Netzwelt-Ticker: Blu-ray in homöopathischer Dosis - DER SPIEGEL
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Netzwelt-Ticker Blu-ray in homöopathischer Dosis

Blu-ray verspricht auch am Rechner beeindruckende Seh-Erlebnisse - allerdings nur mit einem entsprechenden Monitor, und die sind Mangelware. Außerdem im Überblick: Amazons Musik-Downloadpläne, ein cooles Firefox-Update, Online-Gesichtserkennung, Software für automatische Abmahnungen und mehr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Amazon: Download-Musik ohne DRM?

Einem Bericht des britischen "The Register" zufolge  plant Amazon seinen Einstieg in den digitalen Musikverkauf. Ein Amazon-Sprecher habe dem "Register" gegenüber geäußert, man beobachte die massiven Steigerungsraten bei Download-Musik-Verkäufen sehr interessiert. Als einen Grund dafür, dass der weltweit größte Online-Händler sich mit diesem Schritt so viel Zeit gelassen habe, sieht der Autor des Artikels darin, dass Amazon wohl plant, die Musik ohne DRM-System, also ohne Kopierbeschränkungen, zu verkaufen. Das wäre natürlich ein sensationeller Schritt nach vorn in Sachen Anwenderfreundlichkeit.

Als gesichert sollte man diese Information allerdings nicht ansehen – zumindest nicht, solange Amazon dazu nicht offiziell Stellung bezieht. Als Starttermin für den DRM-freien Download-Shop nennt der Artikel nur schwammig "im nächsten Jahr". Schön wär's schon.

Blu-ray-Laufwerk spielt jetzt Blu-ray-Filme

Bereits seit September bietet Sony das Blu-ray-Laufwerk BWU-100A als Nachrüstlösung für PCs an. Das Gerät ist ein echter Tausendsassa: Es kann CDs und DVDs lesen und schreiben und vor allem natürlich Blu-ray-Scheiben mit HD-Filmen lesen und auch beschreiben. Bisher war diese Fähigkeit allerdings auf selbst erstellte HD-Filme beschränkt. Wie Sony nun bekannt gibt, soll die Möglichkeit auch kommerzielle Blu-ray-Filme abzuspielen nun mit einem Software-Update  für die mitgelieferte Abspielsoftware "PowerDVD" nachgerüstet werden.

So richtig einfach scheint das aber immer noch nicht zu sein. So wird gewarnt, es könne Probleme beim Abspielen von BD-ROMs in den Formaten AVC und VC-1 geben, sofern diese mit hohen Bitraten arbeiten. Außerdem, so lauten etliche Hinweise, müsse man zum Abspielen von BD-ROMs erst einmal die notwendigen Voraussetzungen in Form eines geeigneten Bildschirms samt Grafikkarte schaffen.

Logisch, denn, um einen kopiergeschützten HD-Film in HD abspielen zu können, müssen Grafikkarte und Display den HDCP-Kopierschutz entschlüsseln können. Bisher sind solche Geräte nur in homöopathischen Dosen verfügbar. Doch das sollte angesichts eines Preises von 899 Euro für dass Blu-ray-Laufwerk kein Problem sein. Da dürfte ja auch die Kundschaft nur in homöopathischer Menge zugreifen.

Online-Gesichtserkennung

Dass man in Online-Bilder-Börsen wie flickr nur Fotos veröffentlichen sollte, zu denen man auch guten Gewissens stehen kann, sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Bald wird es dafür einen Grund mehr geben. Das schwedische Unternehmen Polar Rose  will nämlich kommendes Jahr ein Browser Plug-In veröffentlichen, mit dem man das Web nach Fotos bestimmter Personen durchforsten kann.

Dazu haben die Nordlichter eine neue Technologie entwickelt, die aus einem 2D-Foto ein 3D-Modell der abgebildeten Person erstellt. Dieses 3D-Modell soll ebenso einmalig sein wie ein Fingerabdruck. Anhand der darin gespeicherten Merkmale, so Polar Rose, ließe sich das Web dann nach anderen Abbildungen durchforsten, auf denen dieselbe Person zu sehen ist. Damit das klappt, ist das Unternehmen allerdings auf die Mithilfe der User angewiesen. Die sollen ihnen bekannte Bilder mit entsprechenden Tags versehen, welche dann an den Zentralrechner von Polar Rose weitergeleitet werden, um die Erkennung und Zuordnung der jeweiligen Person zu verbessern.

Abmahn-Automaten

Das kalifornische Startup-Unternehmen Attributor Corp. will Rechteinhabern einen neuen Weg weisen, ihr geistiges Eigentum zu schützen. Statt auf Digitales Rechtemanagement (DRM) oder das manuelle Durchforsten von Websites setzt die Firma auf eine Technologie, die Copyright-Verstöße automatisch aufdecken soll.

Anhand bestimmter Merkmale, die das Unternehmen als "digitale Fingerabdrücke" bezeichnet, sollen Suchroboter das Web nach Dateien abgrasen, die passende Merkmale aufweisen. Wird auf diese Weise ein unrechtmäßig online veröffentlichter Text, ein Bild, ein Musikstück oder ein Film gefunden, kann der Rechteinhaber ebenso automatisch seine Anwälte in Gang setzen und vom Betreiber der jeweiligen Website Unterlassung und/oder Schadensersatz einfordern.

"Wenn es funktioniert, ist das eine fantastische Innovation," jubelt der kalifornische Rechtsanwalt Lawrence Iser im "Wall Street Journal".  Die Aussichten von Online-Dienste wie YouTube und MySpace, die von Nutzer-generierten Inhalten leben, schätzt die Zeitung dagegen weniger enthusiastisch ein. Diesen Firmen könnten durch die Attributor-Technologie säckeweise Anwaltschreiben ins Haus flattern.

Die BBC macht’s mit Azureus

Vor zwei Wochen ging der HD-Video-Downloaddienst Zudeo mit der Download-Software Azureus und dem Versprechen an den Start, künftig auch kommerzielle Filme- und TV-Serien zum kostenlosen Download via BitTorrent-Netzwerk anzubieten. Wie "Wired" meldet , ist es bereits jetzt so weit. Ein Deal mit der BBC macht’s möglich. Fans britischer Unterhaltung können sich darauf freuen, das BBC-Kult-Serien wie Dr. Who, Coupling, Fawlty Towers und Invasion Earth demnächst in bester Qualität bei Azureus zu bekommen sein werden. Hoffentlich noch während der Weihnachts-Feiertage.

Firefox hat die Nase vorn

Einen Mangel an Bescheidenheit kann man den Machern des Webbrowsers Firefox  wahrlich nicht vorwerfen. Der Sprung in der Versionsnummer durch das heute veröffentlichte Update zeigt sich erst bei der dritten Nachkommastelle: aus 2.0 wurde 2.0.0.1. Eigentlich viel zu wenig, um der langen Liste an Neuerungen gerecht zu werden.

So ist nunmehr ein Phishing-Filter eingebaut, der automatisch beim Ansurfen verdächtiger Websites warnt. Auch die Suchfunktion wurde überarbeitet und schlägt jetzt schon während der Eingabe passende Suchbegriffe vor. Erhebliche Verbesserungen wurden auch beim Tabbed Browsing vorgenommen. So werden Links nun standardmäßig in Tabs und nicht in neuen Fenstern geöffnet. Zudem erhält jeder Tab jetzt einen eigenen Schließ-Button, was wesentlich intuitiver sein dürfte als die bisherige Praxis, einen universellen schließe-den-Tab-Knopf am rechten Rand des Browserfensters unterzubringen.

Grandios gelungen ist, wie Firefox 2.0.0.1 mit RSS-Feeds umgeht. Wird ein solcher angesteuert, wird der Benutzer automatisch gefragt, ob der Feed als dynamisches Lesezeichen zu Firefox hinzugefügt oder in einen externen RSS-Reader eingelesen werden soll. Zu den weiteren Verbesserungen gehören unter anderem JavaScript 1.7 sowie ein neuer Windows-Installer. Der schnellste Weg, an dieses Update zu kommen ist, im Firefox-Menü "Hilfe" den Menüpunkt "Firefox aktualisieren" auszuwählen. Die Aktualisierungsdatei ist nur rund 750 kByte groß.

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