iTunes-Hack: DVD-Jon trickst Apple aus - DER SPIEGEL
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iTunes-Hack DVD-Jon trickst Apple aus

Ärger für Apples erfolgreiche iTunes-Musikplattform: Eine neue, unabhängig entwickelte Zugangssoftware erlaubt nicht nur den Download von der Seite ohne Apples iTunes-Client - sie befreit die heruntergeladenen Songs auch von jeglicher Art von Kopierschutz.
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Wenn der Name Jon Johansen fällt, werden Manager der Musik- und Filmindustrie nervös. Johansen war es, der 1999 den als unknackbar gepriesenen Kopierschutz für DVDs brach. Ein blasser Teenager aus Norwegen hatte dem jungen Speichermedium zumindest aus Sicht der Industrie einen ersten Kratzer beigebracht. Jetzt hat Johansen gemeinsam mit anderen erneut zugeschlagen. Diesmal traf es Apples Download-Plattform iTunes.

Wer dort einen Musiktitel herunterlädt, kann ihn bislang nicht unbegrenzt weiterverwenden: durch die so genannte DRM-Technologie (Digital Rights Management) werden Einschränkungen festgelegt, denen eine Datei unterliegt. Sie bestimmt, wer welche Ware mit welchen Gerätschaften wie oft und unter welchen Bedingungen nutzen darf.

Das iTunes-DRM ist dabei im Vergleich zu anderen Anbietern relativ großzügig: Ein gekaufter Song kann beliebig oft auf CD gebrannt oder auf den hauseigenen Player iPod kopiert werden. Wer sich auskennt, kann die Rechte auch von einem ausrangierten alten Rechner auf einen neuen übertragen - bei anderen Anbietern geht das nicht. Komplett loswerden kann man DRM mit einem simplen Trick: Wer ein Stück zunächst auf eine Audio-CD brennt und von der aus in mp3-Dateien umwandelt, hat eine DRM-freie Version, wenn auch mit leichtem Qualitätsverlust.

Laut CNet.com befreit die neue Software mit dem Namen PyMusique iTunes-Titel jedoch von vorneherein vollständig von jeder Art von DRM-Signatur. Dabei hatten die Nachwuchsprogrammierer, die das Programm entwickelt haben, eigentlich etwas ganz Harmloses vor: Nämlich auch Linux-Nutzern den Zugang zu Apples iTunes-Plattform zu öffnen. PyMusique ist nichts anderes als ein iTunes-Client für Linux.

Cody Brocious, ein 17 Jahre alter Schüler aus Pennsylvania, sagte gegenüber CNet.com: "Der Zweck des Projektes war es, Dateien vom iTunes Music Store kaufen zu können. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Projekt ethisch ist und nur Gutes für die Community bewirkt." Brocious ist einer der Entwickler von PyMusique.

Jon Johansen, der wegen seines legendären DVD-Crackers "DeCSS" in der Szene auch "DVD Jon" genannt wird, erläuterte in einer E-Mail an verschiedene Fanseiten, wieso PyMusique Songs ohne DRM auf die Festplatte bringt: "Der iTunes Music Store verkauft eigentlich Stücke ohne DRM. Während die iTunes-Software DRM zum Einkauf hinzufügt, tut PyMusique das nicht. PyMusique verlangt auch nicht, dass man per Klick auf irgendwelche Rechte verzichtet, wenn man einen neuen Account eröffnet."

Bei CNet.com hat man PyMusique schon getestet. Man stellte fest, dass die Downloads tatsächlich im ungeschützten AAC-Format auf der Festplatte landeten statt in Apples geschütztem Fairplay-Format. Ein iTunes-Account musste aber ganz regulär eröffnet, die Songs normal bezahlt werden.

Apple dürfte über die unauthorisierte Zugangssoftware trotzdem alles andere als glücklich sein. "Sie werden auf den Dienst nur mit Software zugreifen, die Apple für den Zugang zur Verfügung stellt", mahnen die iTunes-Geschäftsbedingungen. Einen Kommentar zu PyMusique will man bei Apple aber derzeit nicht abgeben.

Besonders ärgerlich ist für den iTunes-Betreiber wohl die Tatsache, das PyMusique auch schon als Windows-Version zur Verfügung steht - die hat Johansen selbst gebastelt, während Brocious und ein weiterer Programmierer die Linux-Version ausarbeiteten.

Johansen hatte im Jahr 1999 gemeinsam mit anderen, immer noch anonymen Programmieren, die DeCSS-Software entwickelt, mit der auch Linux-Rechner DVDs abspielen konnten. Kontroverser Nebeneffekt: Das Programm erlaubte erstmals auch das Kopieren von DVDs. Jahrelange Prozesse waren die Folge, heute ist DeCSS - zumindest in den USA - illegal aber weiter im Umlauf. Johansen selbst wurde in Norwegen freigesprochen.

Christian Stöcker

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