Segway: Durchfahrt verboten - DER SPIEGEL
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Segway Durchfahrt verboten

Der Segway, versprach vor Jahresfrist Erfinder Dean Kamen, werde den Verkehr revolutionieren. Apple-Chef Steve Jobs soll im Schwange der Begeisterung gar geäußert haben, amerikanische Städte der Zukunft werde man "um den Segway herum" bauen. Gut möglich, denn in herkömmliche Städte passt er nicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Amerikas Städte sind groß, unterscheiden sich von europäischen oft nicht zuletzt durch ihre Weiträumigkeit und leiden nicht zuletzt auch darum unter einem stetig anwachsenden, schon heute oft unerträglichen Verkehrsaufkommen. Segway, einst als die geheimnisvolle Erfindung "Ginger" von Fans des Erfinders Dean Kamen sehnsüchtig erwartet, erschien da vielen als die Erfüllung sehnlichster Träume: Ein Vehikel stand da mit einem mal im Rampenlicht, das einerseits Elegant, andererseits schnell genug mobil machen sollte - und dessen Parkplatzbedarf gegen Null tendierte.

Doch kaum war der Beifall verhallt, meldeten sich die - je nach Perspektive - Skeptiker, Unken oder Realisten zu Wort: In welcher Stadt, fragten sie, soll der Segway denn bitte schön fahren?

Eine berechtigte Frage: Bis zu 20 km/h schnell ist der zweirädrige Roller-Flitzer und wiegt schon für sich satte 38 Kilogramm. Inklusive Fahrer und Gepäck könnte der Segway bis zu rund 150 Kilogramm transportieren. Aber wo?

Auf der Straße könnte er seine Vorteile kaum ausspielen: Im fließenden Verkehr zu langsam, im stockenden Verkehr genauso festgefahren wie die Autos, fände der Traum von der neuen Mobilität schnell ein Ende - denn dass Segways das Auto im Straßenverkehr von New York, Washington, San Francisco oder Los Angeles verdrängen würde, daran glaubte wohl noch nicht einmal Kamen.

Segway verändert Gesetzbücher

Auf dem Bürgersteig jedoch, warnten Skeptiker bereits wenige Wochen nach Vorstellung der Prototypen im letzten Winter, könnte sich der Segway als echter Rentner-Killer erweisen. Trotzdem gelang es der Firma Segway durch massives Lobbyieren in Washington und andernorts, in 33 Bundesstaaten eine Gesetzänderung zu erwirken, die dem Gefährt das Befahren von Bürgersteigen erlaubt - prinzipiell.

Denn das letzte Wort haben in den Großstädten die Bürgermeister, zumindest in rund der Hälfte der 33 Staaten, die entsprechende Klauseln in ihre Gesetze schrieben. Ausgerechnet in San Francisco sprach die Verwaltung nun ihr ab dem heutigen Montag geltendes Veto aus - Segway muss dort draußen bleiben. Zu hoch sei die Unfallgefahr auf Friscos hügeligen Straßen, unzureichend die Sicherheitseinrichtungen des seltsamen, zweirädrigen Rollers.

Dem trauen viele nicht über den Weg, weil er auf solche klassischen Standards wie herkömmliche Bremsen schlicht verzichtet. Den Segway beschleunigt und bremst man allein durch Gewichtsverlagerungen. Das, sagt das Unternehmen, reiche auch aus: Über 100.000 Stunden Testfahrten hätten die Prototypen in diversen Städten absolviert, und völlig unfallfrei.

Rund die Hälfte der 33 Staaten, die den Einsatz des Segway grundsätzlich erlauben, haben in ihre Gesetze Klauseln aufgenommen, die den Stadtverwaltungen das letzte Wort überlassen. Vier bis fünf Städte in Kalifornien, wird erwartet, werden im Laufe der nächsten Tage ihr Veto einlegen. Die meisten jedoch verhalten sich bisher abwartend. Wohl nicht mehr lang, mutmaßen amerikanische Verkehrsplaner.

"Wired" zitiert Tom Ammiano, der in San Francisco gegen den Segway stimmte mit dem Auspruch, die Blüte sei nach der dortigen Entscheidung in Sachen Segway wohl vom Stengel gefallen: "Jetzt, wo die Leute sich Gedanken darüber machen, was praktikabel ist, was das Ganze kostet und welche rechtlichen Implikationen daran hängen könnten, wird ihr Enthusiasmus schwinden". Segway, soll das heißen, wird an den Realitäten der amerikanischen Städte scheitern, bevor er eine Chance erhält, diese zu verändern.

Ist der Segway also auf dem Weg zum Einkaufsgefährt für Landeier zu werden statt zur verkehrstechnischen Rettung für überfüllte Innenstädte? Sehr gut möglich, denn die Vision von der Entlastung der überfüllten Straßen hat so einige Macken. Unter anderem diese: Auf den Bürgersteigen New Yorks ist nicht genug Platz für die Fußgänger, geschweige denn Segways. Irgendwie scheint der für eine bessere Welt gebaut zu sein.