Boulevard-Community Die "Sun" bekommt ein MySpace
Möglicherweise ist man bei Rupert Murdochs News Corp. mit den Zugriffszahlen auf die Webseite der "Sun" unzufrieden. Oder man hat schlicht festgestellt, dass sich die Altersgruppen der "Sun"-Leser und der MySpace-Nutzer so überlappen, dass man da ein bisschen Synergie herausholen könnte. Jedenfalls, berichtet der britische "Guardian" soll es bald "MySun" geben, eine Community-Seite nur für die Leser des vielgescholtenen Boulevardgeschützes.
Der Plan befinde sich noch in den Kinderschuhen, so das Blatt. Am Ende sollen die "Sun"-Leser in dem Angebot jedoch, ebenso wie in MySpace, ihre eigenen Profilseiten gestalten können, mit Bildern, Texten, Musik und Videos. Zunächst sei für das Projekt die Webseite der ehrwürdigen "Times" im Gespräch gewesen, dann habe man sich aber, wegen des Alters der Leserschaft, für die "Sun" entschieden. Die "Times" gehört ebenfalls zu Murdochs Konzern.
MySpace hat nach Unternehmensangaben inzwischen 60 Millionen registrierte Nutzer - wie viele davon allerdings Karteileichen sind, ist unklar. Der überwiegende Teil davon ist zwischen 16 und 34 Jahre alt - eine Zielgruppe, bei der Werbetreibende ins Schwärmen kommen. In jüngerer Zeit war das Portal allerdings auch wegen Straftaten wie Aktivitäten von Pädophilen und wegen bedrohlicher, beleidigender und geschmackloser Einträge ins Gerede gekommen. In Großbritannien ist das Portal nicht zuletzt dafür berühmt, die Band Arctic Monkeys aus einer Truppe von Teenagern über Nacht in Superstars verwandelt zu haben. Das zunächst bei MySpace ins Netz gestellte Monkeys-Album verkaufte sich, als die Band endlich einen Plattenvertrag bekam, schneller als je zuvor ein Album in der britischen Popgeschichte.
Rupert Murdoch selbst, der MySpace vergangenes Jahr für 580 Millionen US-Dollar kaufen ließ, behauptete noch bei einer Rede am Montag in London: "Dies ist eine Generation, die nun landläufig als 'MySpace Generation' bezeichnet wird, die in einer Welt ohne Grenzen mit sich selbst spricht". Das Community-Portal, das vor allem in den USA, zunehmend aber auch anderswo, zum sozialen Phänomen geworden ist, sei "ein Beispiel dafür, wie die Medien, mit ihrer Fähigkeit, Millionen mit Informationen, Unterhaltung und Bildung zu erreichen, mit Hilfe der Technologie das Leben sehr vieler Menschen besser und interessanter machen können."
Einen Kommentar von News Corp. gibt es zu dem Bericht bislang nicht - aber schon beim Kauf von MySpace hatte das Unternehmen mitgeteilt, man wolle "MySpace mit den bereits existierenden Online-Unternehmungen kombinieren, um die Erfahrung der heutigen Internetnutzer zu bereichern."
cis