Siemens vs. Nokia: Mobil um jeden Preis - DER SPIEGEL
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Siemens vs. Nokia Mobil um jeden Preis

Jetzt sind sie da, die Heilsbringer, die Wundergeräte, die Handys, die das Internet - mal wieder - mobil machen sollen: Rechtzeitig zur Cebit haben Siemens und Nokia ihre neuen GPRS-Geräte präsentiert. Die Erwartungen sind riesig.
Von Alexander Stirn
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

So sieht es also aus, wenn eine neue Generation von Handys vorgestellt wird: Jung-dynamische Manager, die Motivationstrainern ähnlich die reine Weisheit verkünden, recken Mobiltelefone in die Höhe und posieren zu lustigen Werbespots vor laufenden Kameras. Zumindest bei Siemens.

Der deutsche Handy-Hersteller, lange Zeit wegen der schlechten Ergonomie seiner Geräte geschmäht und gemieden, hat sich zuletzt als ernsthafter Konkurrent auf dem hart umkämpften Handymarkt etabliert. Damit das so bleibt, darf natürlich der eine große Trend der diesjährigen Cebit nicht an den Handy-Entwicklern vorbeigehen: GPRS.

Die vier Buchstaben, Abkürzung für General Packet Radio Service, haben die Branche schon bei der letztjährigen Cebit elektrifiziert - erlaubt die paketbasierte Technik den Handybesitzern doch, ständig online zu sein, aber nur für die tatsächliche aktive Nutzung zu zahlen.

Im vergangenen Jahr war GPRS nicht viel mehr als eine Vision. Jetzt aber haben die ersten Betreiber ihre GPRS-Netze in Betrieb genommen, und die Telefonhersteller dürfen endlich ihre Geräte aus den Entwicklungslabors holen.

Sie tun das mit der gebotenen Euphorie. "Das Internet wird mobil", verkündet Peter Zapf, Leiter des Geschäftsbereichs Mobile Phones bei Siemens, auf der Cebit stolz - wohlwissend, dass im vergangenen Jahr bereits ähnlich viel versprechende Sätze zu hören waren. Damals hieß die Zukunft Wap; das ebenso teure wie langsame Surfen mit dem Handy (oftmals als "wait and pay" verhöhnt) wird zwölf Monate später zwar nur von einer kleinen Minderheit genutzt, ist aber - da sind sich Handyhersteller und Netzbetreiber einig - ganz groß im Kommen.

Große Ziele, große Töne

Genauso wie Zapf lässt sich auch Georges Boulloy, ein Siemens-Manager mit Talent zum Autoverkäufer, von vergangenen Fehlprognosen nicht beeindrucken. "Zukünftig wird es nicht trendy sein, ein Handy zu haben, sondern mobil zu sein." Der Produktmanager greift in seine Anzugtasche und hebt trophäengleich ein Handy in die Höhe. Nein, nicht ein Handy: das Handy.

S45 heißt Siemens' Vorstoß in den GPRS-Markt. Das Dual-Band-Gerät ist 93 Gramm schwer, verfügt über einen Organizer mit freier Einteilung des Speicherplatzes und die üblichen, im oberen Preissegment obligatorischen Extras. Anfang Juli soll das neue Mobiltelefon auf den Markt kommen. Den Preis lässt Siemens noch offen.

Fest steht für Boulloy allerdings, was die Kunden vom neuen Gerät erwarten: Inhalte, Grafiken, eine neue Art zu browsen und ein völlig neues Design. Daher baue das S45 auch nicht auf bereits lieferbare Handys auf, sondern sei völlig neu entwickelt worden. Boulloy: "Wer das nicht macht, wird scheitern."

Ohne Dramatik: Nokia gibt sich relaxed

Bei der Konkurrenz von Nokia lässt man sich von solchen Tönen nicht einschüchtern. Nur hundert Meter weiter präsentiert der finnische Marktführer in Hannover seine GPRS-Handys - mit genauso hohen Erwartungen, aber deutlich ruhigeren Tönen. So scheut sich Anssi Vanjoki, Vize-Chef von Nokia Mobile Phones, nicht einmal, Banalitäten von sich zu geben wie: "Wir müssen nur die richtigen Produkte an die richtigen Leute zur richtigen Zeit verkaufen."

Die Nummer 8310 hat Nokia seinem neuen Wunderhandy verpasst, genauso wie ein eingebautes UKW-Radio, das zumindest einen kleinen Vorsprung vor der Konkurrenz garantieren soll. Ansonsten zeichnet sich das neue Gerät, glaubt man Vanjokis Präsentation, vor allem durch ein extrovertiertes Design aus. Das Handy im "neuen Nokia-Stil", das im dritten Quartal auf den Markt kommen soll, erlaube 196 verschiedene Farbkombinationen, so der Manager.

Wenn sich GPRS also nicht zur viel beschworenen "Killer-Applikation" entwickelt, können sich 8310-Besitzer wenigstens über halbwegs individuelle Geräte freuen. In Zeiten der fortschreitenden Individualisierung sollte ein gewisser Grad an farblicher Extrovertiertheit doch auch sein Geld wert sein - egal ob mobil oder nicht.

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