Facebook und die Soros-Schmutzkampagne Interne E-Mail belastet Sheryl Sandberg
Sheryl Sandberg
Foto: Joshua Roberts / REUTERSLangsam wird es eng für Sheryl Sandberg. Medienberichten zufolge wusste Facebooks Geschäftsführerin, anders als zunächst behauptet, durchaus davon, dass Facebook belastendes Material über vermeintliche politische Gegner wie den US-Milliardär und Facebook-Kritiker George Soros sammeln wollte.
Es geht dabei auch, aber nicht ausschließlich um eine Schmutzkampagne der von Facebook beauftragten PR-Agentur Definers Public Affairs gegen Soros.
Wie die "New York Times" und "BuzzFeed" übereinstimmend berichten, habe Sandberg zwar nicht Definers direkt dazu aufgefordert, sich über Soros zu informieren. Die Geschäftsführerin soll stattdessen Mitarbeiter der hauseigenen PR-Abteilung in einer E-Mail dazu angewiesen haben, die Finanzgeschäfte des Milliardärs zu durchleuchten.
Definers wurde "in einer geringen Anzahl von E-Mails erwähnt"
Sandberg hatte stets bestritten, etwas von einer Schmutzkampagne gewusst zu haben und Anweisungen an das externe PR-Unternehmen gegeben zu haben.
Die E-Mail an die Mitarbeiter hat es jedoch gegeben, das hat Facebook am Freitag bestätigt. Dem SPIEGEL sagte ein Sprecher, man habe herausfinden wollen, was die Motivation hinter der fundamentalen Kritik von George Soros an Facebook beim Weltwirtschaftsforum in Davos sei. Schließlich sei Soros ein "prominenter Anleger", man habe sich "seine Investitionen und Geschäfte angeschaut, die mit Facebook zu tun haben".
Außerdem habe die Nachforschung zunächst nichts mit der Anweisung von Sandberg zu tun gehabt. "Die Recherche lief bereits, als Sheryl eine E-Mail geschickt hatte, um zu fragen, ob Mr. Soros seinen Anteil an Facebook-Aktien reduziert (und auf fallende Kurse gesetzt - Anm. d. Red.) habe", sagte der Sprecher.
Obwohl Sandberg noch immer bestreitet, von Definers gewusst zu haben, gibt sie mittlerweile zu, dass möglicherweise doch Informationen über die Agentur auf ihrem Schreibtisch gelandet seien. So sei die PR-Agentur in einigen Präsentationen aufgetaucht und "in einer geringen Anzahl von E-Mails erwähnt worden", teilte Sandberg vor rund einer Woche mit, in der Fußnote zu einem Beitrag des mittlerweile ehemaligen Kommunikationschefs von Facebook, Eliot Schrage.
Der Weltwirtschaftsgipfel wirkt nach
Sandberg und Soros waren beide beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar aufgetreten. Dort hatte der Milliardär vor den Gefahren gewarnt, die von Konzernen wie Google und Facebook ausgingen. Der Unternehmer hatte das soziale Netzwerk etwa als immer mächtiger werdendes Monopol bezeichnet, dessen Tage gezählt seien. Definers soll daraufhin mit umstrittenen Methoden den Milliardär in Verruf gebracht und unter anderem antisemitischen Verschwörungstheorien ausgesetzt haben.
Für Sandberg wird die Luft nun dünner. Auch, weil sie immer wieder betont hatte, die volle Verantwortung für das zu übernehmen, was unter ihrer Aufsicht passiert.
Mit der PR-Agentur hat Facebook bereits gebrochen. Einen Tag, nachdem der Bericht in der "New York Times" veröffentlicht worden war, trennte sich das Unternehmen von Definers Public Affairs. Monatelang sollen die Mitarbeiter des PR-Unternehmens gegen politische Gegner wie George Soros und Tech-Konzerne wie Google und Apple ausgeteilt haben.