FAZ.net: Ist da wer? - DER SPIEGEL
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FAZ.net Ist da wer?

Montagvormittag: Die FAZ geht mit ihren neuen Angeboten online. Montagnachmittag: Die FAZ-Seiten gehen in die Knie. Dienstag und Mittwoch: Die FAZ am Boden. Donnerstag: Die FAZ empfängt Abonnenten auf Krankenbesuch.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Einige wenige Stunden klappte alles wie am Schnürchen: Lang genug, um den vorab informierten Kollegen in den Medien Gelegenheit zu bieten, sich gründlich im Angebot umzusehen. Als dann "die anderen" berichteten und mehr und mehr Surfer selbst sehen wollten, was die Frankfurter zu bieten hätten, gingen deren Server in die Knie.

Und standen seitdem nicht wieder auf: FAZ.net  ist nur zeitweise zu erreichen und wenn, dann scheint am anderen Ende ein kleines Männchen zu sitzen, das die Inhalte per Morsecode über das Kabel hackt. Die Seite baut sich sehr, sehr gründlich auf. Sehr, sehr langsam.

"Wir arbeiten mit Hochdruck an der Erweiterung der Zugangskapazitäten", lässt sich die Pressestelle der FAZ vernehmen. Ein Statement, dass fast jedes Online-Medium irgendwann im Laufe seiner Existenz abgeben muss. Es ist so gut wie unmöglich, auf alles vorbereitet zu sein. Aber eine derart krasse Fehleinschätzung der erforderlichen Kapazitäten ist zumindest in Deutschland bisher einmalig. Vielleicht sind die Frankfurter ja einfach noch nicht daran gewöhnt, dass sie jemand lesen will.

Immerhin erschließt sich damit das Statement der FAZ-Pressestelle vom Montag, in dem es geheißen hatte, mit dem FAZ.net sei ein "Angebot, das in dieser Form im World Wide Web einmalig ist", entstanden. Doch das ist polemisch. Chefredakteur Frank Gaube betreibt derzeit Krisen-PR, versichert, auch die Redaktion wolle nicht "für den Papierkorb" produzieren.

Natürlich nicht. Am frühen Donnerstag hieß es aus Frankfurt, eine Übergangslösung sei darin gefunden worden, den Zugang zu FAZ.net "auf eine begrenzte Zahl von Nutzern" zu beschränken.

Da müssen die Techniker aber hart dran gearbeitet haben. Mit Verlaub: Das war dem FAZ.net bereits am Montagnachmittag gelungen. Hat sich da was verändert?

Interessanter Nebeneffekt: FAZ.de jetzt noch exklusiver

Viel gravierender ist das, was sich auf der alten Stammseite FAZ.de, die der gedruckten Ausgabe vorbehalten ist, mittlerweile getan hat. Diese ist, nach vier glorreichen Tagen, endlich wieder eine Nullnummer. Inhalte gibt es "vorerst" nur für Abonnenten, die sich durch Eingabe ihrer Auftragsnummer in das Angebot einloggen könnten. Das soll sogar funktionieren, solange man nicht die blaue "Sorry, hier geht's leider nicht weiter"-Seite erwischt.

Frank Patalong

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