Napster: Lieber ein Ende mit Schrecken? - DER SPIEGEL
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Napster Lieber ein Ende mit Schrecken?

Am Mittwoch lief das Ultimatum gegen Napster ab, ohne das der P2P-Dienst die Auflagen des Gerichts erfüllt hätte. Nun wartet alles auf ein Wort des Gerichts - und nichts geschieht. Am Ende könnte es Napster zerstören, dass niemand den Dienst verbietet.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wird Napster geschlossen oder nicht? Jede Stunde sind weniger Songs zu finden, der Unmut der Fans wächst und wächst. Überraschend zeigte selbst der am Dienstag verkündete Deal mit dem Unternehmen Gracenote fast umgehend Effekte - am Donnerstag, schätzten Experten, war der Tausch copyright-geschützter Musik um 60 Prozent gesunken.

Bereits am Montag hatte sich Napster mit einer Eingabe an Richterin Marilyn Patel gerichtet und bat um Aufschub: Zu unspezifisch und fehlerhaft seien die Daten der 135.000 Songs, deren Blockierung die Musikindustrie bis Mittwoch erwartete. Dazu kam das Problem, dass Napster-User umgehend begannen, die einsetzenden Filtereffekte zu kompensieren: Sie tricksten die Filter durch Veränderung von Band- und Dateinamen aus.

Ein Problem, das Napster mit Gracenotes Hilfe nun auch unter Kontrolle zu bekommen scheint: Selbst die Zahl der verfremdeten Dateinamen, die noch funktionieren, sinkt langsam.

Dennoch: Das eigentliche Problem ist für Napster nicht zu lösen. Trotz eines massiven Geld- und Personaleinsatzes gelingt es Napster nicht, die eigenen Fans vor die Tür zu setzen - und darum geht es letztlich. Das ist nicht nur ein Problem der Technik, sondern vornehmlich ein Imageproblem.

Eine Erkenntnis, die auch bei den Fans langsam durchdringt. Stimmen aus dem Napster-Forum: "Seit heute ist dieses Produkt hier wertlos. Schaltet den Dienst einfach ab, und lasst die RIAA (Recording Industry Association of America)walten. Sie haben gewonnen".

"Hört auf, über 'Tauschen' zu reden. Redet über Geld!"

Auch die Wut auf die Napster-Verantwortlichen selbst nimmt zu. "Napster ist nicht unser Freund. Es geht um Geld, nicht um Freundschaft." Immer häufiger werden die Aufrufe, zu Gnutella und anderen Peer-to-Peer-Plattformen (P2P) zu wechseln. Einzelne Stimmen, die eine temporäre Napster-Schließung vorziehen würden - und Bereitschaft signalisieren, für den angekündigten Abo-Dienst bezahlen zu wollen - gehen unter. Je weniger bei Napster die Musik spielt, desto mehr Fans laufen dem Dienst davon.

Doch damit ist niemandem gedient. Zwar verfolgen die Musikunternehmen Pläne für eigene Dienste, doch Erfolg versprechende Ansätze sucht man an dieser Front vergeblich.

Von Seiten des Gerichtes ist bisher nichts zu hören - und alle Seiten warten darauf. Das Ultimatum ist seit Mittwoch ohne Konsequenzen verstrichen, und ob es zu der von Napster beantragten Anhörung kommen wird, mit der das Unternehmen scheinbar Aufschub erreichen möchte, ist ungeklärt.

Das ist fatal für Napster, denn jeder Tag kostet das Unternehmen nicht nur Kunden, sondern auch ein Stück seiner Legende: Es häufen sich die Fan-Stimmen im Forum, die Napster auffordern, mit diesem "Gerede über Tauschen" aufzuhören. Es ginge doch längst nicht mehr um eine wie auch immer geartete "Tausch-Kultur", sondern um den Überlebenskampf eines Wirtschaftsunternehmens.

Napsters Selbstdarstellung beginnt zu bröckeln - im Grunde wäre es gesund für die Tauschbörse, nun per Gerichtsbescheid geschlossen zu werden. Aus der Asche der Legende Napster könnte dann im Sommer vielleicht tatsächlich ein Abo-Dienst entstehen.

Doch eines kann Napster nicht, ohne sich seinen Ruf bei den eigenen Kunden endgültig zu verderben: Freiwillig schließen, aufgeben. Alles wartet auf die Entscheidung des Gerichts. Wenn die nicht bald erfolgt, könnte der Napster daran sterben, dass ihn niemand schließt.

Frank Patalong

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