Arrival und die Technik dahinter: Wie Aliensprache entsteht - DER SPIEGEL
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Die Technik hinter "Arrival" Wie man Aliens zum Reden bringt

Für acht Oscars war "Arrival" nominiert - und obwohl der Science-Fiction-Film am Ende nur einmal gewann, steht er für einen Gegentrend im Kino: hin zu originellen, für sich sprechenden Spezialeffekten.
Von Gregor Wildermann
Foto: Sony Entertainment/ Hybride
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es dauert genau 74 Minuten bis zur ersten und einzigen Explosion im ganzen Film. Hätte "Arrival" vom kanadischen Regisseur Denis Villeneuve ein klassischer Science-Fiction-Blockbuster sein sollen, wäre das Drehbuch wohl nie weit gekommen. Es gibt keine Schießereien und Blutfontänen, und der eigentliche Konflikt wird sehr langsam mit einer Art Zeichensprache gelöst.

Trotzdem punktete der Film Ende vergangenen Jahres sowohl beim Publikum als auch bei den Kritikern (hier finden Sie unsere damalige Rezension). Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung war "Arrival" in acht Kategorien nominiert und wurde letztlich zumindest mit einem Preis für den besten Tonschnitt gewürdigt. Jenseits dieser Kategorie waren es jedoch gerade die fast unscheinbaren, aber ungewöhnlichen visuellen Effekte, mit denen sich "Arrival" deutlich von anderen Genrewerken absetzte.

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Effekte in "Arrival": So entsteht packende Science-Fiction

Foto: Sony Entertainment/ Hybride

Umgesetzt hat jene 245 Effekteinstellungen die in Quebec und Montreal beheimatete Firma Hybride, die vor 26 Jahren gegründet wurde und seit 2008 Teil des französischen Videospielkonzerns Ubisoft ist. Für den kreativen Effekteinsatz bekannt wurde Hybride vor allem durch Filme wie "Sin City" (2005) und "300" (2006), die optisch eine ganz eigene Ästhetik boten. Mitunter wirkten sie wie Theateraufführungen mit modernster Technik.

Kanada als Standortvorteil?

Pierre Raymond, Mitbegründer und jetziger Präsident von Hybride, erklärt die besondere Arbeitsweise seiner Firma auch mit deren Standorten. "Kanada hat in seinen Großstädten immer den Einfluss vom Nachbarland Amerika, aber eben auch aus Europa", sagt Raymond. "Wer hier aufwächst, sieht in den Kinos Blockbuster, aber eben auch Filme aus England, Frankreich oder Deutschland. Vielleicht verstehen wir deswegen Regisseure gut, die Effekte auch ganz subtil einarbeiten können."

Für die Effektprofis war "Arrival" trotzdem eine große Herausforderung, lässt Supervisor Philippe Théroux durchblicken, der ein Team aus rund 200 Mitarbeitern führte. Eins von zwei Aliens sei im Film etwas neugieriger gewesen, das andere eher reserviert, sagt Théroux: "Selbst die Nebelwand, in dem nur ihre Tentakelarme zu sehen sind, sollte eine Persönlichkeit haben."

Die Aliens kommunizieren in "Arrival" über kreisrunde Sprachsymbole, die am Set als Logogram bezeichnet wurden. Für die Symbole musste das Animationsteam von Hybride einen Weg finden, wie die sieben Arme der Kreatur diese Zeichen senden könnten. Das Ergebnis war eine Art Tinte, die sich aus den Armen absondert und dabei die Symbole in einer flüssigen Bewegung formt. Es ist kein Zufall, sondern eine Referenz an einen weltberühmten Zauberer, dass die Partikel-Software für die Animation dieser Flüssigkeit den Namen Houdini trägt.

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Die Tinte darf nicht mechanisch wirken

"Wir mussten verhindern, dass die Tinte zu mechanisch wirkt", sagt Philippe Théroux. "Deswegen war es sehr wichtig, dass wir genug Zeit für jede Szene hatten, selbst wenn es heute üblich ist, möglichst schnelle Schnitte im Film zu haben." Manchmal sei weniger einfach mehr.

Regisseur Villeneuve hat sich für genau diese Reduktion und Langsamkeit mit Filmen wie dem Drogen-Thriller "Sicario" einen Namen gemacht. Entsprechend gespannt ist Kinowelt jetzt, was Villeneuve bei der Fortsetzung von "Blade Runner 2048" vorhat. Erlebt der intelligente Science-Fiction-Film endlich ein Revival? Und sind visuelle Effekte so erwachsen und ihre Softwarewerkzeuge so etabliert, dass damit wirkliche Geschichten erzählt werden können?

Welche Rolle Spezialeffekte in Blockbustern einnehmen, variiert. Die 2017 ebenfalls für den Oscar nominierten Filme "Doctor Strange" und "Deepwater Horizon" etwa setzten ihre Effekte eher klassisch ein, um die Filmwelt wie eine Comic-Fantasiewelt beziehungsweise die Realität wirken zu lassen.

Ein Dschungel voller digitaler Tiere

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"The Jungle Book" dagegen ließ nahezu alle Tiere komplett digital aufleben - und hat damit dieses Jahr den Oscar für die "besten visuellen Effekte" gewonnen. Dabei sind Affen oder Tiger in früheren Filmen wie "Life of Pi" bereits mehr als glaubhaft inszeniert worden. Selbst "Star Wars - Rogue One", das mit dem digitalen Nachbau zweier menschlicher und bereits verstorbener Schauspieler das Publikum überzeugend verblüffte, war der Academy keinen Oscar wert.

Spricht man mit Insidern aus der Industrie, wird klar deutlich, was für Hollywood vor allem zählt: Im Rennen um die Machbarkeit bestimmter Szenen gewinnt nur die Firma, die das bisher Unmögliche wagt und dann auch glaubhaft auf die Leinwand bringt.

"Demokratisierung in technischer Hinsicht"

"Es gibt eine Art Demokratisierung in technischer Hinsicht", kommentiert Hybride-Mitgründer Pierre Raymond die Entwicklung im Bereich Effekte. Praktisch zeige sich das schon an der Popularität von TV-Serien, die mit bekannten Schauspielern aufwarten und extrem hochwertig produziert werden. Selbst kleine Teams könnten dafür komplette CGI-Landschaften, Städte und Welten erschaffen.

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Foto: ddp images/ Capital Pictures

"Der nächste Schritt wird jetzt sein, per Performance-Capture digitale Charaktere in diese Welten zu holen und glaubhaft wirken zu lassen", sagt Raymond. "Man sieht das jetzt schon bei Stunt-Doubles, wo wir gefährliche Szenen noch nicht einmal mehr von Stuntmen, sondern gleich digital umsetzen."

Geht es nach Raymond, ist das aber noch nicht alles. Seine Vision: "Ein Schauspieler wird in Zukunft vielleicht nur noch eine Art Grundperformance leisten, und danach wird der Film ohne seine Anwesenheit im Rechner inszeniert."

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