Web-Eremit Dotcomguy Von der Wanze gebissen
Der erste Tag im neuen Leben des Dotcomguy, geborener Mitch Maddox, hätte schlechter kaum verlaufen können. Von seiner "Mutterfirma" DotComGuy Inc. quasi als Verkörperung der allumfassenden Möglichkeiten des Internet und des E-Commerce vermarktet, landete er in seiner neuen Lebenswelt mit einem GAU. Bis zum Dezember 1999 hieß der Mensch noch Mitch, inzwischen ist "Dotcomguy" auch sein amtlich gültiger Name. Ein Jahr lang soll und will er in einem bis unter das Dach verkabelten Haus in Dallas ausharren und sich alle Dinge, die er zum Überleben benötigt, aus dem Internet fischen. Rund um die Uhr beobachtet von den Surfern in aller Welt. Allein Dusche und Toilette darf er ohne Zeugen benutzen.
Statt aber nun den spektakulären Auftakt dieses aberwitzigen Überwachungsexperimentes verfolgen zu können, bot sich den Surfern am Montag nur die Nachricht "Error: Invalid Date/Time Object: 01/03/19100". Nun ist der Dotcomguy seiner Zeit hoffentlich weit voraus, aber so weit nun auch nicht: Die Fehlermeldung ging, so Dotcomguy Inc., auf den Millennium-Fehler zurück.
Mit einer verwanzten Wohnung hatte Dotcomguy ja gerechnet, nur gerade seine Website hätte eigentlich wanzenfrei bleiben sollen: Der Sinn der ganzen Aktion liegt letztlich darin, den Dotcomguy beim Surfen zu beobachten. Das spricht den kleinen Voyeur in Otto-Normalsurfer an - und gefällt den Sponsoren. Denn Dotcomguy finanziert sich aus Mitteln verschiedener Unternehmen, die - was für eine Überraschung! - auch für die Versorgung des Cyber-Eremiten verantwortlich zeichnen. Der bestellte in seinen ersten Tagen Shampoo, Klopapier und Lebensmittel und sah sich - irgendwann soll sich schließlich sein noch immer leeres Haus mit Cyber-erworbenen Möbeln füllen - in virtuellen Möbelhäusern um. Dass er sich vor allem auf den Seiten seiner Sponsoren umsieht, hat natürlich mit der Qualität des dortigen Angebotes zu tun. Das alles macht Dotcomguy nun noch bis zum 31. Dezember 2000. Bleibt die Frage, für wen das langweiliger wird: Für ihn oder für den Surfer.
Frank Patalong