Netzwelt-Ticker Windows soll das sicherste Betriebssystem sein
EU: Microsoft missbraucht seine Marktstellung noch immer
Anfang des Monats hatte die EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes Microsoft erneut ein Zwangsgeld angedroht, weil der Softwareriese seine Lizenzen für Vista-kompatible Applikationen angeblich zu überteuerten Preise verkauft. Gestern hat Kroes diese Vorwürfe vor dem Europäischen Parlament wiederholt. "Microsoft erhöht ständig seine Marktanteile im Bereich der Server-Betriebssysteme für Arbeitsgruppen. Als Konsequenz des missbräuchlichen Verhaltens erhält man positive Firmenergebnisse - das ist meiner Meinung nach nicht akzeptabel", stellte sie fest .
Gegenwärtig hält Microsoft bei Server-Betriebssystemen einen Marktanteil von 75 Prozent, während er 1999, bei Beginn der EU-Maßnahmen gegen Wettbewerbsverzerrung, bei lediglich 35 bis 40 Prozent lag.
Symantec: Sicherstes OS kommt von - Microsoft!
Wer hätte das gedacht, seit Jahren bekommt Microsoft für seine beständigen Sicherheitsprobleme was aufs virtuelle Dach, der Patchday ist mittlerweile sprichwörtlich und so regelmäßig wie die Mondphasen und jetzt das: In seinem elften Bericht zur Internet-Sicherheit stellt Symantec fest , Windows stehe bei den Betriebssystem besser da als die Konkurrenz. Denn Windows habe die niedrigste Anzahl benötigter Sicherheitsflicken, auch deren Entwicklungszeit sei kürzer als bei anderen.
Symantec hatte fünf verschiedene Betriebssysteme, darunter Mac OS X und Linux, im zweiten Halbjahr 2006 getestet. Die Redmonder lieferten nach durchschnittlich 21 Tagen Sicherheitsflicken für erkannte Lücken aus, während man sich bei Linux (58 Tage) und Mac OS X (66 Tage) sehr viel gemächlicher gab. Interessant dabei: Die Schnelligkeit ließ im Vergleich zum ersten Halbjahr gleich bei mehreren Anbietern erheblich nach.
Europas Antwort auf Google, nächster Versuch
Seit gestern ist mit "Europeana" nach Gallica das zweite Projekt der französischen Nationalbibliothek online zugänglich , der Nutzer hat Volltextzugriff auf circa 12.000 historische Dokumente in mehreren europäischen Sprachen. Die Seite entstand in Kooperation mit der ungarischen Szechenyi-Nationalbibliothek und der portugiesischen Nationalbibliothek, weswegen die meisten Dokumente auch in den entsprechenden Landessprachen vorliegen. Auf Deutsch finden sich dagegen bisher nur dürftige 229 Titel. Trotzdem sieht man der Seite den Willen der Initiatoren an, eine gesamteuropäische Online-Bibliothek und damit ein Gegengewicht zu Googles Book Search zu schaffen. Zwar wird Jean-Noel Jeanneney, Präsident der französischen Nationalbibliothek, mit der Beschwichtigung zitiert: "Das Projekt richtet sich nicht gegen Google . Wir wollen nur sicherstellen, dass die Vielfalt gewahrt bleibt."
Erfrischend deutlich äußert sich dagegen die Bundesvereinigung Bibliothek & Information Deutschland, eine Europäische Digitale Bibliothek könne durchaus als "Europas Antwort auf Google" verstanden werden. So könnten Bibliotheks- und Museumskataloge wie auch die Bestände selbst erfasst und zugänglich gemacht werden.
Meinungsfreiheit: US-Richter kippt Anti-Pornogesetz
In den USA legt man auf Seiten des Gesetzgebers gern großen Wert auf Sitte und Anstand, so erblickte 1998 das Kinderschutzgesetz Child Online Protection Act (COPA) das Licht der Welt. Es sieht für Anbieter von für Minderjährigen "schädlichen" Inhalten Geldstrafen bis zu 50.000 US-Dollar oder Haft vor .
Ein Bundesrichter in Philadelphia kippte das Gesetz nun mit der Begründung, es verstoße gegen mehrere Verfassungszusätze und schränke die Meinungsfreiheit zu sehr ein. Der Richter anerkannte zwar ein zwingendes Interesse, Kinder im Internet vor pornografischem Material zu schützen, das Bundesgesetz schieße aber in seiner jetzigen Form übers Ziel hinaus.
"Aufgrund seiner sehr weitgefassten Bestimmungen verbietet COPA mehr freie Rede als eigentlich nötig ist, um die Intention des Gesetzgebers zu fördern", so der Richter . Außerdem sei das Gesetz für nichtamerikanische Anbieter völlig wirkungslos. Es gelte vielmehr, durch Maßnahme wie altersbeschränkten Zugang den Schutz von Kindern sicherzustellen.
Französisches UFO-Archiv online
Seit gestern müssen europäische Ufo-Fans nicht mehr nur von der amerikanischen Area 51 träumen, die französische Raumfahrtbehörde Cnes stellte ihr Archiv nicht identifizierter Flugobjekte online . Auf der Seite sind die Berichte von 6000 Menschen über insgesamt 1600 ungeklärte Beobachtungen in Frankreich aufgelistet, die dazugehörigen Fotos und Videos sollen bis Ende des Jahres nachgereicht werden. Cnes-Ufo-Experte Jaques Patenet sagte: "Wir wollen damit die Transparenz unserer Arbeit unter Beweis stellen".
Bereits kurz nach der Bekanntmachung brach die Seite der Behörde unter dem Ansturm der Interessenten zusammen, auch heute Mittag war sie noch nicht wieder erreichbar. Was natürlich etwas mit dem außerordentlichen Publikumsinteresse zu tun haben könnte, das Berichte über den Server angeheizt hatten: Allein der Bericht bei SPIEGEL ONLINE fand in den letzten zwei Tagen weit über 120.000 Leser.
Konzepte von Computerspielen dürfen kopiert werden.
Das britische Berufungsgericht, die zweithöchste Instanz der Insel, hat in einem Urteil festgestellt, dass die grundsätzlichen Ideen und Strukturen hinter Computerspielen und Programmen legal kopiert werden können, solange weder der Quellcode noch verwendete Grafiken betroffen sind . Die Konzeption eines Spiels könne nicht durch das Copyright geschützt werden, weil es sich nicht auf generelle Entwürfe erstrecke. Grund des Urteils war ein Rechtsstreit unter drei Spieleproduzenten, der wegen der Ähnlichkeiten in Online-Billard-Spielen aufgekommen war.