Geldkarte: Von den Käufern verschmäht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Geldkarte Von den Käufern verschmäht

Die Geldkarte, eine mit einem aufladbaren Chip ausgestattete Plastikkarte, wird sich in Deutschland als Zahlungsmittel nicht durchsetzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - "Die Karte ist wirtschaftlich ein Flop", sagte Hugo Godschalk, Geschäftsführer der Unternehmensberatung PaySys  (Frankfurt/Main) im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Verglichen mit anderen europäischen Ländern sei die Geldkarte in der Bundesrepublik zwar weit verbreitet, bislang werde sie aber als Zahlungsmittel kaum genutzt. "Inzwischen ist im Handel Ernüchterung eingetreten", so Godschalk.

Mit den Geldkarten wurden nach seinen Angaben im ersten Halbjahr 1999 in 9,2 Millionen Zahlungsvorgängen knapp 71 Millionen DM umgesetzt. Das entspricht einem Anteil von weniger als 0,1 Prozent am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels. Damit die Geldkarte wirtschaftlich sei, muss nach Godschalks Einschätzung mindestens die 30fache Summe an Zahlungsvorgängen erzielt werden.

"Auf manchen Gebieten ist Bargeld einfach unschlagbar", betonte der Experte. Die Einführung des Euro könnte sogar das endgültige Aus für die Geldkarte bedeuten: "Warum soll ich die Chipkarte nach Italien und Spanien mitnehmen, wenn ich nicht einmal weiß, ob die entsprechenden Lesegeräte dort überhaupt funktionieren, ich aber genauso gut mit Euro bezahlen kann?"

Beim elektronischen Handel über das Internet könnte die Chipkarte dagegen Vorteile bieten, weil Bargeld als konkurrierendes Zahlungsmittel entfalle, so Godschalk. Wahrscheinlich sei aber, dass die Geldfunktion nur eine Nebenrolle bei der zukünftigen Nutzung der Chipkarte, zum Beispiel für Telekommunikation und Datenaustausch, spielen werde.

Verwandte Artikel