Netzwelt-Ticker: Disney versteht Piraten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Disney versteht Piraten

Bei Disney enwickelt man Verständnis für Video-Piraten, Google Codesearch könnte sich als Hacker-Werkzeug etablieren, ein neuer NEC-Chip kann Blu-ray und HD DVD, Samsung bringt das 10-Megapixel-Handy. Das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Disney: Piraterie ist ein Geschäftsmodell

Anne Sweeney, Co-Chefin von Disney Media Networks und President der Disney-ABC Television Group, sucht nach neuen Wegen, Content-Dieben beizukommen. Im Rahmen der Mipcom in Cannes ließ sie anschaulich demonstrieren, wo das Problem liegt. Gezeigt wurde eine qualitativ hochwertige, werbefreie Kopie einer Folge der TV-Serie "Desperate Housewives", die nur 15 Minuten nach der Ausstrahlung jener Folge bereits online zu finden war. "Wir haben jetzt begriffen, dass Piraterie ein Geschäftsmodell ist," sagte Sweeney nach der Vorführung. Als Grund für das illegale Treiben hat sie die Kräfte der freien Marktwirtschaft identifiziert. Demnach gebe es eine Nachfrage nach Video-On-Demand, die von den Piraten befriedigt werde. Das Branchenmagazin "paidcontent.org"  zitiert Sweeney mit der Aussage, dass die Piraten sich dem Wettbewerb auf dieselbe Weise stellten wie Disney: "durch Qualität, Preis und Verfügbarkeit." Glücklich sei sie über dieses Geschäftsmodell zwar nicht, gibt die Managerin zu verstehen, doch sei es wettbewerbsfähig genug, um ein ernstzunehmender, aufstrebender Gegner zu sein. Für Disney, so "paidcontent.org" bestünde die Herausforderung nun darin, legale Inhalte einfach zugänglich zu machen. Ein erster Schritt auf diesem Weg sei bereits getan, heißt es dort, weil Disney binnen eines Jahres 12,8 Millionen Folgen von TV-Serien über Apples iTunes Store verkauft hat. Die Befürchtung, durch den Online-Verkauf würde die Zahl der TV-Gucker zurückgehen wurde indes nicht bestätigt. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall. Wichtig sei es jedoch, die Inhalte binnen 24 Stunden nach der Ausstrahlung online zu stellen. Dann, so Sweeney, könne man bestens mit den Content-Piraten konkurrieren.

Google CodeSearch: nützlich für Hacker

Nicht nur ernsthafte Programmierer, auch Hacker freuen sich über Googles Code-Search, eine Suchmaschine für Programmtexte. Der Grund: Wie "Network World" ausführt , lassen sich die Fähigkeiten der neuen Suchmaschine exzellent dazu verwenden, Schwächen in Passwort- und Verschlüsselungs-Mechanismen ausfindig zu machen. Zudem lassen sich damit offenbar auch vortrefflich geheime und urheberrechtlich geschützte Programmtexte auffinden. Eine Reihe konkreter Beispiele liefert Jason Kottke auf seiner Website . Darunter findet man, neben vielerlei Witzen und Programmierer-Spielereien, beispielsweise einen Algorithmus, der Seriennummern für das Datenkompressionsprogramm Winzip produziert. Allerdings sind auch jede Menge sogenannte Backdoor-Passwörter problemlos aufzustöbern, mit denen sich Programmierer eine Hintertür zu ihrer Software offenhalten. Es scheint, als würde man von CodeSearch noch viel zu hören bekommen.

NEC macht HD-Kombi möglich

Während Sony und Toshiba weiterhin stur darauf setzen, ihr jeweils bevorzugtes HD-Video-Medium, also die Blu-ray-Disc bzw. die HD DVD als einzig wahren Heilsbringer anzusehen, stößt NEC ein Tor zu einer besseren Welt auf. Einer Reuters-Meldung zufolge  hat das Unternehmen mit der Auslieferung eines Chips begonnen, der beide Formate verarbeiten kann und dennoch genauso viel kostet wie Chips, die nur eines der Formate beherrschen. Die Massenproduktion soll im April 2007 anlaufen. Nun, so Reuters, fehlt nur noch die optische Abtasttechnologie, um Player zu bauen, die sowohl Blu-ray- als auch HD DVD-Medien lesen und beschreiben können. Dem widerspricht allerdings eine Meldung des Herstellers Ricoh, der bereits im Juli eine Abtasteinrichtung vorstellte, die mit beiden Formaten umgehen kann, bisher allerdings nur zum auslesen von HD-Medien taugt. Um HD auch im Dual-Format schreiben zu können, so heißt es von Ricoh, müssten zunächst leistungsfähigere blaue Laser entwickelt werden. Aber wahrscheinlich würde vielen Konsumenten fürs erste ohnehin ein Dual-Mode HD-Player ohne Aufnahmefunktion genügen. Hauptsache er kann beide Formate abspielen und kostet nicht den Gegenwert eines Sommerurlaubs.

Samsungs 10 Megapixel-Handy

Südkorea, Du hast es besser. Während man hierzulande noch stolz ist, ein Kamera-Handy mit zwei Megapixel-Auflösung herumzutragen, läutet Samsung in Korea bereits den übernächsten Schritt ein. In seinem Heimatland hat der Konzern ein Gerät vorgestellt, dass die Grenzen zwischen Handy und Digicam vollends verwischt. Satte 10 Megapixel erfasst dessen Bildchip, der von einem dreifach-Zoomobjektiv unterstützt wird. Das bieten sonst nur Digitalkameras der gehobenen Preisklasse. Und weil Koreaner auch beim Handy-TV ganz weit vorne sind, ist zusätzlich ein DMB-Tuner eingebaut. Logisch, dass da auch ein MP3-Player und Bluetooth-Funk nicht fehlen. Vermutlich kann man damit sogar telefonieren. Auf dieses unwesentliche Detail geht "Akihabara News"  allerdings nicht weiter ein. Ist ja auch zu profan. Der Preis wird mit 900.000 Won, das sind 750 Euro, angegeben. Aber das muss uns nicht kümmern, denn Europa kommt vorerst nicht in den Genuss solcher Highend-Handys.

IE verliert, Firefox legt zu

Es scheint sich herumzusprechen, dass es sich mit alternativen Browsern mindestens genauso gut, meistens aber viel besser im Web Surfen lässt, als mit Microsofts Internet Explorer. Wie "ars technica" berichtet , verliert der Marktführer seit der Veröffentlichung des kostenlosen Firefox 1.0 kontinuierlich Marktanteile und dümpelt mittlerweile bei schlappen 82,10 Prozent. Firefox hingegen konnte sich bereits auf 12,46 Prozent vorarbeiten. Hohe Geschwindigkeit, bessere Sicherheit und moderne Funktionen wie Tabbed Browsing dürften dafür ausschlaggebend sein. Der Gewinner schlechthin ist jedoch Apples Safari. Der ausschließlich für Mac OS X verfügbare Browser konnte seinen Marktanteil während des vergangenen Jahres von 2,39 auf 3,53 Prozent deutlich steigern. Auf der Verliererstraße hingegen geben sich Mozilla, Opera und Netscape die Hand. Sie alle scheiterten klar an der 1-Prozent-Hürde.

Mehr lesen über

Verwandte Artikel