Interview: Ich, (fast) Bill Gates - DER SPIEGEL
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Interview Ich, (fast) Bill Gates

Steve "Bogus Bill" Sires ist das derzeit bekannteste Bill-Gates-Double - und ein echter Fan. Er fühlt sich wohl in seiner Haut. Und in Bills.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Wann wurde Bill Gates zu einem Teil Ihres Lebens?

Steve Sires: Etliche Jahre, bevor ich damit begann, als professioneller Bill-Gates-Imitator zu arbeiten, gab es immer wieder Leute, die mir sagten, ich sähe aus wie Gates. Die ersten paar Male hat mich das richtig irritiert, weil ich gar nicht wusste, wer denn dieser Gates sein sollte. Hätte ich doch damals ein paar Aktien gekauft!
Das war in den späten Achtzigern. Die Jahre vergingen, und es wurde immer häufiger, dass Passanten mich auf der Straße ansprachen oder mir einfach hinterherstarrten.


SPIEGEL ONLINE: Und wann entschlossen Sie sich, selbst ein Stück Bill Gates zu werden?

Steve Sires: Mir ein Stück seines Lebens zu leihen, war nicht meine Idee. Darauf kam meine Frau, die auf einen Artikel in einer Lokalzeitung reagierte, in dem es um eine Talent-Agentur im Ort ging. Pam rief die Agentur an, erzählte erst denen von mir - und dann mir von dem Anruf. Ich sollte die doch mal anrufen. Tat ich aber nie.
Nach ein paar Wochen meldete sich die Agentur bei Pam, und sie gab ihnen meine Telefonnummer an meiner Arbeitsstelle. Kurz gesagt, ich ging hin, sie sahen mich an und entschieden: Ja, das ist er. Die Agentur fand die ersten Jobs, ich richtete mit Hilfe meines Sohnes Chris die Website BogusBill.com ein. Das alles geschah im Juni 1998.

SPIEGEL ONLINE: Ist es ein hartes Geschäft?

Steve Sires: Mitunter. Der Druck ist bei den meisten Einsätzen als Bogus Bill enorm hoch, weil ich nur eine Chance bekomme, Eindruck zu machen. Die Konzentration darf nie nachlassen. Die einfacheren Einsätze machen das ein wenig wett: Das wären zum Beispiel Film- oder Foto-Shootings, wo man, wenn etwas nicht gleich klappt, die Sache einfach wiederholen kann.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es viel Konkurrenz?

Steve Sires: Es gibt Konkurrenz, aber genaue Zahlen kenne ich nicht. Ich weiß von mindestens dreien in den USA, und eine kanadische Kundin erzählte mir von zweien in Kanada. Zu meinem Glück habe ich ein paar sehr prominente Engagements gelandet und konnte meinen Erfolg zugunsten meiner Klienten fortführen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es Kontakte zwischen verschiedenen Bill-Gates-Darstellern?

Steve Sires: Ich kenne nur einen der anderen. Wir trafen uns bei einer Nachmittags-Talkshow hier im Lokalfernsehen. Wir wussten beide nicht, dass der andere auch im Studio sein würde. Ich kam herein, und er sah mich und sagte: "Oh, Sie sind's! Sie sind gut!". Aus irgendwelchen Gründen hatte er sogar ein Bild von mir dabei. Das Publikum stimmte informell darüber ab, wer von uns beiden Bill Gates ähnlicher sähe. Ich gewann.

SPIEGEL ONLINE: Kann man sich davon ernähren, Bill Gates zu sein?

Steve Sires: Nein, unglücklicherweise kommen die Aufträge nicht regelmäßig genug, aber ich denke, da muss mehr drin sein. Ich arbeite daran, meine Fähigkeiten besser zu vermarkten. Noch reicht es nicht, meinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Dafür betreibe ich ein Ingenieurbüro.

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer Website behaupten Sie, dass Microsoft Sie sogar als Double für Gates eingesetzt habe. Passiert so etwas wirklich?

Steve Sires: Ha. Sicher passieren solche Dinge. Ich bin mal bei der Produktion eines Comdex-Videos für ihn eingesprungen. Er trat auch auf in dem Video, aber ich übernahm all die Gag-Szenen. Obwohl unsere Drehtermine nah beieinander lagen, kam er nicht in den Genuss, Steve Sires zu treffen, weil er sich verspätete. Ich bin ihm also bis heute nicht einmal begegnet. Aber vielleicht gibt es in Zukunft ja weitere Aufträge von Microsoft.

SPIEGEL ONLINE: In einem Interview sagten Sie einmal, dass es nicht ungewöhnlich für Sie sei, auf der Straße um Geld gebeten zu werden. Ist es ein Risiko, wie der reichste Mann der Erde auszusehen?

Steve Sires: Bisher habe ich mich nie gefährdet gefühlt - es sei denn, Sie halten es für eine Gefahr, auf der Straße von Menschen angesprochen zu werden, die einem ihre ganze Geschichte ausschütten oder ihre ganzen Begehren. Meistens finden es die Leute einfach aufregend, Bill zu treffen. Manche Leute erzählen mir ihren Lebenslauf, weil sie auf eine Anstellung hoffen. Andere wollen Börsentipps. Denen sage ich: "Kaufe niedrig, verkaufe hoch!"
Ich verändere mein Aussehen nicht, die meiste Zeit bin ich einfach ich. Bisher treffe ich auch keine Sicherheitsvorkehrungen. Wenn ich so etwas sichtbar täte, würde es die Leute nur noch mehr davon überzeugen, dass ich Gates wäre.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie jemals Angst davor, dass ein Irrer Sie mit dem Original verwechseln könnte?

Steve Sires: Nein, bisher nicht. Bill ist sowohl hier als auch im Ausland ein sehr angesehener Mann, obwohl er seine Kritiker hat. Natürlich gibt es immer die Gefahr, dass ein Freak irgend etwas täte, aber man kann deshalb auch nicht aufhören zu leben.

SPIEGEL ONLINE: Unter dem Strich: Wie ist das, Bill Gates zu sein?

Steve Sires: Ich lebe ein interessantes Leben. Ich habe hart gearbeitet, meinen Beruf zu erlernen, und eines Tages wache ich auf und konnte Geld damit verdienen, etwas völlig anderes zu tun. Was für ein Glück, was für ein Segen Gottes.

SPIEGEL ONLINE: Wie stehen Sie zu Computern?

Steve Sires: Ich nutze Computer jeden Tag, sowohl im Arbeitsleben als auch privat. Das Leben wäre nicht das, was es ist, ohne einen PC.

Die Fragen stellte Frank Patalong