Netzwelt-Ticker Ameisenarmee zerstört Computer und Telefone
Sie haben sechs Beine, aber keinen Respekt vor Technik: Riesige Ameisenschwärme fallen über Texas her; magisch angelockt von Schaltkreisen und Kabelnetzwerken legen sie texanische Elektronik lahm. Wohl mit einem Frachtcontainer aus der Karibik eingeschleppt, entwickelt sich die Krabbelarmee zu einer wahren Plage.
Associated Press (AP) beschreibt die "haarigen, rotbraunen Kreaturen" als "erratisch herumwandernde", statt wie sonst in geordneten Linien marschierende Ameisen . Sie nisten sich in Telefonkästen ein, schalten elektrische Leitungen kurz, legen Computer lahm.
Nachrichtenbeiträge im US-Fernsehen beweisen die Plage. Doch verschweigen sie, was zum Beispiel Saul Bass in seinem Terminator-Termiten-Film "Phase IV" prophezeite: Erst entwickeln die Viecher Intelligenz, dann unterjochen sie die Menschheit zu ihrem eigenen Wohl, wohlgemerkt!
Weder aus dem AP-Bericht noch aus den TV-Beiträgen gehen die Absichten der Ameisen hervor. Aber clever scheinen die Jungs und Mädels von der Krabbelfront allemal: Die nach ihrem größten Feind, dem Kammerjäger Rasberry, nun "Crazy Rasberry Ants" benannten bauen Stapel aus ihren toten Gefährten, die sie als Brücken über Pestizid-Fallen verwenden. Ameisen pflasterten ihren Weg
Anklage wegen angeblichen MySpace-Mobbings
Die 13-jährige US-Schülerin Megan brachte sich um, nachdem eine MySpace-Bekanntschaft sie plötzlich verhöhnte. Der Besitzer des MySpace-Profils "Josh" freundete sich mit dem Mädchen an, sie verliebte sich offenbar, "Josh" trennte sich dann plötzlich. Darauf erhängte sich die depressive Megan im Keller ihres Elternhauses.
Hinter "Josh" sollen, so die Darstellung der Staatsanwaltschaft, eine Schülerin aus Megans Nachbarschaft und deren Mutter stecken. Sie hätten das gefälschte MySpace-Profil eingerichtet. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage vor einem US-Bundesgericht erhoben. Vorwurf: Die Täterinnen hätten in betrügerischer Absicht ein Benutzerkonto beim sozialen Netzwerk MySpace angelegt . Die Anklage lautet auf Verschwörung und unautorisierten Zugriff auf Computer, um an Informationen zu gelangen und emotionalen Stress auszulösen." Bei einer Verurteilung drohen bis zu 20 Jahre Haft.
Bürgerrechtler zeigen sich besorgt: Im Grunde, so ihre Befürchtung, baut das Urteil auf einem Verstoß gegen die MySpace-Benutzungsbedingungen auf. Die Aktivisten vermuten hinter diesem rechtlichen Umweg: Kein anderes Gesetz wurde dem Mobbing-Fall gerecht, der öffentliche Druck nach einem Gerichtsprozess war aber groß, also wurde der Fall kurzerhand rechtlich handbar gemacht.
Zehn Thesen zur Informationsgesellschaft
Als Markus Beckedahl vom Netzpolitik-Blog Anfang April seine zehn Thesen zu einer zeitgemäßen Netzpolitik auf der Bloggerkonferenz re:publica verlas, war das Echo groß. Vielleicht reichte sein Ruf ja sogar bis nach Yale: Das dortige Yale Information Society Project nämlich hat anlässlich seiner jährlichen Konferenz "Computer, Freiheit und Privatsphäre" das Motto "Technology Policy '08" ausgerufen und stellte selbst zehn Thesen online .
Die ähneln teilweise stark denen Markus Beckedahls; was aber auch nicht weiter verwundern sollte. Die Forderungen (hier wie da) sind so grundlegend und für Netz-Nutzer eigentlich so selbstverständlich, dass sie vermeintlich internetblinden Regierungen immer wieder vor Augen geführt werden müssen. Eine Netzanbindung muss zur Grundversorgung gehören, Privatsphäre geschützt und eine Netzkultur gefördert werden. Der demokratische Prozess kann durchs Internet transparenter gemacht, die Bildung, Innovation und mediale Vielfältigkeit gefördert werden.
EU rüffelt Google und Schäuble
Der EU-Datenschutzbeauftragte Peter Hustinx mahnt Google: Das Unternehmen müsse sich in Europa an lokale Datenschutzbestimmungen halten. Die seien beispielsweise zu beachten, wenn der Konzern europäische Innenstädte für seinen Webdienst Google Street View abfotografiert. Hustinx: "Wir haben Google und anderen Suchmaschinen eine deutliche Botschaft zukommen lassen." Anlass war ein EU-Report darüber, wie gut verschiedene Suchmaschinen die EU-Datenschutzgesetze einhalten.
Hustinx kritisierte auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Der habe die EU-weite Ausdehnung des Prümer Vertrags zur Vernetzung von Polizeidaten vorangetrieben. Damit habe der CDU-Politiker die Dynamik der deutschen Ratspräsidentschaft im ersten Halbjahr 2007 genutzt, um "etwas durchzusetzen, was in dieser Form nicht hätte beschlossen werden sollen" , so Heise.de.
Mein Datenschutzengel, der Roboter-Zwilling
Das ist eine Schreckensvorstellung für Bürgerrechtler: Internet-Provider, Staat und Unternehmen schauen den Surfern über die Schulter, folgen ihnen auf Schritt und Tritt im Netz. Und das alles, um Nutzerprofile zu erstellen, aus denen hervorgeht, ob jemand Raubkopierer, Räuber oder zu wenig Räuber am eigenen Portemonnaie ist.
Doch Antiphorm.com bietet Abhilfe: "Data in, Tada out" . Die kostenlose Software benimmt sich wie ein betrunkener Surfer. Sie blitzt durchs Netz, klickt und blickt erratisch, wie die Techno-Ameisen aus Texas. Informationsdüppel, um die Lauscher zu verwirren. Und der Name AntiPhorm? Phorm ist ein Unternehmen, das anderen Unternehmen anbietet, die Datenströme ihrer Internet-Nutzer zu analysieren, um diese besser mit Werbung zu bespammen. AntiPhorm will diese Anstrengungen vereiteln.
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