Unausgereift: Haschverkauf per Wap - DER SPIEGEL
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Unausgereift Haschverkauf per Wap

Zwei Amerikaner wollen von Amsterdam aus via Wap und Internet die Welt mit Haschisch versorgen - doch der Plan wird wohl nicht aufgehen.
Von Falk Madeja
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Amsterdam - Ein Gespenst ging um - wahlweise auf grün-weißen Fahrrädern oder Bestellwagen in der gleichen Farbmischung. In ganz Europa berichteten Zeitungen über die Amerikaner Tim Freccia und Mike Tucker, die ab dem 1. September mittels WAP und Internet Haschisch verkaufen wollten. Innerhalb von 30 Minuten nach Bestellung per WAPofon oder Fax sollte die Ware den Empfänger erreichen. Freccia und Tucker ließen die Presse wissen, man wolle "das Erleben der Marihuana-Kultur" verändern. Der E-Hasch-Handel sollte zunächst in Amsterdam seinen Siegeszug antreten. Freccia und Tucker kündigten an, dass an Amsterdams Kiosken Chip-Karten verkauft werden sollten, mit denen die WAP-Hascher die Lieferungen von "maximal zwei Gramm" bezahlen sollten.

Die Website www.itoke.co.uk, den Betreibern zufolge 30.000 mal am Tag besucht, wird offenbar in Großbritannien gehostet. Nach Amsterdam sollten "London, New York und Tokio" mit dem Lieferservice überzogen werden. Tage nach den Ankündigungen sind entlang der Amsterdamer Grachten weder grün-weiße Fahrradkuriere noch die auf der Website abgebildeten Bestellwagen zu sehen. Die Chipkarte gibt es auch nicht. Die Initiatoren reagieren nicht auf E-Mails. Ganz offensichtlich: "Es kann sich nur um einen Scherz handeln", kommentiert Rob Bierings vom niederländischen "Bond van Cannabis Detaillisten", einem Verbund von mehr als 100 Coffeeshop-Besitzern. "Die Polizei wird einen solchen Service nicht zulassen und sie hat das auch schon gesagt. Außerdem sind auf der Website nur T-Shirts im Angebot."

Gegenüber dem "Algemeen Dagblad" erklärte Mike Tucker reichlich wage, zuviel negative Publizität sowie Widerstand nicht genannter Coffeeshop-Besitzer und obendrein noch vermuteter Contra-Aktionen der US-amerikanischen Drugs Enforcement Administration (DEA) würden die Ausführung der Pläne verzögern.

Ziemlich wahrscheinlich ist, dass die Vertreter der Amsterdamer Soft-Drogen-Szene zu Recht von einem "Scherz" sprechen. Tim Freccia und Mike Tucker haben ganz offensichtlich das Talent, Aufmerksamkeit zu erregen. Vor einigen Monaten machten sie mit ihrer Geschichte vom Badcop im Internet Furore. Es handelte sich um einen Internet-Krimi , der in Berlin spielte. Es ging dabei um Crack, einen fiesen Polizisten, Joschka Fischers Turnschuhe und die Stadt Berlin - die Site www.badcop.de ist übrigens noch immer in der Luft. Eine aus dieser Zeit stammende Telefonnummer mit spanischer Vorwahl, unter der Tim Freccia damals erreichbar war, funktioniert nicht mehr. Tim Freccia lebte damals nach eigenen Angaben "auf einer Yacht vor Barcelona", Mike Tucker soll mit seinem Auto in Südeuropa herumgekurvt sein. Wo die beiden sich jetzt aufhalten, ist unklar.