Icann: Drei neue Domains - DER SPIEGEL
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Icann Drei neue Domains

Es knirscht und knarrt mal wieder im Getriebe der Internet-Bürokratie: Drei weitere der sieben bereits im November letzten Jahres beschlossenen Domains sollen online gehen. Nicht vor Februar nächsten Jahres, versteht sich.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Gut Ding, weiß der Volksmund, will Weile haben.

Zehn Monate hat es gebraucht, bis die im letzten Jahr bereits von der Icann beschlossenen Domains "museum", "coop" und "aero" endlich in die konkrete Planungsphase gingen. Im Rahmen des Montevideo-Treffens der Icann in Uruguay bestätigte das Direktorium erneut den Willen, die Domains einführen zu wollen und kündigte an, dass die Registrierung entsprechender Adressen ab November möglich sein solle.

Damit wären dann immerhin sechs der sieben im letzten November abgenickten Domains zumindest auf den Weg gebracht. Grünes Licht für "biz", "info" und "name" wurde bereits im Frühjahr gegeben. Tatsächlich online ist bisher keine der neuen Domains. Die Frist von der endgültigen Bewilligung einer Domain bis hin zu ihrer Einführung liegt anscheinend bei über einem Jahr.

Die Mühlen der Internet-Bürokratie mahlen halt langsam. Dabei ist die Nachfrage nach neuem Namensraum tatsächlich groß: Dass dem bisher erschlossenen Internet so langsam die sinnvollen Adressen ausgehen, ist seit Jahren bekannt. Die Zahl der Firmen und Privatpersonen, die sich auf neuen Adressraum wartend die Füße platt stehen, wächst beständig - die der Firmen, die sich vor Gericht wegen Namens-Streitigkeiten auf die Füße treten, sogar noch schneller.

Dies alles sind Gründe, warum die Stimmen der Icann-Kritiker immer mehr Gehör finden. Letztlich ist es noch nicht einmal so, dass die Welt auf die von der Icann versprochenen sieben Adressen tatsächlich wartete: Die Zahl der potenziellen Nutznießer von "museum" und "aero"-Adressen ist gering; die Einführung dieser Endungen löst das "Platzproblem" im Namensraum nicht.

Die Einführung der "pro"-Endung für "Professionals", nach der es dagegen tatsächlich eine relativ rege Nachfrage gibt, hat die Icann in Montevideo dagegen erneut vertagt.

Immerhin sollen nun die ersten drei neuen Domains online geschaltet werden: "info"soll am 19. September aktiviert werden, "biz" am 1. Oktober und "name" am 13. Dezember. Positiv punkten konnte die Icann auch mit einer Entscheidung, die drohende Konflikte zwischen Länderregierungen und Cybersquattern (Domain-Piraten) im Keim ersticken dürfte: Adressen nach dem Muster "ländername.info" können demnach nur von Regierungen reserviert werden. Dass die Registrare sich so bemühen, Konflikte im Ansatz zu lösen, ist ein Novum.

Neues gibt es derweil auch im Netz. Immer mehr Betreiber und Unterstützer alternativer Domain-Systeme schließen sich zusammen, weil ihnen schlicht die Geduld mit der Icann ausgeht. Zum einen steht da noch immer die Kritik im Raum, dass die Icann sich im November 2000 vor wichtigen Entscheidungen gedrückt und konstruktive Vorschläge für wirklich sinnvolle Domain-Endungen abgelehnt habe. Dazu zählen unter anderem Endungen wie "kids" als exklusiver Schutzraum für Kindern vorbehaltene Inhalte oder "xxx" oder Ähnliches als klare Kennzeichnung sexuell konnotierter Angebote.

Der Weg, den Initiativen wie die deutsche "Beatnic" gehen, könnte das Domain-Monopol der Icann erschüttern: Wenn sich genügend Router-Betreiber zusammenfinden, die sich auf ein gemeinsames alternatives System einigen können, entstünde ein "Netz im Netz" in offener Konkurrenz zum von der Icann gemanagten World Wide Web.

Frank Patalong