Datenumsatz in Servern: Ein Bücherstapel bis Alpha Centauri - DER SPIEGEL
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Datenumsatz in Servern Ein Bücherstapel bis Alpha Centauri

Der Datenhunger der Welt ist gewaltig. Das enorme Ausmaß haben jetzt US-Forscher berechnet. Sie sind auf eine riesigen Wert gekommen - und zu der Einsicht, dass der Zukunftstechnik noch ein wichtiger Baustein fehlt.
Netzwerkkabel im Superrechner Datura: Die meisten Daten sieht man nicht
Netzwerkkabel im Superrechner Datura: Die meisten Daten sieht man nicht

Netzwerkkabel im Superrechner Datura: Die meisten Daten sieht man nicht

Foto: Patrick Pleul/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Es ist eine Zahl mit 22 Ziffern: Zusammengenommen 9,57 Zettabyte, ausgeschrieben 9.570.000.000.000.000.000.000 Byte, haben die Unternehmens-Server der Welt 2008 verarbeitet. So lautet das Ergebnis einer Studie der University of San Diego. Im Rahmen des Projekts "How Much Information?"  haben drei Wissenschaftler in mühsamer Kleinarbeit Verkaufszahlen von Server-Herstellern, Leistungsstatistiken und viele andere Quellen ausgewertet, um zu berechnen, wie viele Daten die rund 27 Millionen Server weltweit pro Jahr verarbeiten. Das Ergebnis ist der "2010 Report on Enterprise Server Information"  (PDF).

Versuche, die gewaltige Zahl den Lesern der Studie irgendwie greifbar zu machen, scheinen zum Scheitern verurteilt. Das Präfix Zetta nämlich definiert eine Trilliarde, das ist eine Eins mit 21 Nullen, also Zehn hoch 21. Zum Vergleich: Das Präfix Giga, wie in Gigabyte, bezeichnet eine Zahl mit neun Nullen vor dem Komma, also Zehn hoch Neun.

Auf jeden der 3,18 Milliarden Arbeitnehmer würden, so schätzen es die Autoren der Studie, drei Terabyte Informationen pro Jahr, beziehungsweise zwölf Gigabyte pro Tag, einprasseln - und das nur bei der Arbeit. Denn bei ihrer Studie haben sich die Wissenschaftler ausschließlich auf geschäftliche Daten beschränkt. Insgesamt, das ergab eine andere Studie des Projekts 2009, konsumiere jeder US-Bürger 34 Gigabyte Daten pro Tag. Eine Zahl in die allerdings auch Anwendungen wie Fernsehen und Radio einfließen.

Wer soll das alles lesen?

Würde man jetzt aufs Jahr hochgerechneten 9,57 Zettabyte Datendurchsatz in Bücher drucken und diese Bücher stapeln, so haben es die Autoren berechnet, ergäbe dies einen Bücherstapel von Neun Milliarden Kilometern Höhe. Genug, um die Strecke von der Erde bis zum Neptun zurückzulegen - und zwar zwanzigmal pro Jahr. Als Grundlage für dieses Bild gehen die Forscher davon aus, dass jedes Buch 4,8 Zentimeter dick ist und 2,5 Megabyte Daten enthält.

Maßeinheiten für Datenmengen

Präfix Bytes Datenmenge
Byte 1 Ein Buchstabe
Kilobyte (KB) 1.000 Eine Textseite
Megabyte (MB) 1.000.000 Ein kleines Foto
Gigabyte (GB) 1.000.000.000 Ca. 8,5 Minuten HD-Video von einem Camcorder
Terabyte (TB) 1.000.000.000.000 Ca. 250.000 MP3-Dateien
Petabyte (PB) 1.000.000.000.000.000 Die geschätzte Speicherkapazität aller Rechenzentren weltweit 2002
Exabyte (EB) 1.000.000.000.000.000.000 Die fünffache Datenmenge aller jemals gedruckten Bücher
Zettabyte (ZB) 1.000.000.000.000.000.000.000 Die geschätzte Menge aller jemals von Menschen gesprochenen Worte würde digitalisiert 42 Zettabyte entsprechen
Yottabyte (YB) 1.000.000.000.000.000.000.000.000 Unfassbar viel
Alle Angaben sind der Wikipedia und der Studie "How Much Information? 2009" entnommen

Aber wer soll das alles lesen? Die Antwort gibt Roger Bohn, Co-Autor der Studie: "Die meisten Informationen sind durchlaufende Posten."  Sie werden sekundenschnell erstellt, verarbeitet und gelöscht, ohne dass sie von irgendeiner Person bewusst wahrgenommen würden. was wir an Daten sehen, so der Professor für Technologie-Management, sei bloß die Spitze eines "Daten-Eisbergs", dessen gewaltiges Fundament unseren Blicken verborgen bliebe.

2024 verlässt der Datenberg das Sonnensystem

Knapp zwei Drittel der Daten werden von vergleichsweise günstigen Servern im Preisbereich bis 25.000 Dollar verarbeitet, die von den Autoren als Einstiegsgeräte bezeichnet werden. Ein weiteres knappes Drittel entfällt demnach auf Mittelklasse-Server und nur magere fünf Prozent der weltweiten Datenverarbeitung werden von Highend-Rechnern in der Preisklasse ab 500.000 Dollar geleistet. Supercomputer sind zwar superschnell aber auch super selten.

Auch einen Blick in die Zukunft haben sich die Autoren der Studie geleistet - und auch dessen Ergebnisse zu visualisieren versucht. Ihren Hochrechnungen zufolge wird sich der weltweite Datenumsatz im Unternehmensbereich bis 2024 alle zwei Jahre verdoppeln. Der Bücherstapel den man bräuchte, um diesen Science-Fiction-Datenwust analog niederzuschreiben, wäre dann so hoch, dass er das Sonnensystem verlassen und bis zum unserem Nachbarstern Alpha Centauri reichen würde, eine Strecke von 4,37 Lichtjahren.

Aufwind für Archivare

Aber diese Zahlen, ebenso wie die Ergebnisse der aktuellen Studie, könnten noch viel zu niedrig angesetzt worden sein, geben die Autoren zu bedenken. Denn in ihre Berechnungen gehen ausschließlich die offiziellen Daten von Server-Herstellern ein. Etliche Großunternehmen, wie Microsoft, Google und jetzt auch Facebook, bauen ihre Server mittlerweile selbst und tauchen in der Statistik deshalb nur unvollständig auf.

Als Fazit ihrer Studie kommen die Autoren zu der Einsicht, dass der Fokus bei der Fortentwicklung von Computern bisher viel zu sehr auf der Erhöhung von Rechenleistung liegt. Jetzt sei es an der Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, wie man die gewaltigen Datenmengen, die Jahr für Jahr anfallen, sinnvoll, sicher und nachhaltig archivieren - und vor allem konservieren - kann.

Daran dürften auch die Sponsoren der Studie ein Interesse haben, zu denen Intel, IBM, Cisco und Seagate zählen. Sie bauen nicht nur die Hardware für Server, sondern auch die für große Speichersysteme, können vom zunehmenden Datenumsatz der Welt also nur profitieren. Egal ob die Daten nur verarbeitet oder auch gespeichert werden sollen.