwartete und sich vor Ort umsah, nahm dann schnell Abschied vom Hohn: Die Haushaltselektronik ist durchaus kein Fremdkörper im Angebot der Messe, sie entpuppt sich sogar als potentieller Erfolgsfaktor.

Jetzt erscheint denkbar, was die Veranstalter im Vorfeld so vollmundig ankündigten: Die Ifa wolle Deutschlands größte Hightech-Messe sein - und nach Möglichkeit mehr als das. Mit 1245 Ausstellern aus 63 Ländern war bereits vorab klar, dass die Funkausstellung zumindest die größte Ifa aller Zeiten sein wird. Aber würde sie das Publikum auch annehmen?

Die kecke Prognose, man werde mehr als 220.000 Besucher anlocken, wird die Ifa kaum halten können. Zur Halbzeit meldete die Messeleitung über 100.000 Besucher und prognostizierte - schon bescheidener - eine Besucherzahl über 200.000. Selbst das wäre schon ein großer Erfolg und in mehrfacher Hinsicht gegen den Trend: In den letzten Jahren war zwar die Zahl der Aussteller gewachsen, die Besucherzahl der Ifa dagegen gesunken.

Denn eigentlich gilt die große Kraut-und-Rüben-Messe nach dem Strickmuster Ifa oder Cebit als out: In den vergangenen Jahren boomten vor allem die kleinen oder sehr spezialisierten Messen. In den Vereinigten Staaten etwa geht der Trend hin zu Hausmessen einzelner, kräftiger Unternehmen.

Messetrend: Feinkost statt Supermarkt

Das Paradebeispiel dafür sind Events wie Apples quasi-religiöse Produktveranstaltungen, bei denen die Fans einerseits "his Steveness" Steve Jobs anbeten konnten, andererseits ein Angebot von typischerweise mickrigen vier bis acht Produkt-Neuvorstellungen präsentiert bekamen. Wenn Knaller wie im vergangenen Jahr das erste iPhone dabei sind, ernten solche Showveranstaltungen mehr mediales Interesse als die fast zeitgleich stattfindende CES, die eigentlich noch immer die größte Elektronik-Show der Welt ist (und nicht etwa die Ifa). In Deutschland schickte sich in den vergangenen zwei Jahren die Games Convention mit ihrem limitierten Themenspektrum an, der Ifa in Sachen Publikumsinteresse den Rang abzulaufen.

Vor allem aber in zweierlei Hinsicht widerlegt die diesjährige Ifa die aktuellen Trends: Erstens war Hightech nach dem Boom und der Begeisterung für Internet und Digi-Technik Anfang des Jahrzehnts lange Zeit nicht mehr cool, sondern vor allem selbstverständlich; zweitens läuft der Zeitgeist seit einigen Monaten nicht mehr in Richtung Konsumfreude und Spaß an Luxusartikeln. Inzwischen herrscht Konsumaufschub, Inflations-Jammerei und Zukunftsangst.

In dieser Hinsicht steht die Ifa inzwischen tatsächlich noch viel mehr als die Cebit stellvertretend für die nach wie vor boomende E-Branche. Während das sogenannte Konsumklima von Flaute-Prognosen gezeichnet ist und die Umfragen der Wirtschaftsforscher unter Handel und Industrie wachsende Weltuntergangsstimmung ausweisen, wirken die Vertreter der Hightech-Branchen im Vergleich nahezu wie berauscht: Aufwärts, aufwärts geht es, immer mehr Geld geben die Deutschen aus für LCD-Bildschirme und andere angenehme Unnötigkeiten. Die Hightech-Branche ist im Umsatz-Hoch - und geradezu high davon.

Ist mehr einfach mehr?

Davon scheint in diesem Jahr nun auch die Ifa zu profitieren, die der Cebit in der Gunst und Aufmerksamkeit der kaufenden Kundschaft den Rang abläuft. Fein, wird man sich in Hannover denken, denn eigentlich will die Cebit ja eine Fachmesse sein. Ob dieses Kalkül in einer Warenwelt, in der kaum noch ein Entwickler und Hersteller eindeutig positioniert ist, auf Dauer aufgehen kann?

Die letzte Großmesse, die glaubte, von der Show für alle zur Fachmesse für die Branche mutieren zu müssen, war die Videospielshow E3 in den USA. Binnen kürzester Zeit versank diese Fachmesse nahezu in der Bedeutungslosigkeit. Ihre Rolle übernahm ein Event, das den Spagat von Publikum und Fachmesse wagte - die Games Convention in Leipzig, die ihren Status als Europas Leitmesse aber wohl auch wieder verlieren wird.

Es handelt sich eben noch besser, wenn man vor Ort die Resonanz beim potentiellen Publikum beobachten kann: Kommt der Kram bei denen an? Glänzt hier und da ein Äuglein? Diskutieren Mami und Papi die Dehnungsfähigkeit des Etats?

All das bietet die Ifa den Ausstellern im Überfluss - und dem Publikum ein Angebot, wie es breiter kaum sein könnte. Dass dort nun nicht nur Laptops, Beamer oder mobile Multimedia-Spielzeuge zu sehen sind, sondern auch stromsparende Haushaltsgeräte oder innovative Staubsauger, lockt nun auch den vernünftiger denkenden Teil der Bevölkerung in die Messehallen.

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