Serie Location Based Services (2): Immer im Bild - DER SPIEGEL
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Serie Location Based Services (2) Immer im Bild

Location Based Services sind längst mehr als nur eine Vision. Die konkreten Beispiele mehren sich - vom Ortungssystem für Freunde, über Nightlife-Guides bis zum persönlichen Museumsführer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Noch immer sind die Entwickler der Location Based Services der ersten Stunde aktiv. Lesswire hat inzwischen das System Cosia entwickelt, eine drahtlose, multimediale und interaktive Lösung für Aussteller und Museen. Lagepläne oder Informationen zu Exponaten werden per Bild, Video, Text oder Ton mobil auf einem Handheld-Computer angezeigt. Cosia lokalisiert dabei jederzeit den Standort des Benutzers, navigiert ihn durch die Ausstellung oder leitet Informationen vom und zum Anwender weiter.

Auf diese Weise - versprechen die Entwickler - wird der Messe- oder Museumsbesuch zu einem interaktiven Erlebnis und bleibt länger in Erinnerung.

Cosia wird in unterschiedlichen Ausbaustufen angeboten. Die Varianten reichen von einer Offline-Version, bei der alle Daten auf dem Pocket-PC gespeichert werden, bis hin zur drahtlos vernetzten Ausstattung eines Veranstaltungsortes, die ein Höchstmaß an Interaktion zulässt und auch Übertragungen von großen Datenmengen wie beispielsweise Videostreams ermöglicht. Im Gegensatz zu den großen Lösungen, die zurzeit im GSM-Netz arbeiten, arbeitet Cosia mit Bluetooth-Basisstationen.

Innovationen aus Berlin

Das Berliner Innovationsunternehmen gate5 AG hat sich zum Ziel gesetzt, für die Mobilfunkanbieter orientierungs- und alltagsrelevante Inhalte mit Mehrwert zu entwickeln.

Nicht die technologische Plattform des eingesetzten Handhelds entscheidet über die Teilnahme an den Mehrwertdiensten. Egal welches Betriebssystem auf dem PDA eingesetzt wird, Windows CE, Palm OS, Symbian oder Linux, alle werden unterstützt.

Die mobilen Stadt-, Reise- und Veranstaltungsführer ermöglichen es den Nutzern, sich in der eigenen oder einer fremden Stadt einfach und schnell zu orientieren. Diese mobilen Stadtinformationssysteme kombinieren wie bei anderen Anbietern auch interaktive Karten.

Die Bedienung erfolgt in gewohnter Weise mit dem Eingabestift. Die Navigation erfolgt direkt in einer digitalen Vektorkarte, die sich sogar stufenlos drehen und bis hinunter auf die Ebene einzelner Häuser zoomen lässt. Die Lage von Restaurants, Geschäften, Veranstaltungsorten, Museen und Geldautomaten aus der Umgebung können als Symbole in den Kartenausschnitt eingeblendet werden. Auf die Anwahl eines Symbols hin werden weitere Informationen wie die genaue Adresse oder Öffnungszeiten eingeblendet. Such- und Filterfunktionen - nach Kategorien, Stichwörtern, einem wählbaren Umkreis zu einem Standort - machen das Auffinden von Informationen und Orten leicht.

Per integrierter Routingfunktion wird dann der schnellste Weg zu einem angewählten Ziel berechnet, egal ob zu Fuß, per Rad oder im Auto. Zur Bestimmung des aktuellen Standorts unterstützt die Software je nach den Fähigkeiten des Geräts das automatische Lokalisieren über die Anmeldung des Gerätes bei der gegenwärtigen Mobilfunkzelle oder auch per GPS-Signal, notfalls aber auch über eine manuelle Eingabe der Position.

Spontane Verabredungen lassen sich auf Basis des People Finder treffen, einer Anwendung, die allerdings nur auf Java-fähigen Geräten läuft. Über eine aktive oder passive Lokalisierungsfunktion lässt sich feststellen, ob befreundete Personen in der Nähe sind, mit denen man sich dann spontan verabreden kann. Profile und spezielle Filterfunktionen helfen dem Nutzer dabei jederzeit, die Kontrolle zu behalten, ob und von wem sie geortet werden können. Den Missbrauch sollen ausgeklügelte Sicherheitsmechanismen verhindern.

Zur Kontaktaufnahme gibt es einen Instant Messager. "Der People Finder ist eines der weltweit ersten Beispiele, wie Instant Messaging, Locating und persönliche User Profiles zu einer attraktiven Anwendung für Mobilfunkgeräte der neuesten Generation kombiniert werden können", ist Christof Hellmis, verantwortlich für die Produktentwicklung bei gate5, überzeugt.

In Südkorea hat die Korea Telecom ihren Lokalisierungsservice schon im Jahr 2000 mit großem Erfolg ausgebaut. Bei einer Standortgenauigkeit von 50 bis 100 Metern hat sich gerade der Service zum Auffinden von Freunden oder sogar Stars zu einem der erfolgreichsten Angebote entwickelt.

Informationsqualität besonders wichtig

Markterfahrungen mit kommerziellen Location Based Services konnte auch die kleine Aktiengesellschaft mecomo, Anbieter ortsbezogener Inhalte, sammeln. In Kooperation mit dem Partnerunternehmen WiGeoGIS GmbH werden Georeferenzierungen erstellt, die dann mit weiteren Inhalten kombiniert werden. In Zusammenarbeit mit Volkswagen werden den Fahrern des neuen Passat W8 in Deutschland und Österreich jetzt über das serienmäßig integrierte Radio-Navigationssystem ortsbezogene Informationen zu Wetter, Tankstellen, Hotels, Restaurants und Stadtinfos online im Auto geboten.

In Zusammenarbeit mit der Mobilkom Austria entstand schon im September 2000 der MobileGuide, europaweit der erste WAP-Dienst, mit dem sich die Kunden des österreichischen Mobilfunkbetreibers Informationen über das momentane Umfeld wie Geschäfte, Restaurants oder Apotheken auf ihrem Handy anzeigen lassen können. Der Dienst wird noch weiter ausgebaut, denn "durch innovative, ortsbezogene Mehrwertdienste werden wir unsere Führungsposition in Österreich weiter ausbauen", ist Diplom-Kaufmann Patrick Krückeberg, Leiter des Produktmanagements Mobilkom Austria, fest überzeugt.

"Über den Erfolg oder Misserfolg ortsbezogener Mehrwertdienste entscheidet in erster Linie die Informationsqualität", urteilt Stefan Heimerl, Gründer und Vorstand der Mecomo AG, über Erfolg und Misserfolg im Markt lokaler Informationsangebote

Niels Gründel