Europa: Schulen ans Netz - und zwar alle! - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Europa Schulen ans Netz - und zwar alle!

Begeistert äußerte sich Bundeskanzler Gerhard Schröder vor wenigen Tagen darüber, dass Ford alle seine Arbeiter mit PCs und Internetverbindungen ausstattet. Wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, kann die Regierung bald beweisen, wie weit die Begeisterung geht: Die Kommission will bis 2002 alle Schulen in Europa ans Netz bringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Brüssel - Die EU-Kommission will nach eigenen Angaben mit einer neuen Initiative eine Generation von internetkundigen Schülern und Angestellten hervorbringen. EU- Beschäftigungskommissarin Anna Diamantopoulou erklärte am Montag in Brüssel, bis 2002 müssten alle Schulen in den EU-Mitgliedsländern an das Internet angeschlossen sein. Zudem schlug sie den Ländern vor, spezielle Computer-Trainingsprogramme für Lehrer anzubieten. Ziel der Initiative sei, die USA im Bereich der Informationstechnologie einzuholen. Dazu müssten auch die Unternehmen ermutigt werden, mehr auf Computertechnik umzustellen und ihre Angestellten neu einzuarbeiten.

Dies könne durch steuerpolitische Vergünstigungen erreicht werden, sagte die Kommissarin. Bereits im Jahre 2010 seien die Hälfte aller Arbeitsstellen in der Europäischen Union entweder in der Computerproduktion selbst oder in Industrien, die diese Produkte anwenden. Diamantopoulou warnte davor, dass der Mangel an Computerspezialisten in Europa bereits 2002 zu einer Lücke von 1,6 Millionen nicht besetzten Arbeitsplätzen führen könne.

Zudem rief sie die EU-Regierungen dazu auf, öffentliche Dienstleistungen im Internet anzubieten. Um mehr Menschen zu ermöglichen, sich mit dem Internet vertraut zu machen, müsste auch an öffentlichen Orten Internetcomputer aufgestellt werden. Ansonsten bleibe das World Wide Web eine Angelegenheit für Menschen mit höheren Einkommen.

Ganz überraschend kommt die Initiative der EU-Kommission für die deutsche Regierung wohl nicht. Vor wenigen Tagen hatte sich Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) dahingehend geäußert, dass die Bundesregierung anstrebe, allen Schulen in Deutschland eine kostenlose Internet-Nutzung zu ermöglichen. Sie reagierte damit auf eine öffentliche Anregung des Bertelsmann-Chefs Thomas Middelhoff, die Kostenfrage beim Internet für Schulen am grünen Tisch zwischen Regierung und den großen Onlinediensten lösen zu können. Geplant sind nun Gespräche mit den Chefs von Telekom und Bertelsmann, Ron Sommer und Middelhoff. Profitieren würden im Falle eines Erfolges vor allem T-Online und AOL. Pikant: Sollte sich Bertelsmann von AOL Europe trennen, hätte Middelhoff selbst nichts mehr von dem Deal.

Verwandte Artikel