Netzwelt-Ticker: Geiselnehmer-Virus geknackt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwelt-Ticker Geiselnehmer-Virus geknackt

Allofmp3 denkt über Besserung nach, ein Trojaner, der Geiseln nimmt, muss die Waffen strecken, Apple und Creative kloppen sich schon wieder - das und mehr im Überblick.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Allofmp3 spricht sich aus

Lange Zeit hat man bei der russischen Musikdownload-Seite Allofmp3 still gehalten, keine Interviews oder Statements gegeben. Doch angesichts des immer stärker werdenden Drucks hat der populäre aber umstrittene russische Musikshop nun in sechs Punkten Stellung zu den Illegalitäts-Vorwürfen bezogen. Die Punkte eins bis vier, so Slyck.com , versuchen klar zu stellen, dass Allofmp3 rechtmäßig handelt, ein russischer Shop ist, der nur in Russland Werbung macht und an die russischen Rechteverwerter ROMS und FAIR Lizenzgebühren zahlt. Punkt fünf wird dann aber richtig interessant - eine größere Veränderung hin zu einem Angebot ohne Grauzone und Superschnäppchen könnte sich abzeichnen. Man habe seit Januar dieses Jahres die Preise gehoben und die Honorare direkt an die Autoren überwiesen. Bis zum Inkrafttreten des neuen Copyright-Gesetzes am 1. September in Russland will Allofmp3 mit Rechteinhabern und Autoren Vereinbarungen über die endgültigen Preise und Künstlerhonorare getroffen haben. Allofmp3 glaube, so schließlich Punkt sechs, an ein langfristiges, zivilisiertes Geschäft, das gesetzestreu sei und die Erwartungen der Kunden und die Interessen von internationalen und nationalen Rechteinhaber berücksichtige.

Allofmp3 ist in letzter Zeit zunehmend unter Beschuss geraten, sogar Russlands Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation WTO scheint vom Umgang der Behörden mit dem Webshop abzuhängen. Die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) sieht Allofmp3 als illegal an, die Allofmp3-Muttergesellschaft MediaServices wird derzeit im Rahmen zweier unabhängiger Untersuchen unter die Lupe genommen.

Geiselnehmer-Virus geknackt

Immer mehr Trojaner und Viren tauchen auf, die persönliche Daten oder gar gleich den ganzen Computer des Opfers in Geiselhaft nehmen. Nur wer den Anleitungen dieser sogenannten Ransomware folgt und Geld überweist, kann dann per Password wieder die Kontrolle über seinen Computer zurückgewinnen. Den Sicherheitsexperten von Sophos ist es nun gelungen, das Password des jüngst aufgetauchten Trojaners Arhiveus-A zu knacken. Der vom Trojaner verschlüsselte "Eigene Dateien"-Ordner, kann laut TheRegister.co.uk  mit dem Code "mf2lro8sw03ufvnsq034jfowr18f3cszc20vmw" wieder freigeschaltet werden.

Ehemalige RIAA-Geschäftsführerin: Klagen bringen nichts

Die ehemalige Geschäftsführerin der Recording Industry Association of America (RIAA) glaubt, dass Verfahren gegen einzelne Filesharer sinnlos sind. Wie PCPro.co.uk schreibt , solle sich die Musikindustrie viel eher darauf konzentrieren, mehr Musik anzubieten und für Interoperabilität digitaler Musik sorgen, also proprietären Dateiformaten, die nur auf einem Gerät laufen, ein Ende machen. Eine klare Ansage an Apples iPod/iTunes-Pärchen.

Hilary Rosen, die die Interessenvertretung der größten Plattenfirmen 2003 verließ, ihn ihrem Blog: "Ich teile die Sorge, dass die Gerichtsverfahren nicht mehr nützlich sind und dass die Plattenfirmen verstärkt daran arbeiten sollten, P2P-Seiten zu legalisieren und die Download– und Abomöglichkeiten zusammen mit der Tech-Community so zu erweitern, dass Audioplayer und Musikdienste besser zusammenarbeiten. So könnten sie ihre Geschäfte am schnellsten ausweiten." Eine Überarbeitung erfordere zudem die Position der Musikindustrie gegenüber Kopierschutz und digitalem Rechtemanagement, vor allem proprietärer DRM-Systeme.

ATI beschleunigt Physik

Nach Ageia und nVidia hat Grafikkartenhersteller ATI nun auch eine eigene Physikbeschleuniger-Lösung für Computerspiele vorgestellt, wie VNUnet.com von der Computex-Messe in Taipeh berichtet . Ähnlich wie nVidia setzt ATI auf den Parallelbetrieb zweier Grafikkarten, von denen eine die Grafikleistung, die andere die Physikberechnungen erbringt. Statt allerdings zwei identische Karten wie bei nVidia benutzen zu müssen, können beinahe beliebige Karten von ATI miteinander verbunden werden. Damit sollen neben Partikeleffekten (z.B. Explosionen) auch Kleidung, Haut und Flüssigkeiten viel realistischer dargestellt werden. Die gute Nachricht: wie nVidia wird auch ATI auf die Havok-Physikengine setzen – und damit möglicherweise den dritten Anbieter Ageia (z.B. auf der ASUS-Karte PhysX P1) ausstechen. Dessen Physikchip setzt auf eine eigene Engine, der Kampf zwischen den beiden Ansätzen  von Ageia und Havok könnte damit entschieden sein. Computerspieler hatten befürchtet, sich in Unkosten stürzen zu müssen, wenn sie Ageia– und Havok-Spiele auf ihrem System spielen wollen.

Bis einer heult – Apple vs. Creative, Runde 3

Erst will Creative den Verkauf von Apple iPods stoppen ( wir berichteten), dann schlägt Apple zurück und verklagt Creative wegen der Verletzung vierer Patente ( wir berichteten). Aber nicht genug – um's denen so richtig zu zeigen, legt Apple noch drei weitere Patentverletzungen drauf: Items, die Anzeige und Editing von Daten. Das Gericht solle Creative zu einer finanziellen Wiedergutmachung verdonnern, davon abhalten, weiter gegen die Patente zu verstoßen und den Import von Creatives aktuellen Playern stoppen. Wie Engadget.com weiter lästert , besagen außerdem die letzten Spielplatz-Gerüchte, dass Creative auch nicht mehr zu Apples Geburtstagsparty eingeladen ist...

Mehr lesen über

Verwandte Artikel