Holocaust-Datenbank Drei Millionen Schicksale online
Jerusalem - Lebensläufe von fast drei Millionen NS-Opfern können jetzt auf der Webseite der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem nachgelesen werden. Es handelt sich um die umfassendste Datensammlung dieser Art, wie die Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem mitteilte. Die neue Datenbank, die heute offiziell gestartet wurde, ist die digitalisierte Version der 50-jährigen Forschungsergebnisse von Yad Vashem. Sie ist in hebräischer und englischer Sprache verfügbar.
Etwa zwei Drittel der insgesamt drei Millionen Personendaten davon stammen aus Zeugen-Dokumenten in 14 Sprachen, die seit 1955 gesammelt werden, und jetzt unter der Anschrift www.yadvashem.org eingesehen werden können. Die übrigen etwa eine Million Datensätze stammen aus Archiven und anderen Erhebungen. Von fünf Prozent aller Opfer - das sind 100.000 Menschen - liegt auch ein Foto vor.
Die Leitung Jerusalemer Gedenkstätte verband die Eröffnung mit einem dringenden Aufruf an Überlebende in aller Welt, die Namen und Lebensgeschichten weiterer jüdischer Opfer zu rekonstruieren.
"Wir nähern uns einer entscheidenden historischen Stunde", sagte Avner Schalev, der Vorsitzende von Yad Vashem. Man befinde sich in einem "Wettlauf gegen die Zeit" und müsse so viele Namen wie möglich registrieren, "bevor die Generation, die sich am besten an sie erinnert, nicht mehr bei uns ist".
Die Gedenkstätte hat sich zum Ziel gesetzt, den Holocaust-Opfern einen Namen zu geben, damit sie niemals in Vergessenheit geraten. Es sei eine moralische Verpflichtung des jüdischen Volkes, diesen Toten die letzte Ehre zu erweisen. Nach Angaben der Gedenkstätte arbeiten rund 1.500 Computerexperten schon seit zehn Jahren an der Digitalisierung der Daten. Die Mitarbeiter von Yad Vashem sind fest entschlossen, Informationen über alle sechs Millionen Holocaust-Opfer zusammenzutragen.