Widerstand Zulieferer murren gegen E-Commerce-Pläne der Autofirmen
Die deutschen Zulieferer lassen die geplante internationale Internet-Plattform mehrerer Automobilkonzerne juristisch prüfen. Eine solche Plattform verstoße möglicherweise gegen das Diskriminierungsverbot im Kartellrecht, sagte Theodor L. Tutmann von der Arbeitsgemeinschaft Zulieferindustrie ArGeZ am Dienstag auf der Hannover Messe. "Wir müssen aufpassen, dass die kleinen mittelständischen Zulieferfirmen durch eine solche Plattform nicht vom Wettbewerb ausgeschlossen und damit diskriminiert werden." Die ArGeZ habe deshalb ihre Juristen mit einer kartellrechtlichen Überprüfung beauftragt.
Die drei weltgrößten Automobilkonzerne DaimlerChrysler, Ford und General Motors hatten Ende Februar für ihren Einkauf von Zulieferteilen ein gemeinsames Internet-Unternehmen angekündigt. Mehrere andere Autokonzerne schlossen sich dem Projekt umgehend an. Damit würde der bislang weltweit größte elektronische Marktplatz geschaffen. Andere Hersteller wie VW und BMW arbeiten an einer eigenen Internet-Plattform.
Die Zulieferer würden sich nicht dem Internet und dem E- Business verschließen, sagte Tutmann. "Der Zug fährt, und wir werden unsere Chancen nutzen." Doch entscheidend sei, dass für alle Zulieferer Chancengleichheit für einen Zugang zu solchen Internet- Handelsplätzen bestehe. Mit einem einfachen Internet-Anschluss sei dies ja nicht getan. Allerdings sei bislang außer der spektakulären Ankündigung vor einem Monat noch nichts weiter geschehen. Selbst die Ansprechpartner für die Zulieferer bei den Automobilkonzernen wüssten überhaupt nichts Konkretes, sagte Tutmann.
Die juristische Überprüfung sei zunächst einmal vorsorglich. Zwischen Ankündigung und Umsetzung lägen gerade im Bereich des elektronischen Geschäftsverkehrs noch Welten, sagte ArGeZ-Sprecher Klaus Urbat. Das gelte für die Automobilwirtschaft in besonderem Maße. Von ihr wünschten sich die Zulieferer seit langem, dass sie ihren Bedarf für den Einkauf hinsichtlich Menge und Zeit endlich genauer plane. "Wir können bereits sehr schnell produzieren und liefern." Einzelne Hersteller gingen bereits dazu über, ihre Bedarfsplanung gleich ihren Lieferanten zu übertragen.
Bereits seit mehreren Jahren werden in zahlreichen Branchen Aufträge regelrecht "versteigert". Über Intra- beziehungsweise Extranets werden Angebote angefordert: Den konkurrierenden Zulieferern bleibt es überlassen, sich gegenseitig zu unterbieten. Das günstigste Angebot erhält den Zuschlag. Eine gemeinsame Plattform mehrerer Konzerne werde den so entstandenen Preisdruck noch erhöhen, befürchten Vertreter der Zulieferindustrie. In Nordamerika hat eine gemeinsame Plattform der Automobilindustrie längst ein Vorbild: ANX ist eines der größten "geschlossenen" Netzwerke der Welt. Rund 15 Prozent des Datenverkehres bei ANX entfallen auf Business-to-Business-Auktionen.