Napster Die Ersten werden die Letzten sein
In diesen Wochen, fast ein Jahr, nachdem Napster seinen Dienst zunächst eingeschränkt und schließlich eingestellt hat, ist die ehemals beliebteste Musik-Tauschbörse wieder online: Vorerst allerdings nur mit einem Betatest, der auf 20.000 Nutzer und 100.000 Songs beschränkt ist, wie das Unternehmen mitteilen lässt.
Für die US-Teilnehmer am kostenlosen Napster-Betatest ist die Anzahl der Downloads vorerst auf 50 Songs begrenzt. Was bei den zumeist unbekannten Musikern und Bands, die dort zu finden sind, auch nicht stört.
Auffällig und für einen Musikservice im Netz nicht unwesentlich: Offenbar ist die Napster-Software nicht immer in der Lage, abgebrochene Ladevorgänge zu identifizieren und sie fortzusetzen: Im SPIEGEL-ONLINE-Test kam es gelegentlich vor, dass der Napster-Client einen Song auf der Festplatte erkennen wollte, der sich dort nachweislich nicht befand - Überbleibsel eines Fehlversuchs, der den User im Ernstfall einen ganzen "Song-Credit" kostet, ohne dass er etwas dafür erhält.
Insgesamt erinnert das neue Napster in Aufmachung und Funktionen stark an das, was es bei den kostenlosen Programmen wie Morpheus auch gibt: Songs können nicht nur nach Künstlernamen oder Titel, sondern auch nach dem Grad der Komprimierung oder der Schnelligkeit der Internet-Anbindung des Tauschpartners gesucht werden. Zudem gibt es einen eigenen Player, um die Songs, die im MP3- beziehungsweise als so genanntes Nap-Format gespeichert sind, anzuhören.
Eigenes File-Format: Mehr Tücke als Trumpf
Dieses Nap-Format birgt für den Erfolg des Dienstes möglicherweise Tücken: Übliche Player können mit den Napster-Dateien bislang nichts anfangen, es fehlen ihnen noch entsprechende Erweiterungen. Und ob Nap-Songs in den mittlerweile verbreiteten MP3-Abspielgeräten laufen, konnte noch nicht dem Alltagstest unterzogen werden.
Mit Spannung erwarten Fachleute auch die Beschränkungen, denen die Napster-Songs unterliegen sollen. Zwar gelang es uns, ein Napster-Stück auf eine CD zu brennen. Wie lange der Songs spielbar bleibt, wird sich nach Ablauf des Betatests zeigen: Napster integriert angeblich Digital-Rights-Management (DRM) in die Musikdateien, durch die Musik gewissermaßen mit einem Verfallsdatum ausgestattet werden kann. Nach Ablauf einer Frist wird der Songs unspielbar, es sei denn, man zahlt erneut.
Der genaue Preis für Napster ist noch nicht bekannt, er soll aber "zwischen fünf und zehn US-Dollar" liegen, so Napster-Chef Konrad Hilbers. Der Starttermin des Kommerzservices ist ebenfalls unklar: Der Versuch, mit der Industrie zu einer außergerichtlichen Einigung zu kommen, ist misslungen. Jetzt spielt die Musik erst einmal wieder vor Gericht.
Venio Piero Quinque
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