Sircam: "Der tut nichts" - DER SPIEGEL
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Sircam "Der tut nichts"

Bellt er nur oder beißt er auch? Genau das ist die Frage, die sich noch in Sachen Sircam stellt. Das Virus gehört schon jetzt zu den erfolgreichsten der letzten Jahre. Möglicherweise beginnt es heute, weltweit Festplatten zu löschen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Oder auch nicht, denn einig sind sich die Experten nur darüber, dass Sircam so programmiert wurde. Das Virus enthält einen Algorithmus, der aus dem jeweiligen Datum eine Ziffer generiert, die an zumindest einem bestimmten Tag mit einer Zahlenfolge in seinem Sourcecode übereinstimmen kann. Tritt dieser Fall ein, soll Sircam sein Zerstörungswerk beginnen. Der Top-Kandidat als Auslöser für die Zerstörungswelle: der 16. Oktober.

Die meisten Virenexperten sind trotzdem dafür, die Bälle flach zu halten: Sircam sei zwar eines der meistverbreiteten Viren weltweit - was schlimm genug ist -, ansonsten aber ein ziemlich zahnloser Kampfdackel. "Der tut nichts", schallt es aus den Labors von Symantec, Sophos, Trend Micro und anderen. Denn, so effektiv Sircam sich bisher auch gezeigt haben mag, das Virus enthält einen gravierenden Programmierfehler, der die Zerstörungsroutinen des Schädlings außer Kraft setzt.

Graham Cluley vom Anti-Viren-Unternehmen Sophos erklärt das so: Der Programmierer des Virus habe schlicht die Reihenfolgen der Vorgänge durcheinander gebracht. Erst suche das Virus nach der durch den Datums-Algorithmus produzierten Schlüsselzahl - und dann beginne das Virus damit, diese Zahl zu erzeugen. Cluley: "Hier haben wir einen Virenautor, der seinen Code nicht säuberlich geprüft hat".

Ihre Hand dafür ins Feuer legen, dass Sircam tatsächlich nicht zuschnappt, wollen viele Experten aber doch nicht. Symantec schätzt die Gefahr eines totalen Datenverlustes mit "1 zu 20" ein. Gefährdet wären, wenn der Datums-Algorithmus funktioniert, ausschließlich Rechner, die mit der Datenfolge Tag/Monat/Jahr operieren - was für PCs im angelsächsischen Raum nicht gilt, sehr wohl aber für die bei weitem meisten Rechner in Kontinentaleuropa.

Vorsicht ist auch hier einmal mehr die Mutter der Porzellankiste. Um angeblich zahnlose Pitbulls kann man einen Bogen machen - oder sie an die Leine legen: Bereits seit Ende Juli bieten die Virenschutz-Softwarehersteller Patches gegen Sircam an.

Wie tückisch dieser Hund aber wirklich ist, zeigt allein schon die Tatsache, dass das Schutzprogramm an der Verbreitung des Virus kaum etwas hat ändern können. Am 16. Oktober wies die aktuelle Zählung von Trend Micro Sircam als dritthäufigst verbreitetes Virus weltweit aus.

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