Netzwelt-Ticker Microhoo kuschelt wieder
Neue Leute, neue Taten. Oder doch nicht? Kaum ist jedenfalls Carol Bartz neue Chefin beim Suchmaschinenbetreiber Yahoo, hat sie sich mit Microsoft-Boss Steve Ballmer getroffen, wie die "New York Times" (NYT) zu berichten weiß . Worüber genau die beiden gesprochen haben, wurde nicht bekannt - aber es ist auch nicht sonderlich schwer, sich da einen Reim zu machen.
Nach wie vor sind die Redmonder am Such- und Anzeigengeschäft von Yahoo interessiert. Vorherige Gespräche waren (noch unter dem alten Yahoo-Chef Jerry Yang) daran gescheitert, dass Yahoo mehr Geld haben wollte, als Microsoft zu offerieren bereit war. Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte zuletzt laut über eine Kooperation statt eines Kaufs nachgedacht.
Doch noch immer scheint Yahoos Lust zum Schachern um das Kerngeschäft begrenzt zu sein. Bartz ließ laut "NYT" beim lauten Nachdenken über ihr "Bauchgefühl" vernehmen, eine Vereinbarung mit Microsoft in Sachen Suche sei womöglich keine so gute Idee. Das sah die Börse offensichtlich anders. Kaum hatte Bartz ihre Skepsis dargetan, gab der Aktienkurs von Yahoo in New York um mehr als sechs Prozent nach. Die Märkte setzen auf den Verkauf.
Vorratsdatenspeicherung: EuGH-Urteil im Februar
Nicht nur in Deutschland ist die staatliche Neugier auf das digitale Wer-Mit-Wem so ausgeprägt wie umstritten. Die irische Regierung war zum Beispiel der Ansicht, die entsprechenden europäischen Richtlinien zur Speicherung von Kommunikationsdaten besäßen keine Rechtsgrundlage und klagte im vergangenen Jahr vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) auf Nichtigkeit. Nun hat der EuGH den weiteren Fahrplan des Verfahrens mitgeteilt. Am 10. Februar wollen die Obersten Richter ihre Entscheidung verkünden . Die Kläger wenden sich originellerweise nicht aus inhaltlichen, sondern rein formalen Gründen gegen die Richtlinie. Die deutsche Bundesregierung hatte ihre Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung unter anderem stets mit der Umsetzung der EU-Vorgaben in nationales Recht begründet.
Wenn er anruft, ist nie besetzt: Obamas Handy wird zum Roten Telefon
Noch denken der Secret Service und Sicherheitsberater in Washington darüber nach, ob Barack Obama als Präsident weiter sein geliebtes Blackberry behalten darf. Zu groß die Angst vor dem unberechtigten (Hacker-) Zugriff Dritter auf präsidiale Daten. Währenddessen werden zumindest seine normalen Handy-Anrufe ab dem Zeitpunkt seiner Vereidigung am Dienstag kräftig aufgewertet.
1963 installierte US-Präsident Kennedy die "Rotes Telefon" genannte Fernschreiberverbindung, um in Krisenfällen eine sichere und funktionierende Leitung zu haben. Seitdem trägt eine Behörde dafür Sorge, dass für den Präsidenten nie besetzt ist, wenn er anruft. Das gilt auch für Obamas Handy, das ab Dienstag in das beim Heimatschutz angesiedelte Vorzugs-Anrufsystem integriert wird . Handy-Anrufe wurden diesem System nach dem 11. September 2001 hinzugefügt. Es gibt den Beteiligten eine größere Verbindungspriorität zum nächsten Handy-Mast, abgestuft nach der Bedeutung des Anrufers in der Hierarchie. Wenn Barack Obama seine Vereidigungszeremonie hinter sich hat, wird er ganz sicher keine Schwierigkeiten damit haben, im überlasteten Netz von Washington zu telefonieren.
Telekom scheitert an Löschung von Kundendaten bei Partnern
Die Telekom und die Datensicherheit - eine nie endenwollende Geschichte. Und das verdankt der rosa Riese nicht zuletzt auch seinen Vertriebspartnern. Diesen hatten die Bonner nämlich die ultimative Aufforderung zukommen lassen, bis Ende Dezember alle "auf lokalen Datenträgern gespeicherten personenbezogenen Daten (...) zu löschen" und über den Vollzug schriftlich Mitteilung zu machen. Doch nicht einmal die Hälfte der Telekom-Partner kam dem Ansinnen nach, "es gibt noch Diskussionen", so die Telekom auf Anfrage der "Wirtschaftswoche" .
Dem Anschein nach haben zumindest manche der Händler eine etwas eigenwillige Vorstellung von den Besitzverhältnissen, was persönliche Daten angeht. "Das sind meine Datensätze, die ich mir mühsam zusammengestellt habe", wird eine empörte Händlerin zitiert. Doch der zuständige Telekom-Vorstand Balz will nicht locker lassen und die Kontrolle über die Kundendaten wieder unters eigene Dach zurückholen. Die hatte einst Konzernchef Obermann auch den Vertriebspartnern offengelegt, um die Jagd im Neukundengeschäft auszuweiten.
Basic-Thinking-Verkauf: alles nur eine PR-Nummer?
Letzte Woche ging Robert Basics Blog Basic Thinking für knapp 47.000 Euro über den Tresen, und nicht nur orthodoxe Blog-Fanatiker wähnen darin vornehmlich eine PR-Aktion. Der glückliche Sieger in der Bieterschlacht, der Webhoster Serverloft aus Hürth bei Köln, verband jedenfalls seine Erfolgsmitteilung sofort mit geschmeidiger Produktreklame . Und auch sonst haben die neuen Herren in Basics buntem Gemüsegarten für manches Stirnrunzeln gesorgt. Bestand doch vor Auktion die Zusicherung, die E-Mail-Adressen der Kommentatoren würden noch vor Ende der Veranstaltung im Interesse des Datenschutzes entfernt : "Sollten die Kommentierenden Mailadressen hinterlassen haben, werden diese vor Übergabe des Webprojekts gelöscht."
Bei Tageslicht besehen ging's anders aus, tatsächlich machten es dann die Käufer von Serverloft, in deren Händen sicher nicht jeder Basic-Kommentator seine Kontaktdaten sehen will . Im Interview erklärte Serverloft-Gründer Thomas Strohe dann: "Das Blog von Robert war jeden Morgen immer meine erste Web-Anlaufstelle . Als er dann schrieb, dass er seine Seite verkaufen will, wollten wir auf keinen Fall, dass es einfach ausgeschlachtet wird. Schnell gab es die erste Idee: Wir übernehmen das Blog und machen weiter."
Wobei sich der geneigte Leser fragt, wieso sich Strohe dann nicht das ganze umständliche und kostentreibende Auktionstheater gespart und gleich den Kontakt zu Basic gesucht hat. Die Antwort ist einfach: Es hätte nur die Hälfte der Leute interessiert, und schon gar nicht Funk und Fernsehen. Dass Strohe etwas vom PR-Geschäft versteht, hat er schon mit seiner Internet-Firma intergenia beweisen. Egal wie, Hauptsache in die Schlagzeilen, scheint das Motto der Hürther zu sein. Und sei es um den Preis einer Rüge des Deutschen Werberats, weil die Firma mit dem Bild eines kopulierenden Paares geworben hatte .
Außerdem:
Google Web Drive: Kommt die Online-Festplatte?
Lexikon lernt laufen: Wikipedia bald mit Multimedia-Inhalten
Zensur:
Wayback-Archiv nach Kinderpornosperre wieder zugänglich
Auferstehung bei Seagate: Firmware-Update gegen tote Festplatten