Gerüchteküche Origami Microsoft macht auf viral
Wie bringt man die Gerüchteküche so richtig zum Kochen? Indem man die Verkündung einer Top-Nachricht ankündigt - und nichts, aber auch gar nichts über die Nachricht selbst sagt. Der kalifornische Computerhersteller Apple praktiziert dies schon seit Jahren so vor seiner Hausmesse Macworld. Regelmäßig schießen die Spekulationen ins Kraut. Selbst perfekt inszenierte Produktfotos kursieren vorab im Netz - oft handelt es sich um Fälschungen.
Das Ganze funktioniert nur, so lange alle Beteiligten bei Apple dichthalten. Und das tun sie in der Regel. Über das Ergebnis freuen sich die Marketing-Strategen: Blogs, Zeitungen und Newsseiten thematisieren die vermuteten Neuigkeiten. Gratis-Werbung für die eigenen Firma - was kann es Schöneres geben?
Virales Marketing heißt das gezielte Streuen von Informationshäppchen, mitunter auch von Gerüchten. Microsoft beschreitet nun auch den viralen Weg, lässt jedoch von Anfang an so viele Informationen durchsickern, dass die Gerüchteküche nur mit halber Kraft brodelt.
Vor einigen Tagen startete das Unternehmen eine Website zum ominösen Origami-Projekt . In bislang zwei hochprofessionell produzierten Trailern wird das Interesse für ein Ding geweckt, das überall sein soll, in der Stadt, im Auto, in der Natur. "Wie kann ich dein Leben ändern?" wird der Betrachter gefragt und mit der Antwort auf den 9. März vertröstet.
Genau an diesem Tag startet in Hannover die Cebit - und Microsoft lädt am Vormittag zur Pressekonferenz ein. Ein perfekter Termin zum Verkünden der Neuigkeit. Baut Microsoft ein eigenes Mobilgerät, wurde spekuliert. Einen Handheld, eine Mobilkonsole oder gar ein omnipotentes Handy?
Weil es bei Microsoft aber offenbar kein Schweigegelübde wie bei Apple gibt, sind diese Fragen längst beantwortet. So haben die Programmierer im Quellcode der Origami-Website eine Woche nach dem Launch folgenden Kommentar versteckt: "Origami Project: the Mobile PC running Windows XP".
Es geht also um einen tragbaren PC mit Windows XP. In der deutschen Pressestelle ist im Zusammenhang mit Origami von "ultramobile computing" oder "ultramobile PC" die Rede.
Ein Firmensprecher sagte zudem, Origami werde auf der Cebit-Pressekonferenz von Microsoft "nur für 30 Sekunden" Thema sein. Die meisten Informationen würden die Partner Intel und Samsung liefern, da Microsoft kein neues Hardware-Projekt in Angriff genommen habe.
Die Nachrichtenagentur AP zitiert außerdem einen Microsoft-Mitarbeiter, der anonym bleiben will, weil er zur Verschwiegenheit verpflichtet sei. Bei Origami handle es sich um einen Windows-PC im Taschenbuchformat, erklärte er. Es gebe mehrere Hersteller, die Geräte zu Preisen zwischen 500 und 1000 US-Dollar schon kurz nach der Cebit anbieten würden.
Damit scheint festzustehen, was es in sechs Tagen in Hannover zu sehen gibt: einen kleinen, leichten Computer, an dessen Hardwarekonzept Intel mitgewirkt und der von Samsung hergestellt wird. Ein Werbevideo des Vorläufermodells kursiert sogar im Netz. Das alles ist dann schon sehr konkret und kaum noch viral.
Holger Dambeck