Musikvideos: YouTube baut aus - DER SPIEGEL
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Musikvideos YouTube baut aus

Spätestens in eineinhalb Jahren, sagt YouTube-Gründer Steve Chen, wolle er "jedes Musikvideo, das je gedreht wurde", bei YouTube sehen. Hinter der steilen Behauptung stehen konkrete Pläne: YouTube verhandelt bereits mit den großen Musikfirmen.
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Gut 60 Prozent aller Videos, die sich Internetnutzer online ansehen, werden über YouTube verbreitet, glaubt man Firmen-Mitbegründer Steve Chen. Das ist selbstbewusst für eine Web-Firma, die überhaupt erst seit Februar 2005 aktiv ist und im Konkurrenzumfeld zahlreicher, teils seit Jahren aktiver Video-Portale steht..

Doch dass die junge Firma ein Shootingstar und inzwischen eine echte Marke ist, steht tatsächlich außer Frage: Im Juli gelang der Webseite mit 16 Millionen Visits erstmals der Sprung in die Top 50 der US-Webseiten - was einem Zuwachs von 20 Prozent innerhalb nur eines Monats entspricht. Die rasant steigende Popularität des Angebots fordert allerdings auch ihren Tribut. Am Dienstag fielen die Server von YouTube erstmals für einen längeren Zeitraum aus: Fast sechs Stunden flimmerte da gar nichts mehr.

Die Zwangspause nutzten die Betreiber für dringend notwendige Update-Arbeiten, schließlich haben sie steile Pläne: Die gehen inzwischen deutlich darüber hinaus, "nur" eine Plattform für die selbstgedrehten Filmchen ihrer Community zu sein. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ließ Chen die Katze aus dem Sack: YouTube steht in Verhandlungen mit den großen Musikfirmen, über die Plattform Musikvideos zu zeigen. Und zwar alle, "die je gedreht wurden", wie Chen selbstbewusst tönt.

Am zugrundeliegenden Business-Modell wird derzeit fleißig gestrickt. Klar ist bisher, dass YouTube die Videos nicht wie die Konkurrenz von Yahoo launch oder wie MTV "featuren", das heißt präsentieren will - das sollen der Philosophie von YouTube folgend die Nutzer selbst besorgen. Sie sollen, wenn die Musikindustrie mitspielt, die Videos in ihre persönlichen Profile einbinden dürfen, sie besprechen und empfehlen können.

Die Labels selbst dürften ein lebendiges Interesse daran haben, die Veröffentlichung von Musikvideos bei YouTube in legale Bahnen zu lenken. Emi und Warner bestätigten bereits, dass sie mit dem Videoportal in Verhandlungen stehen. Wohin die Reise geht und wer am Ende für wessen Dienste zahlen wird, ist noch völlig unklar. YouTube jedenfalls, machte Chen klar, habe ein drängendes Interesse daran, die Verträge schnellstens in trockene Tücher zu bekommen. In "zwölf, höchstens achtzehn Monaten", so Chen, wolle er die Videos auf der Seite haben.

Die in diesem Bereich jahrzehntelang führende Marktmacht MTV bewegt sich übrigens ihrerseits auf die YouTube-Zielgruppe zu: Erst vergangene Woche wurde bekanntgegeben, dass MTVs Mutterkonzern den Branchenveteranen Atom Entertainment gekauft hat.

pat/rtr

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