MusicNet/RealOne: Großhändler mit verderblicher Ware - DER SPIEGEL
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MusicNet/RealOne Großhändler mit verderblicher Ware

MusicNet testet nicht, MusicNet lässt testen: Anders als die Konkurrenz tritt der Dienst bisher nicht als Kunden-Portal auf, sondern als Musik-Großhändler. Als solcher will er sein Portfolio an andere lizenzieren - wie bereits an RealOne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

MusicNet ist gewissermaßen die Halbschwester von Napster: Über diesen Musikgroßhandel im Netz kann Napster in Lizenz "Musik von über 10.000" Künstlern und Gruppen beziehen und seinen Kunden anbieten. Koop-Partner RealOne Music tut dies bereits.

Das RealOne-Angebot wirkt auf den ersten Blick überfrachtet: Wenn man einmal falsch klickt, sieht man sich einem kleinen Bannersturm ausgesetzt, in dem auf TV-News, TV-Preisverleihungen und TV-Sport hingewiesen wird. Wer gern mit mehreren Programmen arbeitet oder sogar mehrere Tauschbörsen gleichzeitig nutzen will, dem stellt sich RealOne Music mit ganzem Gewicht auf die Leitung, es sei denn, man verfügt über einen schnellen DSL-Anschluss.

Immerhin gelingt es dem Anbieter, die Möglichkeiten des Internet für sein Musikangebot zu nutzen: Es sind auch Musikvideos im Angebot. Kleiner Schönheitsfehler: Trotz intensiver Bemühungen gelang es dem interessierten Kunden nicht, dem Programm zu vermitteln, dass der eigene Rechner online war. Immer wenn es daran ging, einen Songs herunterzuladen, teilte das RealOne-Programm eine fehlende Internetverbindung mit - trotz DSL-Standleitung.

Bei einem Monats-Preis von 9,95 US-Dollar (rund 11 Euro) für je 100 Streams und Downloads durchaus ärgerlich. Dafür gab es die regelmäßige Aufforderung, die Festplatte nach Media-Dateien zu durchsuchen.

Zweck dieser Übung: Als Anbieter des RealPlayers hat das Unternehmen ein Interesse daran, dass die werte Kundschaft ausschließlich die eigene Abspiel-Software nutzt. Spätestens wenn die Software läuft, stellt man fest, dass sich die Stücke weder kopieren lassen noch auf tragbare Player übertragbar sind und auch nur 30 Tage lang gespielt werden können, bevor sie automatisch "verfallen". Wenn der RealOne-Account gekündigt wird, gehen die Stücke ebenfalls den Weg alles Irdischen.

Venio Piero Quinque

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