Der kleinste Comic der Welt - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Angeklickt Der kleinste Comic der Welt

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
Fotostrecke

"Juana Knits The Planet": Bildergeschichte auf einem Haar

Foto: EHSM

Seit der Steinzeit werden mit Bildern Geschichten erzählt. Heute genügt Hightech-Tüftlern ein Haar, um einen Miniatur-Cartoon aufzuschreiben. Die winzige Bilderstrecke ist nur knapp 250 Mikrometer lang, also einen Viertel Millimeter.

Die Sequenz von zwölf Bildern  wurde mit einem fokussierten Ionenstrahl in weniger als zwei Stunden in die Oberfläche eines Haares gefräst. "Ionenfeinstrahlanlagen werden vor allem bei der Herstellung von Mikrochips verwendet", sagt Sébastien Bourdeauducq , der Kopf hinter dem Miniaturcomic. Im Grunde sei es ein sehr feiner Strahl Materie, in diesem Fall Gallium. Das Material könne dabei Geschwindigkeiten von angeblich bis zu 940.000 km/h erreichen. Pro Minute wird ungefähr 0,1 Nanogramm von dem seltenen Element verbraucht, also sehr wenig.

Die Geschichte des Comics mit dem Titel "Juana Knits The Planet" ist schnell erzählt, denn auf so einem Haar ist ja auch nicht viel Platz: Titelheldin Juana findet ein Wollknäuel und erschafft daraus ihre eigene kleine Welt, bevor sie sich am Ende in einen Roboter verwandelt. Den Abschluss bilden die Worte "Create" und "EHSM". "EHSM" steht für Exceptional Hardware Software Meeting , ein Treffen der Open-Source- und Do-it-yourself-Szene, das Ende Juni in Hamburg stattfindet.

Die Zeichnungen stammen aus der Feder der Künstlerin Claudia Puhlfürst. In ihrem Blog  schrieb sie bereits Ende Februar über das Projekt, damals allerdings noch verklausuliert: "Das Comic wird auf eine sehr spezielle Art veröffentlicht werden." Ihr Ziel beim Zeichnen sei es gewesen, eine Geschichte zu erzählen, die Menschen dazu motiviert, selbst etwas herzustellen. Das war auch das Anliegen von Sébastien Bourdeauducq. Der 27-Jährige ist einer der Organisatoren der Konferenz.

Weil Bourdeauducq, der als freiberuflicher Ingenieur arbeitet, keine Ionenfeinstrahlanlage zur Verfügung hatte, bat er einen Kollegen um Unterstützung: Andrew Zonenberg  vom Rensselaer Polytechnic Institute in New York. Der hat nicht nur Zugang zu einem solchen Gerät, er besorgte auch das benötigte Haar. Es stammt von seiner Freundin und ist derzeit auf dem Weg nach Deutschland. Ob es auf der EHSM in Hamburg zu sehen sein wird, ist allerdings noch unklar.

Die Idee, Ionenfeinstrahlanlagen abseits der klassischen Oberflächenanalyse und -bearbeitung einzusetzen, ist nicht ganz neu. Forscher aus Middlesex produzieren mit dem gleichen Verfahren winzige Skulpturen , der Brasilianer Vik Muniz baute eine Sandburg auf einem Sandkorn  und IBM präsentierte jüngst ein Zeitschriftencover im Nanoformat .

Mehr lesen über