Moorhuhn-Jagd Falsches Federvieh
Das Moorhuhn hat es nicht leicht: Virenwarnungen und Blockadeprogramme verunsichern die User, und allerorts formiert sich die Anti-Moorhuhn-Lobby. Tierschützer warnen vor erhöhter Gewaltbereitschaft, Arbeitgeber sorgen sich um die Moral der Angestellten und um die Firmennetzwerke, die durch bösartige Anhängsel des Moorhuhns sabotiert werden könnten.
Wenige Wochen vor dem Start der zweiten Version des Kultspiels sah sich nun der Moorhuhn-Macher Phenomedia genötigt, auf die Vorwürfe zu reagieren. "Wer sich an die Regeln hält, wird auch Moorhuhn 2 garantiert virenfrei downloaden können", ließ Phenomedia-Chef Markus Scheer in einer Pressemitteilung verlauten. Sogar Experten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) seien zu Rate gezogen worden, um das Spiel "so sicher wie möglich" zu machen.
Über die vom Moorhuhn neu entfachte Virendebatte ist man bei Phenomedia auch ein bisschen stolz: Scheer hegt sogar Hoffnungen, dass das Mohrhuhn "einen Beitrag zu einer Versachlichung der Diskussion über Interaktivität, die damit verbundenen Risiken und wirksame Schutzmechanismen" leistet, was seiner Meinung nach "die Zukunftsfähigkeit deutscher Unternehmen nur stärken" könnte.
Auch zum Thema Moorhuhn am Arbeitsplatz hat das Unternehmen eine Antwort parat. Zwar soll Moorhuhn 2 eine "Cheftaste" erhalten, mit der das Spiel beim Herannahen des Vorgesetzten ausgeblendet werden kann. Gleichzeitig baut man aber auch auf das Verständnis der Firmenbosse: "Wenn Arbeitspausen genutzt werden, um sich beim Spielen von virenfreier Moorhuhnsoftware zu entspannen", so Scheer, "dann liegt darin ein hoher Motivationsfaktor."
Während die Fangemeinde schon der mit Vorschusslorbeeren angekündigten zweiten Version entgegenfiebert, arbeiten Softwarebastler längst an anderen Ballerspielen, die auf der Moorhuhn-Idee aufbauen. Bei "Laa Laa strikes back" etwa müssen gewaltbereite Teletubbies per Maschinengewehr zur Strecke gebracht werden. Ähnlich martialisch geht es bei einem anderen Moorhuhn-Klon zu, bei dem der Spieler statt Hühner kleine Engelchen vom Himmel holen muss. Vergleichsweise harmlos ist da noch die "Eisadler Jagd" von Cad-Kas Software , die Adler über den Bildschirm flattern lässt.
Aber auch der Klassiker selbst kommt zunehmend ins Visier der Programmierer. Längst wird an Moorhuhn-Editoren gebastelt, mit denen man Landschaft und Zielobjekte digital verändern kann. Zudem ist im Internet Mogel-Software erhältlich, mit der man beispielsweise das Zeitlimit von 90 Sekunden auf mehrere Minuten heraufsetzen oder sich bei einem Treffer mehr Punkte anrechnen lassen kann.
Phenomedia sieht die neue Schwemme von Moorhuhn-Zubehör indes gar nicht gern - und warnt nicht ohne Eigeninteresse vor Risiken, die durch Zusatzprogramme zur aktuellen Baller-Software entstehen können. "Wer meint, sein Moorhuhn aufpeppen zu müssen", so der Phenomedia-Chef, "kann natürlich Spielverderbern auf den Leim gehen."