Ab sofort adelig Ritter William, sei geschlagen!
Ne, was ist das schön: Einmal mehr hat sich nicht nur die Mär vom armen Knaben, der es vom Tellerwäscher zum Milliardär bringt, aufs Hollywood-kompatibelste erfüllt - nein, jetzt wird er auch noch adelig. Wie bereits im letzten Jahr angekündigt wird William "Bill" Gates III heute von Queen Elisabeth II zum Ritter geschlagen.
Früher oder später, so viel dürfte damit wohl klar sein, wird sich irgendwer in Hollywood auf das märchenhafte Sujet stürzen und 160 Millionen Dollar (das entspricht etwa dem stündlichen Kaffeekassen-Etat von Microsoft) für einen entsprechenden Prachtschinken ausgeben. Dass die Queen im Jahr sogar mehr Adelige produziert als der Papst Heilige, ignorieren wir dabei einmal.
Denn tatsächlich gibt es seit geraumer Zeit eine gewisse Ritter-Inflation. Queen Elisabeth (respektive die britische Regierung) nutzt die Titelvergabe, um In- wie Ausländer so prestigeträchtig wie kostengünstig für Verdienste um Großbritannien zu belohnen.
Denn natürlich wird William Gates nicht geehrt, weil er der Welt Windows gegeben hat: Nein, es sind seine Verdienste um die britische Wirtschaft, die ihn Schlag-würdig machen. Und natürlich seine tatsächlich erheblichen karitativen Engagements, was auch viel weniger profan klingt.
Politisch motiviertes Schwert-Streicheln
Gates, hatte es im Januar letzten Jahres in der Begründung seiner Wahl geheißen, habe nicht nur 2000 Arbeitsplätze in Großbritannien geschaffen, sondern auch ein mehr als 210 Millionen Dollar schweres Stipendienprogramm an der Universität Cambridge begründet und überhaupt viel zur "Verringerung der Armut in der Welt" getan.
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Gates rückt nun auf in den illustren Kreis der Ritter des "Order of the British Empire", des jüngsten und zugleich größten und schnellstwachsenden britischen Ritterordens. Der "OBE" wurde erst 1917 von König George V. ins Leben gerufen, um dem rapide ansteigenden Bedarf an Heldenauszeichnungen im Ersten Weltkrieg gerecht zu werden.
Seitdem ist der OBE für Großbritanniens Prominenz, was das Bundesverdienstkreuz für die deutschen Handwerkerinnungen bedeutet - ist aber mit einem höheren Prestige verbunden: Es ist nicht so, dass jeder Metzgermeister Ritter wird, der nur oft genug mit dem Fahrrad am Rathaus vorbeifährt. Unter dem Motto "Für Gott und Empire" zeichnet die Queen mit dem OBE Bürger für Verdienste um den britischen Staat aus und nimmt sie damit auf in den Kreis der "Ritterschaft der britischen Demokratie". Der damit verbundene Titel lautet "KBE", "Knight of the British Empire".
Dieser Club hat durchaus exklusive Mitglieder (von George Bush über Tim Berners Lee bis Mick Jagger), und zwar zahlreiche: Rund 100.000 Knights of the British Empire zählt das Register des OBE - ein in jeder Hinsicht mächtiges Ritterheer.
Frank Patalong