Netzwelt-Ticker AOL-Technikchefin gibt auf
Videorekorder im Live-Betrieb
Als PVRs, die "Persönlichen Videorekorder" mit Festplatte statt Videokassette auf den Markt kamen, fürchtete die TV-Wirtschaft um ihre Werbeeinnahmen. Schließlich, so das Argument, könne man Werbeblöcke mit einem solchen PVR lässig überspringen. Tut bloß keiner zumindest nicht oft. Denn, wie einer Studie von Nielsen Research zu entnehmen ist, konsumieren PVR-Besitzer 84 Prozent ihrer täglichen TV-Dosis immer noch live.
Zudem, so ist bei "ars technica" zu lesen, nahm der TV-Konsum in dieser Zielgruppe sogar zu. Nur wenn sie tatsächlich Sendungen aufzeichnen, nutzen die Anwender die Möglichkeit, Werbeblöcke zu überspringen. Doch auch dafür haben findige Werber schon eine Lösung gefunden: Sie platzieren ihre Botschaften als Einzelbilder innerhalb der Werbung. Die können nur am PVR und nur beim Überspringen gesehen werden. Der erste Versuch mit einer solchen Kampagne war ein großer Erfolg. Nun suchen die Kreativen nach weiteren Möglichkeiten, die moderne Technik auszutricksen.
Das Ende für Word
Seit Sonntag ist die von Google aufgekaufte Online-Textverarbeitung Writely in einer neuen Version wieder der Öffentlichkeit zugänglich und heimst heftiges Lob ein. So heißt es bei "Boing Boing" , die Software könne fast alles, was Word kann, nur eben kostenlos. Darüber hinaus verfügt Writely allerdings über einige Funktionen, von denen Anwender der Microsoft-Textverarbeitung nur träumen können. So sind Texte als PDF exportier- und als RSS-Feed veröffentlichbar. Dazu kommt, dass mehrere Autoren gleichzeitig an einem Dokument arbeiten können.
Vor allem aber ist Writely von jedem vernetzten Rechner aus erreichbar. Man kann also auch vom Internet-Café in Indien aus noch Änderungen an der Diplomarbeit vornehmen. Allerdings muss man dazu auch eine gehörige Portion Vertrauen mitbringen, meinen die Autoren von "Boing Boing". Schließlich habe die US-amerikanische NSA schon bei Google um Weitergabe von Writely-Daten zwecks "Sicherheitsüberprüfung" ersucht. Und dass man bei der Suchmaschine geneigt ist, auf Forderungen der chinesischen Regierung einzugehen, ist eh ein alter Hut.
AOL-Tech-Chefin wird gegangen
Nach dem Debakel um die leichtfertige Veröffentlichung umfangreicher Nutzerdaten rollen beim Internet-Provider AOL nun die Köpfe. So berichtet Reuters von einem internen Memo, wonach Technik-Vorstand Maureen Govern ihren Rücktritt erklärt hat. So klingt gemeinhin die branchenübliche Umschreibung eines nahegelegten Abgangs.
Govern war die verantwortliche Leiterin jener Abteilung, die den Datenberg ans Licht des Webs hob. Neben ihr mussten außerdem der für die Daten-Sammlung zuständige Mitarbeiter sowie dessen Chef ihren Hut nehmen. Zudem hat AOL eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, welche AOLs Umgang mit den Daten der Anwender überprüfen soll.
Derzeit, so heißt es bei Reuters, werden personalisierte Suchdaten von AOL-Kunden für 30 Tage gespeichert. Erst danach werden die Daten anonymisiert und fortan auf unbestimmte Zeit eingelagert. Wie sicher die von AOL genutzte Form der Anonymisierung ist, hat die "New York Times" anhand der versehentlich veröffentlichten Daten demonstriert. Binnen kürzester Zeit konnte die 62-jährige Thelma Arnold anhand ihrer Suchanfrage eindeutig identifiziert werden.
Mal was Neues: Microsoft ist Marktführer
Wer hätte das gedacht? Wie uns das Webtraffic-Analyse-Unternehmen OneStat in einer Pressemitteilung verkündet, sind auf den meisten Computern weltweit Microsofts Windows-Betriebssysteme installiert. Zumindest muss man zugeben, dass sich lange niemand mehr getraut hat, diese längst bekannte Tatsache zu verkünden. Den jetzt veröffentlichten Zahlen zufolge dominieren die verschiedenen Windows-Varianten mit 96,97 Prozent deutlich den Markt und werden von einem mit 2,47 Prozent weit abgeschlagenen Mac OS gefolgt. Linux ist laut OneStat mit 0,36 Prozent fast bedeutungslos.
Nun muss man allerdings bedenken, dass OneStat, um zu diesen Zahlen zu kommen, nicht etwa ein Marktforschungsunternehmen beauftragt hat, um die weltweiten Nutzungszahlen zu ermitteln. Stattdessen hat man einfach die hauseigene Kundendatenbank mit ihren immerhin 50.000 Einträgen ausgewertet. Als sicher dürfte daher gelten, dass zumindest OneStat-Nutzer überwiegend den Windows-Systemen verschrieben sind.
Jugendliche forcieren Wachstum mobiler Dienste
Vom Wireless World Forum kommt ein schönes Argument für Eltern, die sich mit ihren Kindern über die Höhe des Taschengelds streiten. Einer Studie des Forums zufolge sind es nämlich gerade die Jungendlichen, die der Mobilfunkbranche satte Zuwächse verschaffen.
Wie bei "TechWeb" zu lesen ist, gibt ein heute Zehnjähriger während seines Lebens fast 30.000 US-Dollar für mobile Dienstleistungen aus. Rund die Hälfte dieser Summe geht bereits bis zum 35sten Lebensjahr an die Dienstleister. Logisch also, dass der "2006 Mobile Youth Report" die Jugendlichen als eigentliche Treibfeder solcher Innovationen wie SMS, mobile Musik und mobiles Radio ausmacht. Schließlich wird diese Zielgruppe allein in diesem Jahr rund 100 Milliarden US-Dollar für derartige Dienste ausgeben. In den meisten entwickelten Ländern sind die juvenilen Mobilfunknutzer damit für gut die Hälfte des gesamten Umsatzes verantwortlich. Vielleicht sollten sich die Teenager bei einer solchen Marktmacht mal zusammenschließen und ein paar Preisnachlässe durchsetzen wenigstens bei Klingeltönen. Dann hält das Taschengeld auch länger.
Samsung hat den Größten
In der Schlacht um die längste Bilddiagonale bei LCD-Flachbildfernsehern kann das koreanische Unternehmen Samsung einen Punktsieg für sich vermelden. Nachdem Konkurrent Sharp mit seinem 65 Zoll großen LC-65D90U für einige Zeit die Spitze des Machbaren für sich reklamieren konnte, legt Samsung nun noch ein paar Zoll oben drauf. Gigantische 70 Zoll, also 177 Zentimeter, soll das noch unbenannte Gerät messen.
Details des für einen Verkaufsstart in 2007 vorgesehenen Fernsehers nennt "HDBeat" . Demnach soll der Riese die volle HD-Auflösung 1080 mit einem Kontrast von 2000:1 und einer Schaltzeit von nur 8 Millisekunden bewältigen. Vor allem aber, so steht es bei "ExtremeTech" , wird die Bildwiederholfrequenz von den sonst üblichen 60 Hz auf 120 Hz verdoppelt. Einen offiziellen Verkaufspreis gibt es noch nicht. Ausgehend von den 20.000 Euro, die Sharp für seinen LCD-Giganten einfordert, dürfte Samsungs 70-Zoller ungefähr soviel kosten wie ein einfach ausgestatteter VW Touran.