Netzwerk aus Supercomputern: TeraGrid soll Forschung revolutionieren - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Netzwerk aus Supercomputern TeraGrid soll Forschung revolutionieren

Vier US-amerikanische Forschungszentren wollen ihre Supercomputer zu einem Über-Netzwerk mit nie da gewesener Rechenleistung zusammenschließen. Ab Mitte nächsten Jahres soll das "TeraGrid" mit über 1000 Servern loslegen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Deep Blue, der Super-Rechner, der 1996 sogar die Schach-Legende Garri Kasparow matt setzte, wirkt im Vergleich zum "TeraGrid" wie ein alter Rechenschieber. Die Leistung des Computer-Netzwerks wird die von Deep Blue um das Tausendfache übertreffen.

53 Millionen Dollar lässt die amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung für das Projekt "Distributed Terascale Facility" (DTF) springen. Unter dem Namen "TeraGrid" wollen vier amerikanische Forschungszentren für Supercomputer ein Netzwerk aufbauen und damit Rechenleistung generieren, wie es sie bei solchen Zusammenschlüssen noch nie gab: 11,6 Teraflops, das sind 11,6 Billionen Rechenschritte pro Sekunde, soll das Netzwerk aus Super-Computern sekündlich abarbeiten können, sobald es im April 2003 seine volle Leistungsfähigkeit erreicht hat.

Ein Mensch bräuchte für dieselbe Aufgabe mit einem handelsüblichen Taschenrechner etwa zehn Millionen Jahre. Mit einem Speicherplatz von 450 Billionen Bytes soll TeraGrid noch die kompliziertesten Modelle durchspielen können und damit die Wissenschaftswelt revolutionieren.

Die Zeiten, in denen einzelne Supercomputer die Ausmaße von Garagen hatten, sind vorbei. Networking ist in. Das National Center for Supercomputing Applications, das San Diego Supercomputing Center, das California Institute of Technology und die Forschungseinrichtung Argonne National Laboratory bündeln für das Netzwerk ihre Kräfte. 1000 Server und 3300 Hochleistungsprozessoren werden dafür sorgen, dass die Daten mit 40 Gigabits pro Sekunde durch die Leitungen flutschen können.

Internet - die nächste Generation

Im Sommer 2002 soll das Netzwerk zum ersten Mal angeworfen werden. Ein Jahr später wird es dann seine volle Leistungsfähigkeit entfalten. Die Wissenschaftler jubeln schon jetzt: "Das TeraGrid vereinigt die leistungsstärksten Computer, Software, Netzwerke, Datenzugangssysteme und Anwendungen und schafft eine einzigartige Möglichkeit, die neue Erkenntnisse und bisher ungeahnte Verbesserungen für die gesamte Gesellschaft bringen wird", frohlockten die an dem Projekt beteiligten Forscher Dan Reed und Fran Breman.

Zur Zeit ist ein echtes Rennen um das leistungsstärkste Computer-Netzwerk entbrannt. Erst vergangene Woche wurden in Großbritannien vier Super-Rechner zusammengekoppelt. Wissenschaftler sagen, dass die vernetzten Super-Computer die einzige Möglichkeiten seien, um den immer höher werdenden Anforderungen an die Rechenleistung, wie sie bei Astro- oder Gen-Forschung inzwischen anfallen, noch gerecht werden zu können.

Irgendwann sollen sich die Hochleistungscomputer einmal zu einer Art Mega-Internet zusammenschließen können. Deshalb wurde der Quellcode des Programms, das den TeraGrid zum Laufen bringt, freigegeben. Nachahmer werden also gesucht.