Maut-Debatte um BBC Engpässe im Breitband-Netz
Es rumort in Großbritanniens Telekommunikations- und Internetprovider-Branche. Der vielbeachtete Launch der iPlayer-Dienste der BBC macht den Telkos Sorgen: Sie befürchten, dass der Ansturm von oft Hunderttausenden von BBC-Zuschauern, die sich ihr Programm schon sehr bald im on-demand-Verfahren selbst zusammenbasteln dürften, ihre Netzwerke überlasten könnte.
Prompt schwappt damit eine Debatte über den Atlantik, die in den USA seit rund zwei Jahren unter dem Stichwort "net neutrality" mit großer Vehemenz geführt wird: Sollten Internet-Inhalte-Anbieter für die Kosten des Datenverkehrs zur Kasse gebeten werden, wenn sie besonders viel davon verursachen?
Tiscali, British Telecom und Carphone Warehouse sehen das so, berichtet der "Independent". Sprecher aller genannten Unternehmen spielten in den vergangenen Tagen öffentlich mit dem Gedanken an eine Datenmaut - und drohten, sollte es dazu nicht kommen, mit Bandbreitenlimitierungen für die BBC.
Scheinheilige Drohung
Denn so sehen das die Telkos: Bevor es in ihren Breitbandnetzen zu Engpässen wegen der Flut der Videostreams kommt, würden sie die Bandbreiten für bestimmte Anbieter schlicht limitieren. Das ist möglich und Europaweit seit Jahren üblich: So deckeln auch in Deutschland viele Provider die Bandbreite von Internet-Anschlüssen, die beispielsweise auf Bittorrent- oder eDonkey-Angebote zugreifen.
Denn zumindest in dieser Hinsicht ist die Drohung scheinheilig: Das Gros des Datenverkehrs im Internet entfällt schon seit Jahren auf Film- und TV-Downloads. Auch wenn das öffentlich so niemand sagt, sind solche Downloads wohl eines der größten Verkaufsargumente für Breitbandanschlüsse.
Allerdings sind diese Downloads zumeist illegal, und da liegt der Unterschied: Wenn ein großer Sender wie die BBC ihren Millionen von Nutzern das TV-Programm jeweils sieben Tage lang zum Download vorhält, ist eine Menge Traffic zu erwarten - und ausnahmsweise auch ein Verursacher auszumachen.
Ähnliche Pläne wie die BBC hegen in Deutschland ab Herbst auch ARD und ZDF. Anfragen von SPIEGEL ONLINE, ob es bei den deutschen Service-Providern ähnliche Pläne für die Zeit nach der öffentlich-rechtlichen Netzoffensive gibt, blieben bislang ohne Antwort. Ganz abwegig ist die Vorstellung nicht, die deutschen Marktteilnehmer könnten die vielfach kritisierten Online-Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender zum Anlass nehmen, die Datenmaut-Debatte neu aufzurollen. Schon im vergangenen November hatte beispielsweise Telekom-Vorstand Walter Raizner laut über entsprechende Änderungen nachgedacht.
Nachtrag: Inzwischen hat die Deutsche Telekom auf die Anfrage von SPIEGEL ONLINE reagiert. "Wir beobachten, was da passiert und überlegen noch, ob und wie wir darauf reagieren. Es ist natürlich etwas anderes, E-Mails zu verschicken, als Videodaten. Laufzeitunterschiede fallen dort dann ins Gewicht, und die sieht der Kunde eben", erklärte Telekom-Sprecher Ralf Sauerzapf.
pat/cis