Cebit-Eröffnung: Schröder will mehr Inder - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Cebit-Eröffnung Schröder will mehr Inder

Auf der Cebit im vergangenen Jahr stellte Kanzler Schröder die Green-Card-Initiative vor. In diesem Jahr legt er nach: Deutschland soll sich für mehr ausländische Arbeiter öffnen, forderte er zum Cebit-Start. Trotz der Depression in der New Economy ist die Computermesse größer als je zuvor.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - "Die Green Card war ein erster wichtiger Schritt, um dem Arbeitsmarkt in Deutschland weitere Impulse zu geben. Weitere müssen und werden folgen", sagte Schröder am Mittwochabend bei der Eröffnung der Computermesse Cebit.

Der Kanzler sagte, es müsse beispielsweise in Deutschland "hervorragend ausgebildeten ausländischen Studenten" des Maschinenbaus oder der Naturwissenschaften ermöglicht werden, hier zu arbeiten. "Wenn wir den Wettbewerb um die besten Köpfe nicht verlieren wollen, brauchen wir in Deutschland eine sachliche und sachkundige Diskussion über eine arbeitsmarktorientierte Zuwanderung", forderte er.

In diesem Zusammenhang werde auch über die derzeitige Fünf-Jahres-Frist bei der Erteilung der Green Card zu reden sein. Laut Schröder wurden bislang 6000 Green Cards vergeben, zwei Drittel der Arbeitserlaubnisse kamen Unternehmen mit bis zu 100 Beschäftigten zugute.

Volker Jung, Chef des Branchenverbandes Bitkom und geistiger Vater der Green-Card-Initiative forderte den Kanzler auf, die Führung bei der Schaffung einer europäischen Einwanderungspolitik zu übernehmen. "Wir sollten auch in diesem Fall den Mut zur Vorreiterrolle aufbringen", sagte Jung. "Die deutsche Green Card tut uns gut. Sie muss aber in einem zweiten Schritt eingebettet werden in eine europäische Einwanderungspolitik."

Die Cebit, weltgrößte Messe der IT-Branche, steht in diesem Jahr unter dem Eindruck der lahmenden Konjunktur in den USA, die dem jahrelangen Höhenflug der Computer- und Telekom-Industrie hier zu Lande vorerst ein Ende bereitet. Trotzdem stieg die Zahl der Aussteller auf der Cebit um rund 120 auf gut 8100 an, auch die Ausstellungsfläche vergrößerte sich im Vergleich zum Vorjahr.

"Schwieriger als noch vor einem Jahr"

Die Chefin des US-Computerkonzerns Hewlett-Packard, Carleton Fiorina, sagte zur Cebit-Eröffnung, bis zur Jahresmitte sei auf den Märkten keine Besserung der Lage in Sicht. "Es wird auch keine rasche Erholung im zweiten Quartal geben", beschrieb Fiorina die Konjunkturlage in den USA. Prognosen darüber hinaus seien schwierig. "Es ist so, als würde man im Nebel navigieren." In Deutschland rechnet der Branchenverband Bitkom für das laufende Jahr nur noch mit einem Plus des Marktvolumens in Höhe von 8,7 Prozent nach 11,1 Prozent 2000. Bitkom-Chef Jung sagte, die Zahlen dürften nicht darüber hinwegtäuschen, "dass die Lage zurzeit schwieriger ist als noch vor einem Jahr."