Napster: Musikindustrie will strengere Kontrolle - DER SPIEGEL
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Napster Musikindustrie will strengere Kontrolle

Die US-Musikindustrie hat von einem amerikanischen Bundesgericht eine strengere Kontrolle von Napster gefordert. In der Kritik sind vor allem die (noch) löcherigen Filter der Musiktauschbörse. Unterdessen kehren immer mehr User Napster den Rücken.
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San Francisco/Hamburg - Die fünf größten Musikfirmen wollen Napster zwingen, eine bessere Filtersoftware zum Blockieren von urheberrechtlich geschützten Songs einzusetzen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Napster wies die Kritik allerdings zurück und beschuldigte wiederum die Kläger, die Sperrung der Songs zu behindern statt sie zu unterstützen.

Napsters "archaische Filter" in der Kritik

"Es ist zweifelhaft, dass Napsters technologisch archaischen Filter jemals in der Lage sind, den Zugriff auf Musikstücke der Kläger zu verhindern", sagte ein Sprecher der Vereinigung der amerikanischen Musikindustrie RIAA. Nahezu jeder Song, dessen Verbreitung der Verband beanstandet hatte, sei nach wie vor über Napster zugänglich. Deshalb solle die Technologie durch eine sehr viel effektivere Filtersoftware ersetzt werden.

"Diesen Filter wirksam zu nennen ist so, als bezeichne man einen durchlöcherten Regenschirm als Schutz gegen einen Wirbelsturm", wetterte die RIAA. weiter. Der Napster-Filter suche nach Namen, die aber von den Napster-Nutzern durch absichtliche Rechtschreibfehler und das Einfügen von Zahlen leicht verändert werden könnten.

Napster wies die Kritik unterdessen zurück und beschuldigte die Musikindustrie, bei dem Schutz der Musikstücke nicht zu kooperieren. Die RIAA behaupte, Informationen über viele Dateien zu haben, die über Napster noch zugänglich seien. "Warum schickt die RIAA diese Informationen an das Gericht und nicht an uns", fragte Napster-Chef Hank Barry in einem offiziellen Statement. Seit drei Wochen sei nahezu jeder Napster-Mitarbeiter damit beschäftigt, die Auflagen des Gerichts zu erfüllen. Bislang sei es gelungen, über 275.000 Musikstücke und über 1,6 Millionen Dateinamen zu sperren. Eine effektive Blockierung sei ein permanenter und sich wiederholender Prozess. Immerhin habe Napster die Verfügbarkeit der Dateien um 57 Prozent von 370 Millionen auf 160 Millionen reduziert.

Im Vergleich zu den Forderungen eines kalifornischen Berufungsgerichts vom 5. März nimmt sich diese Zahl jedoch recht bescheiden aus. Danach muss Napster schon in rund zehn Tagen alle copyrightgeschützten Titel mit Sicherheit aus dem Angebot herausgefiltert haben. Eine Partnerschaft mit der US-Firma Gracenote soll die Filtersysteme schrittweise effektiver machen.

Allerdings kehren auch immer mehr Internetnutzer Napster den Rücken. Die Internet-Meinungsforschungsfirma Webnoize hatte unlängst Zahlen veröffentlicht, wonach rund ein Viertel der Napster-User bereits zu anderen Diensten abgewandert ist.