WLAN gegen UMTS Wo wird es funken?
AT&T tut es, O2 steigt in Deutschland gerade ein, Handy-Hersteller entwickeln Hybrid-Geräte - es ist nicht mehr zu ignorieren: Während die Telekommunikationsindustrie noch laut für UMTS trommelt, sattelt sie zur Sicherheit schon mal das Ersatzpferd.
WiFi und WLAN waren vor Jahresfrist noch Stichworte, die allenfalls Funk-Fans und Heimnetzwerkbetreiber vom Hocker rissen, während UMTS das allgegenwärtige Internet zu verheißen schien. Doch der Wind hat sich gedreht: Der WLAN-Markt boomt und droht - allen gegenteiligen Beteuerungen zum trotz - künftigen UMTS-Anwendungen die Butter vom Brot zu nehmen.
Dabei hat das eine mit dem anderen auf den ersten Blick wenig zu tun: WLAN gegen UMTS - das scheint der Vergleich Äpfel mit Birnen zu sein.
WLAN: Lösung nur für kleine Räume?
WLAN schafft Funkanbindungen, die innerhalb eines örtlich eng begrenzten Raumes den Aufbau eines Netzwerkes und einen schnellen Zugang zum Internet ermöglichen. Schon heute loggen sich Internet-Nutzer mit Laptop oder PDA in Firmennetze, in Flughäfen und Flugzeugen, städtischen Parks, Cafés und vielleicht bald dem ein, um dort schnell und preiswert zu surfen. So eine "WLAN-Wolke" hat in der Regel nur eine Ausdehnung von wenigen hundert Metern. Mehr kann WLAN zunächst einmal nicht: Eigentlich ist die Technik nur für eine örtliche Vernetzung gedacht.
Aber es scheint genau das zu sein, was Surfer mit mobilen Ambitionen wollen.
Die Telekommunikationsindustrie hält ihre Vision des Always Online dagegen: Per UMTS, heißt es, solle man bald überall und rasend schnell ins Web kommen. Dass die ursprünglichen Visionen vom Filmvertrieb per Handy und anderen multimedialen Fähigkeiten mittlerweile so arg abgespeckt wurden wie die Geschwindigkeitsträume, hat sich zwar herumgesprochen, scheint aber kaum jemanden zu kratzen.
Denn gerade für die Dinge, die UMTS zum Sieg verhelfen sollen, muss der Markt erst einmal geschaffen werden: Dem wachsenden Angebot an Multimedia-Nachrichten-Diensten (MMS) und anderen multimedial aufgebohrten Telefon-Dienstleistungen steht eine für die Betreiber enttäuschend verhaltene Nachfrage gegenüber.
Das, unken die Kritiker, liege nicht zuletzt an den exorbitant hohen Preisen: Warum sollte man bis zu 1,29 Euro für eine Kurznachricht mit einem schlechten Bild bezahlen, wenn über zehn Prozent davon noch nicht einmal ankommen?
Will der Kunde ein "Wow!" - oder will er es billig?
Wohl wahr, denn in dieser Hinsicht scheint die Industrie den Knall tatsächlich noch nicht gehört zu haben: Der MMS-Vorgänger SMS ("Sado-Maso-Schreiben") feierte nicht etwa darum Triumphe am Markt, weil die Welt darauf wartet, kleine Nachrichten per Telefon zu verschicken, sondern schlicht, weil SMS deutlich billiger sind als die teuren Handy-Telefonate.
Auch der Zeitgeist deutet auf WLAN und gegen UMTS: Als die Multimedia-Träume entstanden, erlebte die Dotcom-Gesellschaft gerade ihren Boom, und Geld wuchs an der Börse. Heute ist Geiz geil, und grau, aber billig vielleicht schicker als bunt, aber teuer.
So langsam sickert das durch, auch, wenn es schmerzhaft ist für die Unternehmen: T-Mobile hat soeben angekündigt, die Preise für Handy-Datenübertragung von 29 Cent für 10 Kilobyte auf nur noch 9 Cent zu senken. Das ist einerseits die Einleitung eines Preiskrieges, andererseits immer noch verhältnismäßig teuer, denn 10 KB sind nichts, wenn man über den Versand von Dokumenten redet. Da wären auch Business-Kunden schnell billiger bedient, wenn sie sich im Stadtpark in die WLAN klinken - selbst, wenn sie mit dem Taxi dorthin fahren müssten.
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Zudem zeichnet sich ab, dass weder die Nachteile von WLAN, noch die Vorteile von UMTS so ausgeprägt sein werden, wie gemeinhin dargestellt: Bis es zu einer auch nur annähernd flächendeckenden Versorgung mit UMTS kommen wird, werden noch Jahre vergehen. Andererseits engagieren sich längst Unternehmen und teils gar kommunale Behörden, möglichst dicht vernetzte WLAN-Räume zu schaffen. Weil all das nur zu deutlich ist, fahren immer mehr Unternehmen zweigleisig und suchen nach Möglichkeiten, auch WiFi-Angebote zu machen, mit denen sich Geld machen lässt.
Denkbar ist da von Abos über Prepaid- bis zu By-Call-Modellen, bei denen per Telefonrechnung eine Pauschale für eine zeitweilige Nutzung abgebucht würde, so ziemlich alles.
Auf der anderen Seite bleibt UMTS die leichter flächendeckend umzusetzende Möglichkeit, einen schnellen, überall erreichbaren Online-Zugang zu schaffen - nur teuer wird die Sache, und wenn am Ende auch nur für die Anbieter. Geld lässt sich mit UMTS-Videotelefonie so schnell nicht machen, und längst heißt das neue Spaßkonzept, dass die Normalkunden der neuen Mobilfunktechnik zutreiben soll, "Spiel".
Nach dem Vorbild des japanischen iMode-Konzeptes sollen Handy-Spiele den Rubel rollen lassen. Der Export von iMode-Konzepten nach Deutschland ging bisher allerdings in die Hose: Betreiber E-Plus berichtete gestern erst, nur rund 125.000 Kunden gewonnen zu haben - mindestens 400.000 waren einmal angepeilt.
Das allein aber disqualifiziert das Konzept nicht, denn es braucht eine kritische Masse: gerade vernetzte Spiele leben von der Zahl potenzieller Gegenspieler. Platzt der Knoten also einmal, mag es durchaus noch zum Erfolg kommen. Auffällig ist aber, dass beim Trommeln für UMTS mittlerweile Spaß-Argumente weit häufiger sind als das Werben für potenzielle Business-Nutzungen: WLAN kann beides, ohne Probleme.
Unter dem Strich jedoch bleibt der Vergleich der Technologien einer zwischen Äpfeln und Birnen: WLAN kann UMTS so wenig ersetzen wie UMTS die WLAN. Die Gretchenfrage ist eine ganz andere: Wofür gibt es eine Nachfrage, und welche Technik bedient diese so gut, dass es ihr zum Durchbruch verhilft - und die andere vielleicht gar daran hindert?
Auch, wenn die Technologien nicht direkt miteinander vergleichbar erscheinen, stehen sie dabei doch in direkter Konkurrenz. Jeder Obstverkäufer auf dem Wochenmarkt kann das bestätigen: Man konkurriert mit seinen Äpfeln nicht nur mit denen des Nebenmanns, sondern auch mit dem Birnen- und Bananenhändler ums Eck. Der Erfolg entscheidet sich letztlich daran, was dem Kunden besser schmeckt.
Der Verlierer kompostiert am Ende seine Ware und schreibt die Kosten als Verlust ab.