Userflucht Napsters Tod auf Raten
New York - Bereits die bisher vorliegenden Statistiken über die Anzahl der User und die der getauschten Musikstücke sprachen eine eindeutige Sprache. So hatte Jupiter Research unlängst ein Absinken der Userzahl von 15 auf 12 Millionen festgestellt. Eine neue Studie von Webnoize setzt nun noch einen drauf. Die Zahl der über Napster getauschten Dateien lag danach im April 2001 um mehr als ein Drittel niedriger als im März.
In Zahlen ausgedrückt heißt das: Die Zahl der über Napster getauschten MP3-Dateien sank vom Höchststand von 2,79 Milliarden im Februar auf 2,49 Milliarden im März und 1,59 Milliarden im April. Noch krasser fiel die Zahl der Songs, die durchschnittlich bei jedem Napster-User zum Tausch zur Verfügung stehen. Sie sank von 220, dem Höchststand Anfang März, auf ganze 37 im April.
Konkurrenten profitieren nur eingeschränkt
Andere File-Sharing-Dienste können nach Ansicht von Webnoize nur bedingt vom langsamen Sterben von Napster profitieren. "Manche User gehen von Napster weg und sammeln sich bei alternativen Systemen wie BearShare oder Aimster. Viele andere gehen aber generell weg vom File-Sharing," sagte Napster-Beobachter Matt Bailey. Der Chef des Verbandes der amerikanischen Tonträger Industrie (RIAA) Hilary Rosen, sagte, vom "Gefühl her, sei es mit Napster bereits vorbei. Wir haben uns schon weiterbewegt."
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Doch RIAA-Vize Matt Oppenheim schränkt ein: "Zwar haben sich die Filter von Napster verbessert, trotzdem müssen wir feststellen, dass Werke unserer Künstler noch immer in weitem Maße erhältlich sind. Napster hat die Anforderungen des Gerichts noch immer nicht erfüllt." Dabei hatte US-Richterin Marylin Hall Patel der Musiktauschbörse Ende vergangener Woche eine Atempause verschafft. Sie entschied, dass die Musikindustrie beim Auffinden copyrightgeschützter Songs mithelfen müsse.
In wieweit sich die Flucht der Napster-User auf das legale Geschäftsmodell auswirkt, das der Tauschdienst im Sommer in Zusammenarbeit mit Bertelsmann einführen will, muss sich noch zeigen. Der Medienkonzern hat jedenfalls noch immer große Pläne mit Napster. Bertelsmann-Vorstandsmitglied Klaus Eierhoff kündigte an, man prüfe, ob über die Infrastruktur des Tauschdienstes auch andere digitalisierte Angebote wie Filme oder Bücher vertrieben werden könnten. Allerdings müsse man erst abwarten, ob es gelinge, beim Musikvertrieb ein effizientes, technisch stabiles System zu schaffen, das die Kunden akzeptierten.