Icann: "Der Flaschenhals des Internet" - DER SPIEGEL
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Icann "Der Flaschenhals des Internet"

Icann, die "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers", soll künftig die Vergabe von Internetnamen und die Abstimmung von Kommunikationsprotokollen regeln. Das klingt technisch - und ist politisch hoch brisant. "Icann", meint der SPD-Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss, "wird über die Wettbewerbschancen ganzer Industrien entscheiden".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jörg Tauss, Medienbeauftragter der SPD-Bundestagsfraktion, ist ein viel beschäftigter Mann. Für ein Gespräch über Icann nimmt er sich dann aber doch gern Zeit: "Ja, ich halte viel davon."

Das ist nicht selbstverständlich. Was Tauss als begrüßenswerten Versuch in Sachen "E-Demokratie" sieht, sehen andere durchaus kritisch. Tauss: "Ich weiß, dass es Leute gibt, die Icann  für einen Trick der Amerikaner halten".

Ein Trick? Icann, die "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers", soll bald schon die Vergabe von Internet-Adressen übernehmen, den so genannten "Root Server A" kontrollieren, für eine Abstimmung der Internet-Kommunikationsprotokolle sorgen. Das klingt wie Technik - und ist Politik: Icann wird damit zur zentralen, kontrollierenden Instanz im Internet. "Icann", sagt Tauss, "wird über die Wettbewerbschancen ganzer Industrien entscheiden".

Da wäre es beruhigend zu wissen, dass dies mit Bedacht, unparteiisch und nach rein sachlichen Erwägungen geschieht. Kontrolle ist Macht, und die macht verdächtig. "Wer kontrolliert Icann?" wird zur Gretchenfrage.

Denn mit Icann soll sich so einiges am Status quo ändern. Entgegen der Legende vom unkontrollierten Internet herrschte im Web immer Ordnung, zumindest in einer Beziehung: Streng kontrolliert wurde stets die Zuordnung von "URLs", den bekannten Webadressen nach dem Muster "www.manager-magazin.de" und dem dahinter verborgenen numerischen Code. Nur dieser macht den gesuchten Rechner im dezentralen Netzwerk überhaupt auffindbar. Eine nicht registrierte, nicht an die Server und Router in aller Welt weitergeleitete Adresse ist eine Insel im Datenmeer - völlig unauffindbar.

Diese Funktion wird Icann unter anderem übernehmen: Schon im Herbst 2000 ist es soweit. Icann wird zum "Flaschenhals des Internet", wie Jörg Tauss das nennt. Die "New York Times" sah in Icann gar die "Regierung des Internet" entstehen.

Bisher hatte vor allem das amerikanische Wirtschaftsministerium - über einen externen Dienstleister - ein Auge auf die Verwaltung der Domain-Adressen. Das soll nun anders werden - darauf drängen Industrievertreter, Regierungen und nicht-staatliche Lobbyverbände in aller Welt. Icann soll "demokratisiert" werden. Doch die Art und Weise, wie das geschieht, trifft auf Kritik.

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