Netzwelt-Ticker Apple droht den iPhone-Fricklern
Wer an der Software seines iPhones rumspielt, zum Beispiel um es vom Knebelvertrag eines Mobilfunkanbieter zu befreien, muss damit rechnen, dass das Handy beim nächsten Apple-Update über den Jordan geht. "Apple rät streng davon ab, unautorisierte Entsperr-Programme auf iPhones zu installieren", so eine Pressemeldung aus Cupertino . "User, die unautorisierte Veränderungen an der iPhone-Software vornehmen, verletzen die Lizenzbestimmung und verlieren ihre Garantieansprüche."
Verständlicherweise kann Apple die iPhone-Hackereien nicht berücksichtigen "wir hassen Hobbyentwickler nicht, wir lieben sie aber auch nicht" dennoch bietet Apples Angstmeldung eigentlich keinen Grund zur Besorgnis. Die Hacker, die das iPhone erst entriegelten, geben längst Tipps, wie man es wieder verriegelt, um sich Apple-Updates installieren zu können .
Hintergrund: Apple liefert iPhones nur mit einem Vertrag aus, der es an einen einzigen Telefonanbieter bindet. In Amerika ist das AT&T, in Deutschland T-Mobile. Wer damit nicht einverstanden ist, muss selber Hand anlegen und das iPhone entsperren.
Entsprechende Anleitungen und Software-Hilfsmittel gibt es dazu im Netz. Allerdings verändert man damit die Software, die im iPhone den Betrieb regelt. Eben jenes Programm, das Apple hin und wieder selbst verändern will, um Fehler auszumerzen oder neue Features hinzuzufügen.
Kommen sich inoffizielles und offizielles Update in die Quere, gibt's Krach. Da hilft dann nur ein Schritt zurück in den Knebelvertrag , solange bis Hacker ihre eigene Software auf den neusten Stand gebracht haben.
Mobile-TV: Studie sieht wenig Interesse
So, was ist denn jetzt mit Mobile-TV alias Handy-TV? Mit der IFA 2007, den Olympischen Spielen in China und der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz soll es groß losgehen, der Europäer zukünftig fünf bis zehn Euro monatlich für mobile Medieninhalte ausgeben.
Blühende TV-Landschaften? Eine Studie der Marktforscher von Gartner zeichnet nun ein eher tristes Bild . Der gemeine Europäer will lieber nix wissen vom mobilen Fernsehen. Gerade einmal fünf Prozent der befragten Bürger zeigten in einer Umfrage Interesse daran, in den nächsten zwölf Monaten Fernsehen oder Videos auf ihren Handys anzuschauen. In Asien sieht's besser aus: Laut der Studie gaben dort 20 Prozent der Befragten an, auf ihren Handybildschirmchen auch Fernsehprogramm empfangen zu wollen.
Und woran soll das mangelnde Interesse liegen? Carolina Milanesi von Gartner meint die Hauptursache im Kompromiss zu sehen, den die Kunden zwischen Bildschirmgröße und Tragbarkeit des Geräts machen müssten: Groß aber klobig oder klein aber pixelig? Eine einfache Erklärung.
Vielleicht bedeuten die fünf Prozent aber auch einfach nicht viel mehr, als dass sich bisher nur wenige Leute Gedanken um ihr Handy als Glotze gemacht haben und es einfach so annehmen, sobald es eine Standardfunktion im Mobiltelefon ist. Ähnlich wie bei den Handykameras, die zunächst ja eher belächelt wurden.
10.000 Dollar für den ersten Anruf zum Mond
A propos Mobilfunk: Erst lobt Google ein Roboterrennen zum Mond aus , und jetzt greift das Handy-Portal YouNeverCall die Idee auf und bietet demjenigen 10.000 Dollar, der als erstes einen Anruf vom Mond schafft . Stichtag ist der 7. Januar 2015. Aber bevor jetzt jemand einfach sein Pferd "Mond" nennt, gibt die Webseite Bedingungen aus: Anruf, egal ob Gerät oder Person, vom Mond aus auf ein Handy in der Zentrale von YouNeverCall in Los Angeles.
Für die Sprachübertragung ist jedes Protokoll und jede Kompression zugelassen, der Anrufer muss jedoch ein paar Fragen mit ja oder nein beantworten. Einen Sonderpreis von 500 US-Dollar bekommt, wer die erste SMS vom Mond aus absendet. "Du, bin grad auf dem Mond, melde mich später noch mal." Sparte "Wissenschaftlich fragwürdig": Wer Mondbewohner mit dem "Crazy Frog"-Klingelton nervt, bekommt noch mal 100 US-Dollar obendrauf.
Aber Achtung, darauf weist YouNeverCall extra hin: Bei solchen Unternehmungen könnten nicht unerhebliche Roamingkosten anfallen.
Schutz vor Sexualstraftätern: Facebook droht Klage
Der New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo gab gestern bekannt, dass sein Büro das soziale Netzwerk Facebook untersucht, weil es junge User nicht vor möglichen Sexualstraftätern schützt und nicht auf diesbezügliche Beschwerden von Usern einging.
Wer seine minderjährigen User nicht vor überführten Sexualstraftätern schützt, das musste bereits MySpace Anfang des Jahres erfahren, dem drohen in Amerika Prozesse und herbe Strafen.
Im Juli, so der Staatsanwalt von Connecticut gegenüber Reuters , habe sein Büro von mindestens drei überführten Sexualstraftätern erfahren, die auf Facebook ein Profil führen. Das sei aber möglicherweise nur "die Spitze des Eisberges."
Facebook hat von den Beschuldigungen erfahren und bereitet derzeit ein Statement vor. Wahrscheinlich wird das Unternehmen dem Beispiel MySpaces folgen, Altersbeschränkungen einführen und das amerikanische Sexualstraftäter-Register mit den persönlichen Angaben der User vergleichen und fragwürdige Profile sperren.
Urheberrecht: Zusammenfassung
Diese Wochen scheinen im Zeichen der Umwälzungen, großen und kleinen Skandale rund um das Urheberrecht zu stehen. Ein Überblick.
- Deutschland hat ein reformiertes Urheberrecht. Am 21. September verabschiedete der Bundesrat das Zweite Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft. Die Neuerungen laut Art-Lawyer.de-Newsletter : Erhalt der Privatkopie; Umgehung eines Kopierschutzes bleibt verboten; Pauschalvergütung als gerechter Ausgleich für die Privatkopie; Schranken für Wissenschaft und Forschung; Verträge über unbekannte Nutzungsarten jetzt zulässig.
- Sowohl GEMA als auch Filehoster Rapidshare begrüßen das zweite Sharehoster-Urteil des Oberlandesgerichts Köln. Die Gema, weil der Speicherplatzanbieter "sich nicht grenzenlos auf die Unkontrollierbarkeit ihrer Angebote berufen könne," so der GEMA-Vorstandschef Harald Heker. Rapidshare, weil damit das Unternehmen nicht selbst Täter sei, wenn es zu Urheberrechtsverstößen kommt. Und Rapidshare nur aktiv werden muss, sobald es von konkreten Rechtsverletzungen erfährt, zitiert die ORF Futurezone eine Mitteilung des OLG Köln .
- Tanya Andersen kämpfte zweieinhalb Jahre gegen eine Klage wegen Urheberrechtsverletzung vom Verband der amerikanischen Plattenindustrie (RIAA). Die RIAA musste mehrere Niederlagen einstecken jetzt kommt eine dazu: Sie muss Andersen die Prozesskosten erstatten. Die will nun eine Sammelklage gegen die RIAA organisieren, berichtet Ars Technica .
- Bereits Mitte letzter Woche verkündeten die Deutschen Phonoverbände einen erfolgreichen Schlag gegen einen Betreiber von sieben angeblich wichtigen eDonkey-Servern .
- In New York fand die Digital Rights Konferenz statt. Auf ihr wurde über digitales Rechtemanagement(DRM) diskutiert. Erstaunlich bunt: Ars Technica berichtet von der Erkenntnis "Oh, es gibt ja auch noch den Kunden!", Video Business davon, dass DRM-Entwickler mit dem Finger auf Inhalteanbieter zeigen und rufen: "Ihr zieht DRM in den Dreck!" .
- Und die BitTorrent-Suchseite The Pirate Bay hat verschiedene Unterhaltungsfirmen wegen Sabotage, Denial-of-Service-Attacken, Hacking und Spamming auf kommerziellem Niveau bei der schwedischen Polizei angezeigt. Begründung: Im neulich aufgetauchten E-Mail-Verkehr des Anti-Piraterieunternehmens MediaDefender würde klar ersichtlich, dass die "großen Platten und Filmlabels professionelle Hacker, Saboteure und Ddoser dafür bezahlen, unsere Tracker zu zerstören." Man darf gespannt sein, was aus dieser Anzeige wird