Expo Virtuell: Schweiz - Hohle Gasse im Web - DER SPIEGEL
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Expo Virtuell Schweiz - Hohle Gasse im Web

Die Besucher der Schweizer Expo-Webseiten landen oft in hohlen Gassen, die zuweilen auch noch im Nirwana enden. Das Ganze ist herrlich grün - und eine völlig sinn- und zweckfreie Veranstaltung. Die Seite taugt allenfalls zur Vorbereitung des Trips nach Hannover, und das mehr schlecht als recht.
Von Julia Sohnemann
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die sonst so korrekten Schweizer waren bei der Gestaltung ihrer Expo-Website offenbar etwas übereifrig. Herauskommen sollte wohl eine Seite, die - wie ihr Pavillon - als Gesamtkunstwerk verstanden werden sollte. Leider ist das einzig Künstlerische an der Seite allenfalls das dort herrschende "kreative" Chaos.

Das Grundproblem der Website dürfte sein, dass sie nicht für sich steht: Sie ist nicht mehr und nicht weniger als ein Verweis auf ein Ereignis, das dort im Web eben nicht stattfindet - sondern im Schweizer Pavillon auf dem Expo 2000-Gelände. Heraus kommt also nicht mehr als eine "virtuelle Werbebroschüre". Das war 1996 wirklich gut - heute ist es eindeutig zu wenig.

Statt einer übersichtlichen Navigationsleiste gibt es eine halbe Seite, auf der die Unterpunkte sowie die angebotenen vier Sprachen wild durcheinander feilgeboten werden. Auch das Design hilft dem bereits leicht verwirrten Nutzer nicht gerade weiter, es ist weder einfallsreich noch schön, sondern vor allem grün.

Wer Fotos auf den Seiten sucht, wird genauso enttäuscht: Die winzigen Ausschnitte von Zeichnungen oder Bildern sind allenfalls mit der Lupe zu erkennen. Ein harmonisches Gesamtbild lässt sich vom "Klangkörper" Schweiz auf diesen Seiten nicht gewinnen. Das wollten die Macher wohl damit ausgleichen, indem sie ihren Pavillon in Texten beschrieben. Allerdings sind diese nicht nur viel zu lang(-weilig), sie erinnern zudem stilistisch mehr an Arbeitsanweisungen für eingefleischte Beamte.

Das mag daran liegen, dass die Inhalte zu den Unterpunkten Architektur, Inszenierung, Essen & Trinken, Bekleidung, Klang und Wort von Botschaftern und Kuratoren verfasst worden sind. Fazit: Die Beiträge verleiten nach kurzer Zeit nicht zum Weiterlesen, sondern zum Weiterklicken. Der Balanceakt, Musik in Worte zu fassen, ist hier nicht gelungen. Dabei wäre es doch naheliegend gewesen, einige Musikkostproben des Schweizer Klangkörpers als Intro oder Untermalung einzusetzen?

"Heute": Dieser Button macht noch neugierig. Leider führt er in die Irre - oder besser: auf drei Seiten, die außer einer Überschrift nur gähnende Leere präsentieren. Mit einer Ausnahme: der Besucher erfährt, was die Käsehäppchen und Getränke an der Bar kosten - in Hannover, versteht sich.

Ein anderer Sackgassenbutton, jedenfalls für die Masse der Nutzer, ist der, mit dem vielversprechenden Namen "Le Club". Hier erfährt man alles und zwar sehr umfangreich über eine exklusive Ecke des Schweizer Pavillons, die nur VIPs offen steht. Aber wer gehört schon zu den VIPs?

Positiv fällt nur die umfangreiche Linksammlung zu den Expo-Seiten anderer Länder auf. Doch auch hier nehmen sich die Schweizer selbst zu wichtig, denn klickt man ein Link an, erscheint die neue Seite nur in der unteren Hälfte des Bildschirms. In der oberen regiert immer noch das Chaos der durcheinandergewürfelten Navigationsleiste der Schweizer Expo-Seite .

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