DDR im Web: Virtuelle Demokratische Republik - DER SPIEGEL
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DDR im Web Virtuelle Demokratische Republik

Knapp zehn Jahre nach der Wiedervereinigung hat die DDR zumindest im Internet überlebt. Witze und Erfahrungsberichte sind dort zu lesen, es wird aber auch kontrovers diskutiert.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Warum wird die DDR mit der BRD im Jahr 2009 wiedervereinigt? Dann ist sie 60 und darf rüber." Solche Ostwitze können Surfer bei www.ddr-witz.de  abrufen oder sich sogar vorlesen lassen. Die Wiedervereinigung liegt mittlerweile knapp zehn Jahre zurück, aber verschwunden ist die DDR noch lange nicht: Im virtuellen Raum gibt es unzählige Webadressen zu der untergegangenen Republik.

Wissenschaftliche Angebote von Universitäten und Forschungsinstituten stehen neben Seiten mit Fußball, Literatur, Geschichte, Musik und Adressen voller Satire. Wer etwas über den Alltag im Osten (www.ddr-alltagskultur.de), Wartburg, Trabant, Kinderlieder ("Wenn Mutti früh zur Arbeit geht") und die Initiative "Rettet die Ampelmännchen"  erfahren will, wird ebenso fündig. Auch Ostprodukte lassen sich im Web bestellen.

Eine Firma aus Wittenberg bietet eine Suchmaschine  zum Thema an - unterteilt in verschiedene Rubriken wie Betrieb und Kollektiv, HO und Handel, Mauer und Grenze, Stasi und Musik. Befolgt der Nutzer die Aufforderung "Bitte klicken Sie auf das Schild. Achtung: Sie verlassen jetzt West-Berlin" erreicht er das Zentrum der DDR. Unter www.ddr-im-www.de  finden sich unter anderem Daten zur Geschichte, eine Fotogalerie und weitere Links. Auch ein Chat und Forum werden geboten. Das Ziel der Seite wird im Impressum erläutert: "Die DDR soll im Internet für jeden erfahrbar und begreifbar gemacht werden. So sollte ein Beitrag zur gegenseitigen Verständigung geleistet werden, den Deutschland bitter nötig hat."

"Kurioses und Wissenswertes rund um den ehemaligen DDR-Chef" bietet die Seite www.honecker-im-internet.de . Neben einer ausführlichen Biografie, Bildern und Literaturtipps wird auch Kurioses wiedergegeben. So wollte Honecker nach den Angaben als kleiner Junge Lokomotivführer werden und begeisterte sich für Eiskunstlauf. Außerdem feierte der DDR-Staats- und Parteichef jedes Jahr zwei Stunden zu früh Silvester, weil er sich an das sowjetische Neujahrsfest hielt. Und Citroens liebte Honecker angeblich, weil man bei ihnen - anders als bei den gepanzerten Limousinen - die Fenster herunterkurbeln und so dem Volk besser zuwinken konnte. Die Verfasserin der Seite, Meike Wulf, schreibt eine Doktorarbeit zu Honeckers Bild in den Medien.

Gelegenheit zum Austauschen von Lebenserinnerungen will das Gesprächsforum Zonentalk geben. So können sich im InterZonentalk Ossis und Wessis zu Wort melden. In den Foren geht es durchaus heftig zur Sache: Da ist von Ignoranz und Desinteresse der Westdeutschen die Rede, ein anonymer Surfer will die Mauer so hoch wieder aufbauen, dass ihr Schatten bis nach Polen reicht. Aber es gibt auch versöhnliche Töne, ein anderer Nutzer hält das Gerede von Ossi und Wessi schlicht für "Blödsinn".

Iris Auding, dpa

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